Weilheim und Umgebung

Ein Hansdampf in sämtlichen Gassen

Ehrenamtspreis Abteilungsleiter mit 22 Jahren? Beim TV Neidlingen (TVN), bei dem fast der halbe Ort Mitglied ist, geht das. Und es ist dort nicht einmal etwas Besonderes. Von Peter Dietrich

Ski und Fußball - ohne Johannes Hepperle läuft bei diesen Sportarten in Neidlingen nichts.Foto: Peter Dietrich
Ski und Fußball - ohne Johannes Hepperle läuft bei diesen Sportarten in Neidlingen nichts.Foto: Peter Dietrich

Johannes Hepperle, Jahrgang 1996 und für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen, leitet die TVN-Skiabteilung im Dreierteam mit Kurt Ambacher und René Hitzer. Somit sind drei Altersstufen vertreten, also Mitte 60, Mitte 40 und 22 Jahre. Auch in der Fußballabteilung und im Gesamtverein gibt es junge Vorstände. „Das hat sich im letzten halben Jahr deutlich verjüngt. Dadurch falle ich gar nicht so auf.“ Fühlt er sich akzeptiert? „Voll“, sagt er.

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Zur TVN-Skiabteilung kam der älteste von drei Brüdern als Kind, sein Vater, Uli Hepperle, war dabei. Johannes Hepperle fuhr auch Rennen, aber: „Da war ich nie so richtig gut“, so der Youngster. Mit dem Erfolg fehlte der Spaß, für einige Jahre hörte er mit dem Skifahren ganz auf. Dann wurde für die Zeitmessung ein Nachfolger gesucht. „Mein Vater wollte, dass ich mitmache.“ Also hat sich der Sohn das bei einem Rennen in Wiesensteig angeschaut und wurde mit 13 Jahren Zeitmesser. „Da kommt man nicht mehr raus, wenn man sich nicht wehrt“, sagt er lapidar.

Die Stoppuhr ist nur zusätzlich, normal wird mit Lichtschranke gemessen. Bei großen Rennen werden am Tag zuvor die Startnummern ausgelost. „Das geht manchmal bis nachts um zwei Uhr.“ Johannes Hepperle ist Kampfrichter alpin „Das ist nicht spektakulär, einen Abend lang wird das Reglement durchgesprochen.“ Bei schwierigen Fällen entscheiden Schiedsrichter, Rennleiter und Kampfrichter gemeinsam. Bei kleinen Rennen kann Johannes Hepperle neben der Zeitmessung auch selbst mitfahren, in der Klasse D/H21 ab 21 Jahren, er nennt sie die „Königsklasse“.

Durch den Vorsitz der Skiabteilung, den er im März 2018 übernahm, hat sich für ihn nichts verändert. „Kurt wollte, dass ich das mache, weil ich immer dabei bin.“ Durch sein paralleles Engagement in der Fußballabteilung hat er Kontakte zu weiteren Sportlern. Als der TVN noch keine Pistenwalze hatte, wurden die Fußballer mit Ski und Skistiefel ausgerüstet und durften zum Präparieren der Piste den Hang hochtrippeln. „Wir haben ein Training daraus gemacht. Dazu muss man nicht fahren können.“

Erstmals seit sieben Jahren gab es 2018 wieder das Skispringen, gemeinsam mit Kurt Ambacher organisierte er dieses mit rund 50 Ehrenamtlichen. Die Zahl der Teilnehmer war sehr gut: „Das hat eingeschlagen wie die Sau“, freut er sich. Beim noch größeren Reußensteinpokal, zuletzt 2015 ausgetragen, dauert die Vorbereitung ein ganzes Jahr. Das von Johannes Hepperle mitentwickelte Sponsoringkonzept kennt drei Stufen von klein bis groß.

Wenn Johannes Hepperle für die Skiabteilung Urlaub braucht, ist es praktisch, dass er in der Neidlinger Schreinerei seines Vaters arbeitet. Seit Mai ist das VfB-Mitglied auch noch Kassierer der Fußballabteilung. „Das ist der größere oder zumindest gleiche Aufwand.“ Nächstes Jahr ist der Teckbotenpokal in Neidlingen: „Die dort bewegten Summen sind deutlich fünfstellig.“ Dass es in Neidlingen mit dem Skilauf so prima läuft, ist nicht selbstverständlich: „In Bissingen war es früher wie hier. Heute gibt es dort nichts mehr.“

Kurz bevor er 18 Jahre alt geworden war, trat Johannes Hepperle 2014 der Neidlinger Feuerwehr bei. Auch das liegt in der Familie: Seine beiden Brüder gehören dazu, der Vater früher auch, der Opa war Kommandant. Dass Johannes Hepperle in Neidlingen arbeitet, ist bei Einsätzen ein Vorteil. Es war aber nicht der Grund für die Berufswahl. Diese war anfangs eine Notlösung, weil das duale Studium unerwartet geplatzt war, somit gab es weder Maschinenbau noch Kybernetik. „Ich glaube, dass es auch in Zukunft einen Bedarf an guten Handwerkern gibt.“ Ab September folgt die Meisterschule, Hepperle macht gleich weiter bis zum Gestalter. Ihm gefällt die Arbeit mit Massivholz, wenn man statt sturem Abarbeiten jedes Mal neu überlegen und nach Skizzen konstruieren muss. Auch die langfristige Perspektive der Selbstständigkeit gefällt ihm: „Ich habe meinen eigenen Kopf, also ist es gut, wenn ich mein eigener Chef bin.“