Weilheim und Umgebung

Ein Fall für die Hundepsychologin

Susanne Wörn hilft verzweifelten Frauchen und Herrchen, ihr Tier zu verstehen

Lotta hat ein Problem: Sie kläfft alles an, was ihren Weg kreuzt. In der Regel sei nicht der Hund das Problem, sondern der Mensch, sagt Susanne Wörn. Und weil Lotta auch sonst oft nicht tut, was sie soll, hat Frauchen Jasmin Steigerwald sich an die Hundepsychologin aus Wernau gewandt.

Lotta kommt inzwischen, wenn man sie ruft. Zur Belohnung gibt ihr Jasmin Steigerwald ein Leckerli. Susanne Wörn freut sich, welc
Lotta kommt inzwischen, wenn man sie ruft. Zur Belohnung gibt ihr Jasmin Steigerwald ein Leckerli. Susanne Wörn freut sich, welche Fortschritte Mops und Mensch in den vergangenen Wochen gemacht haben. Foto: Bulgrin

Holzmaden. Erst hat Jasmin Steigerwald gedacht, das legt sich schon wieder mit dem Gekläff. Hat es aber nicht. Manchmal hat sie deswegen auf dem Spaziergang sogar kehrtgemacht, um niemandem zu begegnen. Dabei hatte sich die angehende Logopädin einen Hund gewünscht, den sie überall hin mitnehmen kann. Als sie den Welpen vergangenes Jahr beim Züchter abholte, wollte sie alles richtig machen. Ein halbes Jahr ging sie mit Lotta in die Hundeschule. Aber dann wollte Lotta plötzlich nicht mehr am Fuß laufen und trieb, was sie wollte. „Ich bin da heulend rausgegangen“, erzählt Jasmin Steigerwald.

Sie war verzweifelt. Und auch die Eltern, bei denen sie in Holzmaden lebt, wussten sich mit dem Mopsmädchen nicht mehr zu helfen.

Bis die Mutter die Idee hatte, Susanne Wörn anzurufen. Sie nennt sich Hundepsychologin. Ihre Ausbildung hat die Wernauerin an der Akademie für Tiernaturheilkunde in der Schweiz gemacht, wo auch Martin Rütter, Deutschlands bekanntester Hunde­coach, seine ersten Schritte getan hat. „Die Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung helfen, das Tier einzuschätzen und somit sein Verhalten und seine Kommunikation zu verstehen“, sagt Susanne Wörn.

Als sie im April das erste Mal bei Steigerwalds in Holzmaden klingelte, stand Lotta sofort kläffend in der Tür. In der Küche sprang der Mops auf die Eckbank. Was er nicht sollte. „Der Hund macht das nicht, um uns zu ärgern, sondern weil es aus seiner hündischen Sicht das Richtige ist“, sagt Susanne Wörn. „Er unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse, sondern entwickelt die meisten Verhaltensweisen über Lernen am Erfolg.“ Hundeerziehung sei eigentlich gar nicht schwierig. Es gebe nur A oder B, erwünschtes und unerwünschtes Verhalten.

Da setzte Susanne Wörn in der ersten Stunde gleich mal an: Immer wenn Lotta hinaufsprang, sollte Jasmin Steigerwald sie sofort runternehmen. Wenn sie unten blieb, gab’s ein Leckerli. „Das hat nach 20 Minuten geklappt“, sagt Jasmin Steigerwald. Dann, nachdem Susanne Wörn weg war, kam der harte Teil. „Ich durfte Lotta nicht mehr hoch lassen und nicht hochnehmen.“

Susanne Wörn sagt, der Mops habe sich als Chef gefühlt. „Lotta wusste, ich kann machen, was ich will.“ Aber ein Hund brauche keine Demokratie. Er müsse lernen, wer im Sozialverband das Sagen hat. „Eine Leitfigur muss sich klar, eindeutig und sicher verhalten.“ Ruhe und Konsequenz, das waren auch die Stichworte, die Jasmin Steigerwald beim Spazierengehen lernen musste. Denn: „Ich konnte Lotta nicht von der Leine lassen, sie kam nie zurück.“

Das ist ein paar Wochen und vier Therapiestunden her. An diesem Morgen tippelt Lotta ohne Leine auf dem Teerweg Richtung Felder. Jasmin Steigerwald ruft nach ihr, dreht sich dann aber wieder um und geht weiter. Und Lotta kommt. Das hat sie gelernt beim Training mit der Schleppleine. Das machen viele falsch, sagt Susanne Wörn. Sie gehen zum Hund und holen ihn. „Dann lernt er nie, dass er selber gucken muss, dass er bei seinem Menschen bleibt.“ Als sie das anfangs mit Lotta und ihrem Frauchen trainiert hätten, sei nicht ganz klar gewesen, wer von den beiden nun der Mops ist. „Da bestimmte Lotta das Tempo und die Richtung.“

Jasmin Steigerwald ist erstaunt, wie schnell sich die Erfolge einstellen. Vergangene Woche ist sie mit Susanne Wörn nach Kirchheim gegangen zum Stadttraining. Und Lotta legte sich auf einen Fingerzeig hin im Café brav unter den Tisch.

Die Hundepsychologin hat mal Zahnarzthelferin gelernt, später als Chefsekretärin gearbeitet. Als ihre Kinder elf und 14 waren, sei es an der Zeit für einen Hund gewesen. Vor 17 Jahren trat dann Macho in ihr Leben, ein schwarzer Flat-Coated Retriever/Irish-Setter/Schäferhund-Mix. Er ist im Herbst gestorben, in ihren Armen. Als er noch klein war, ist sie mit ihm in eine Hundeschule gegangen, doch der Drill und der Kasernenhofton haben ihr nicht gefallen. „Viele Hundeschulen machen aber gute Arbeit“, sagt sie.

Susanne Wörn hat sich nach und nach mit anderen Methoden auseinandergesetzt. Neben ihrer Ausbildung zur Hundepsychologin hat sie zahlreiche Fortbildungen gemacht. Auch zum Thema Hundeernährung.

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