Weilheim und Umgebung

Drei Berge bilden die Lebensgrundlage für Bauern

Geschichte Egelsberg, Reutenberg und Limburg ergeben laut Reinhard Gunst einen Sonnenkalender.

Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Region. Wer morgens auf der Alb unterwegs ist, hat sicher schon einmal einen der wunderschönen Sonnenaufgänge beobachten können. Während die frühmorgendlichen Beobachtungen heute toll zu bestaunen sind, wurde früher der Tag nach der Sonne bestimmt. Vor allem für Bauern war ihr Verlauf sehr wichtig, um beispielsweise zu wissen, wann sie das Feld bestellen können. Viele landwirtschaftliche Tätigkeiten richteten sich damals nach den Sonnenauf- und -untergängen, und auch das Wetter wurde danach bestimmt.

Laut Mythologie sind die Sonne und der Mond Götter. Der Sonnengott der Römer, Sol, feierte seinen Geburtstag am 25. Dezember, also kurz nach der Wintersonnenwende, die am 21. Dezember ist. Später wurde die Wintersonnenwende dann mit Jesu Geburt gleichgesetzt. Damals war die Sonne also von großer Bedeutung, und wichtige Gebäude wurden auf Sonnenkalenderorten erbaut.

So auch die Limburg: „Sie bildet zusammen mit der Südwestspitze des Reutenbergs und dem Egelsberg ein gleichschenkliges Dreieck“, sagt Architekt und Kunsthistoriker Reinhard Gunst. Vom Egelsberg aus kann der Sonnenaufgang während der Wintersonnenwende über der Limburg beobachtet werden. Vom Reutenberg aus sieht man den Sonnenuntergang. Dabei ist die helle Scheibe für einen kurzen Augenblick über dem Plateau der Limburg sichtbar.

Bei dem gleichschenkligen Dreieck lassen sich die Entfernungen laut Gunst mit ganzzahligen Einheiten berechnen, wenn man ein Maß nimmt, das man in der Antike benutzte: Die Nip­pur-Elle. Dieses Maß wurde etwa 3000 bis 1800 vor Christus angewendet. „Das bestätigt die Nutzung des Bergs als Sonnenkalender, weil sich dort damals die ersten Siedlungen gebildet haben“, ist Gunst überzeugt.

Die Limburg hat eine weitere Besonderheit: Ihre Höhenlinien sehen von oben aus wie eine Ellipse. Der Mittelpunkt dieser geometrischen Form zeigt nach Angaben des Kunsthistorikers genau auf den Aufgangspunkt eines früher sehr wichtigen Sternes: den Arktur. Das war einer der Leitsterne der Griechen.

Auch auf dem Egelsberg lässt sich bei der Beobachtung des Sonnenaufganges zur Wintersonnenwende etwas feststellen: Tatsächlich muss hier einmal ein Gebäude mit einer Fläche von rund 350 Quadratmetern gestanden haben, das auf die Limburg ausgerichtet war. Der Dettinger Karl Österle glaubt, dies herausgefunden zu haben, als er den frühen Spuren nachging. „Es muss ein ähnliches Gebäude wie das aus der keltischen Siedlung Lassois in Frankreich sein“, sagt Reinhard Gunst. Dort hatte früher wohl ein rechteckiges Bauwerk gestanden, das auf der Rückseite mit einem Halbkreis abschloss. Zum Sonnenaufgang hin konnte es mit einem breiten Tor geöffnet werden.

Gegen Ende der Bronzezeit sei das Limburgdreieck durch zwei weitere Punkte im Westen ergänzt worden: Weithin sichtbar ist heute der Dachsbühl, von dem aus der Sonnenaufgang während der Tag- und Nachtgleiche über der Limburg beobachtet werden kann. Ein Waldstück bei Nabern könnte der dritte Punkt des dortigen Dreiecks gewesen sein. Von diesem Punkt aus konnte man einst den Sonnenaufgang am 1. Februar über der Limburg verfolgen. Das war ein wichtiger Festtag für die Kelten. - Vielleicht ein erster Hinweis, dass diese Punkte erst in keltischer Zeit entstanden sind. Linda Kircheis

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