Weilheim und Umgebung

Die Schäfchen sind im Trockenen

Sanierung Die Baumängel am städtischen Schafstall in Weilheim sind behoben. Zum ersten Mal können Schäfer Jörg Schmid und seine Frau dort ohne Bedenken Muttertiere und Lämmer unterbringen. Von Bianca Lütz-Holoch

Stadtbaumeister Jens Hofmann (rechts) besucht die Schmids im sanierten Stall.Fotos: Markus Brändli
Stadtbaumeister Jens Hofmann (rechts) besucht die Schmids im sanierten Stall.Fotos: Markus Brändli

Vorne im Pferch toben ein paar Lämmer im Stroh umher, andere drängen sich zum Saugen an die Euter ihrer Mütter, während die sich Heu vom Futterband schmecken lassen. Immer wieder blökt es, wenn ein Lamm seine Mutter aus den Augen verloren hat - oder umgekehrt. Jörg und Betina Schmid beobachten das friedliche Treiben und strahlen. „Die Stimmung hier ist jetzt komplett anders - und das Klima auch“, schwärmt Jörg Schmid und deutet nach oben auf das frisch gedämmte Hallendach und die neuen Hubfenster, durch die nicht nur wohldosiert frische Luft, sondern auch jede Menge Licht kommt.

Zum ersten Mal, seit Jörg Schmid und seine Frau Betina zu ihrem Schäfereibetrieb in Owen auch den kommunalen Schafstall in Weilheim gepachtet haben, kommen sie gerne her. Draußen ist es an diesem Dezembertag kalt, feucht und windig. Weiter oben ist Schnee gefallen. Solche Wintertage waren es, an denen die Schmids früher die Tür zum Weilheimer Landschaftspflegestall am liebsten gar nicht geöffnet hätten. „Man wusste nie, was einen erwartet“, sagt Betina Schmid. Mit Grauen erinnern sich die Schmids an den ersten Winter im Stall vor drei Jahren zurück. Kaum hatten sie ihre Mutterschafe zum Ablammen hergebracht, begann Tauwasser vom Dach zu regnen. Öffneten sie die Windfangnetze, pfiff ein scharfer Wind durch die Halle. „Kälte macht Schafen gar nichts aus“, weiß Jörg Schmid. „Aber auf Feuchtigkeit und Zugluft reagieren sie sehr empfindlich.“ Morgen für Morgen fanden die Schmids verendete Lämmchen im klammen Stroh. Sie kämpften gegen Lungenentzündungen bei den Kleinen und Euterentzündungen bei den Mutterschafen. Etliche Tiere verloren sie.

Diese Zeiten sind passé. Jetzt sind die Schäfchen buchstäblich im Trockenen. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit der Stadt mit der Stallbaufirma um Baumängel, ist der Schafstall saniert worden. Ein gerichtliches Gutachten hatte im Sommer dessen Mangelhaftigkeit belegt. Seither läuft es wie geschmiert. „Wir haben alles getan, um eine Sanierung des Stalls noch vor diesem Winter möglich zu machen“, betont Weilheims Stadtbaumeister Jens Hofmann - mit Erfolg. Der Stadt ist es nicht nur gelungen, in Österreich eine Firma zu finden, die trotz schwieriger Statik eine Dachdämmung per Spezialschaum ermöglichte. Die Arbeiten gingen auch schneller über die Bühne als erwartet. Innerhalb von vier Wochen waren das Dach eingeschäumt, die neuen Hubfenster eingebaut und absenkbare Dächer montiert, mit denen sich geschützte Bereiche für neu geborene Lämmer einrichten lassen.

Ende Oktober war alles fertig - genau rechtzeitig zu den ersten Geburten. In dem Außenklimastall ist es auch jetzt noch kühl, aber trocken und zugfrei. „Den Muttertieren geht es richtig gut, die Lämmer sind vital, und wir haben wieder Freude an der Arbeit“, fasst es Jörg Schmid zusammen. Verluste beim tierischen Nachwuchs haben die Schmids dieses Jahr kaum zu verzeichnen. 313 Lämmchen wachsen in Weilheim heran. In Owen sind es nochmal gut 200. Sobald sie groß genug sind, kommen die nächsten Schafmütter in den Stall. „Das geht bis Ende April so“, sagt Jörg Schmid.

In den vergangenen Jahren war ein solcher Zeitplan nicht möglich gewesen. Nach dem ersten Winter achtete Jörg Schmid darauf, dass seine Schafe nicht gerade in den kältesten Monaten ihre Lämmer zu Welt brachten. „Wenn man viele Tiere verliert, nimmt das nicht nur die Freunde an der Arbeit“, gibt er zu bedenken. „Es bedeutet auch finanzielle Verluste.“ Die Tiere sind das Kapital der Schmids. Weibliche Lämmer gehen in ihre Zucht über, männliche vermarktet das Ehepaar über die Erzeugergemeinschaft Württemberger Lamm und die Viehzentrale.

Die Probleme mit dem Stall und die Verschiebungen beim Ablammen wirbelten den ganzen Betrieb durcheinander. Weil Mütter mit ihren Lämmern bis zum Frühsommer im Stall statt auf der Weide standen, kam der Schäfer zuletzt mit der Landschaftspflege nicht mehr hinterher. Die Schafe im Stall musste er zufüttern.

Die Schmids blicken jetzt optimistisch in die Zukunft. Für sie ist die Sanierung ein Quantensprung in puncto Stallqualität gewesen. Noch besser wird es ab dem Frühjahr. Dann folgen eine elektronische Steuerung für die Hubfenster und ein Rolltor.

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