Weilheim und Umgebung

Ein „Fernsehabend“ - von Melodie zu Melodie

Blasmusik Der Musikverein ging mit seinen Blaskapellen und Gesangseinlagen neue Wege beim Frühjahrskonzert.

Rund 100 Musiker bevölkerten die Bühne.Foto: Hans-Jörg Holder
Rund 100 Musiker bevölkerten die Bühne. Foto: Hans-Jörg Holder

Holzmaden. Eingefahrene Pfade müssen zuweilen verlassen werden. So dachten wohl auch die Programmverantwortlichen des Holzmadener Musikvereins und platzierten neben der Konzertbühne ein Wohnzimmer, in dem es sich eine „Durchschnittsfamilie“ vor dem Fernseher gemütlich machte und durchs Programm zappte. Sogleich spielten die Ensembles das Gewünschte live auf der Bühne.

Quasi zweimal wurden die Besucher in der Gemeindehalle empfangen: Mit dem Bühnenbild in Form eines Fernsehers und durch die Worte des neuen Vorsitzenden Tomas Horlacher. Vermutlich als Gegengewicht zu aktuellen europäischen Turbulenzen eröffneten Jugendorchester, Bläserklasse und Kinderchor gemeinsam mit der „Europa-Hymne“ den musikalischen Reigen.

Das Blasorchester startete danach gekonnt mit dem schwierigen Stück „Eiger“ von James Swearingen. Dem stand das Jugendorchester mit der populären Fantasynummer „Game of Thrones“ in nichts nach. Beide Kapellen wurden von Tobias Wegele dirigiert, der im Herbst in Holzmaden anheuerte und dem die künstlerische Leitung des Abends oblag.

Während in der Wohnzimmerkulisse Chips gefuttert und ums richtige Programm gerangelt wurde, sinnierte der Opa über alte Zeiten und forderte mehr deutsche Volksmusik - noch konnte er sich aber damit nicht durchsetzen. Zunächst intonierten die Orchester „The Twilight Saga“ und die Bläserklasse überraschte bei „Tsche Tsche Koole“ und „Stadionfieber“ mit einem Klangbild und einer Bühnenpräsenz, was zeigte: Klassenlehrerin Claudia Frank versteht es, ihren Schützlingen auf die Sprünge zu helfen. Entsprechend munter ging es weiter mit den Jugendmusikern und „Beauty and the Beast” sowie „You’ll be in my Heart“.

Aber auch der „Kinderkanal“ kam am „Fernsehabend“ nicht zu kurz. Das Lied „Bibi und Tina“ wurde eigens von Tobias Wegele arrangiert und mit E-Bass begleitet; Rolf Zuckowskis „Lieder, die wie Brücken sind“ hingegen war ein Evergreen. Die Chorkinder unter Leitung von Nicole Schinko sangen die Stücke aus voller Kehle und mit Inbrunst.

Blaulicht, Brandgeruch und Holzmadener Feuerwehrleute im Einsatz markierten den Beginn des zweiten Konzertteils. Das Manöver war „Backdraft“ geschuldet, einem Film, der in Deutschland unter dem Titel „Männer, die durchs Feuer gehen“ ins Kino kam.

„So schön klingt die Blasmusik“ war ein weiteres Highlight volkstümlicher Musik mit gefälligen Melodien wie „Alpenwelt“ und „Im weißen Rössl“. Was hier das Blasorchester an Tempi und Einfühlvermögen bot, war erstaunlich.

Bei „Over the Rainbow“, eine Reminiszenz an die Judy-Garland-Verfilmung, demonstrierte die Holzmadener Sopranistin Nicole Schinko ihr Können und im folgenden „My Dream“ zeigte Solist Chris Dring am Flügelhorn die Beherrschung seines Instruments.

Dann kam, was kommen musste: Der Opa schlief im Sessel, die Enkel lagen im Bett - Zeit für die Eltern, in trauter Zweisamkeit dem Vokalstück „Dry Your Tears, Africa“ zu lauschen. Gesungen wurde dies vom Projektchor unter der Leitung von André Moselewski, einfühlsam begleitet vom Orchester.

Das Finale mit allen Konzertbeteiligten bildete das Stück „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd, begleitet durch frenetischen Applaus für die rund 100 Musiker. Im „Fernsehzimmer“ verkörperten Sandra Wagner und Lukas Ritter authentisch die Enkel. Den Opa mimte Rainer Stephan. Beate und Jochen Wagner gefielen in der Rolle der Eltern. rs

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