Weilheim und Umgebung

Ein Geschäft mit Tradition macht zu

Einzelhandel Carola Bezler schließt nach 38 Jahren das Wolle-Lädle in der Weilheimer Marktstraße. Ihre Großmutter hatte den Laden 1950 eröffnet. Von Bianca Lütz-Holoch

Jahrzehntelang hat Carola Bezler ihre Kunden in Weilheim beraten und mit Wolle versorgt. Schon ihre Großmutter Emma Ampßler verk
Jahrzehntelang hat Carola Bezler ihre Kunden in Weilheim beraten und mit Wolle versorgt. Schon ihre Großmutter Emma Ampßler verkaufte in der Marktstraße Textilien und Garn. Foto: Carsten Riedl

Wenn Carola Bezler in wenigen Wochen zum letzten Mal die Tür des Wolle-Lädles in der Weilheimer Marktstraße abschließt, tut sie das mit zwei lachenden Augen. „Ich freue mich auf das, was jetzt kommt, und bin überhaupt nicht wehmütig“, sagt die 62-Jährige und strahlt. Gemeinsam mit ihrem Mann, der in Rente geht, möchte sie viel reisen und Rad fahren. „Und sticken werde ich natürlich auch“, sagt sie. Vielleicht wagt sie sich dann sogar an ein paar größere Teile heran. „Dafür hatte ich bisher nie Zeit. Deshalb habe ich meistens Socken, Babysachen und andere kleinere Dinge gestrickt.“

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38 Jahre lang hat Carola Bezler beinahe Tag für Tag in ihrem Laden neben dem Weilheimer Rathaus gestanden und Wolle, Strumpfwaren und Wäsche verkauft. Unterstützung bekam sie zeitweise von ihrer Mutter und zwei Mitarbeiterinnen. „Die waren mir eine große Hilfe, vor allem, als meine Kinder noch klein waren“, sagt die Weilheimerin. In Familienhand befand sich das Geschäft übrigens schon vorher: Carola Bezlers Großmutter Emma Ampßler eröffnete den Laden im Jahr 1950 und übergab ihn 1979 ihrer Enkelin.

In den vergangenen Jahrzehnten hat Carola Bezler so einige Trends miterlebt. „Als ich angefangen habe, gab es einen richtigen Strick-Boom“, erinnert sie sich zurück. Einen weiteren Höhepunkt erreichte die Nachfrage nach Wolle vor rund fünf Jahren. „Damals wollten alle Boshi-Mützen häkeln“, erzählt Carola Bezler. Teilweise von weit her seien die Leute nach Weilheim gekommen, um bei ihr die passenden Knäuel zu kaufen. Auch dieser Trend ist vorbei. Gestrickt wird trotzdem noch. Zuletzt zum Beispiel Hausschuhe aus Filzwolle. „Meistens kaufen die Kunden aber Sockenwolle bei mir“, sagt Carola Bezler. Oft sind es ältere Frauen. Aber auch junge Leute kommen regelmäßig in den Laden. Ein Faible für Wolle hat zum Beispiel auch Carola Bezlers Schwiegertochter. Zusammen mit ihrer Mutter strickt sie Drachen, Mäuse und andere Woll-Tiere. Einige Exemplare sind im Lädle ausgestellt.

Es ist nicht leichter geworden

Leichter ist es für Carola Bezler in den vergangenen Jahren nicht geworden. „Heute gibt es ja sogar in den Supermärkten Sockenwolle“, sagt sie. Auch das Internet mit seinem überbordenden Angebot wird für kleine Läden immer mehr zur Konkurrenz. „Jeder sagt, dass die Innenstadt nicht aussterben darf - aber dann muss man eben auch dort einkaufen gehen“, mahnt Carola Bezler. Bis Ende August versucht sie, noch so viel wie möglich von ihrem Sortiment zu verkaufen. Dann ist für sie Schluss.

Leer wird das Geschäft im Herzen Weilheims aber auch künftig nicht stehen. „Ich habe jemanden gefunden, der den Laden mieten möchte“, sagt Carola Bezler. Viel mehr verrät sie aber noch nicht. Nur, dass voraussichtlich wieder Wolle im Sortiment sein soll.

1950 hat Carola Bezlers Großmutter den Laden eröffnet.
1950 hat Carola Bezlers Großmutter den Laden eröffnet. Foto: Stadtarchiv Weilheim