Weilheim und Umgebung

Ein Haus für Flüchtlinge

Asyl Der Landkreis Esslingen hat die ersten Baupläne für die Gemeinschaftsunterkunft in Ohmden vorgelegt. Bezugsfertig soll das dreistöckige Gebäude im Frühsommer 2017 sein. Von Bianca Lütz-Holoch

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Seit dem vergangenen Winter steht fest, dass in der Ohm­dener Ortsmitte eine Flüchtlingsunterkunft entstehen wird. Lange Zeit hatte das Vorhaben auf Eis gelegen. Jetzt aber hat das Landratsamt Esslingen erste Baupläne vorgelegt.

„Der Landkreis wird das Haus auf dem Grundstück in der Zeller Straße 4 abreißen und darauf eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge errichten“, informiert Ohmdens Bürgermeister Martin Funk. Das heißt, in das Gebäude ziehen vor allem Asylbewerber ein, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind.

In dem dreistöckigen Gebäude mit Außentreppen entstehen fünf Wohngruppen. „Mit den abgeschlossenen Wohngruppen haben wir gute Erfahrungen gemacht“, erläutert Peter Keck, Pressesprecher des Landkreises Esslingen. „Sie sind viel besser überschaubar, und die Bewohner können sich leichter organisieren.“

Allerdings wird der Landkreis nur vier der Wohngruppen für die Erstunterbringung von neu eingetroffenen Flüchtlingen nutzen. „Eine Wohneinheit pachten wir vom Landkreis“, berichtet Martin Funk. Die Gemeinde nutzt sie dann als Anschlussunterbringung für Flüchtlinge, die schon länger im Land sind und die in die Zuständigkeit der Kommune fallen. Lediglich eine Wohnung für Flüchtlinge gibt es schon in Ohmden. Weiteren Raum konnte die Gemeinde aber nicht auftreiben. „Und so haben wir alles unter einem Dach“, sagt Martin Funk.

In dem Haus für Flüchtlinge in Ohmden wird es einen eigenen Raum für die Ehrenamtlichen des AK Asyl geben. Außerdem sind Büros für die Mitarbeiter der AWO und für die Einrichtungsleitung geplant. Ein Hausmeisterzimmer ist ebenso vorgesehen wie ein Lagerraum und ein Müllplatz. Draußen vorm Haus sind Fahrradständer vorgesehen, hinterm Haus steht den Bewohnern eine Sport- und Freizeitfläche zur Verfügung.

„Insgesamt werden maximal 60 Flüchtlinge in dem Haus wohnen“, sagt Martin Funk. Solange der Flüchtlingsstrom noch groß ist, sollen in jeder Wohneinheit bis zu zwölf Menschen leben. „Später kann sich die Zahl dann reduzieren“, so Funk. Dann würden noch 45 Flüchtlinge in dem Haus leben.

„Die Planung ist langfristig und zukunftsfähig ausgelegt“, formuliert es der Bürgermeister. Zunächst hat der Landkreis das Grundstück auf fünf Jahre von der Gemeinde und einem weiteren Miteigentümer gepachtet. Anschließend kann der Vertrag jedes Jahr um ein Jahr verlängert werden, bis zu insgesamt zehn Jahren.

Als ideal empfindet Martin Funk nach wie vor die Lage: „Das Grundstück liegt mitten im Ort.“ Dort gebe es soziale Kontrolle, und die Bewohner seien eingebettet ins Dorfleben. Dass er selbst sich den Anforderungen der neuen Bewohner nicht entziehen kann, ist dem Bürgermeister klar. „Die Vertreter von AWO und Landkreis sind ja nicht den ganzen Tag vor Ort“, so Funk. „Dann werden wir auf dem Rathaus auch Anlaufstelle sein.“

Der genaue Zeitplan steht zwar noch nicht fest: „Wir gehen aber davon aus, dass die Unterkunft im Frühsommer bezugsfertig ist“, informiert Kreis-Pressesprecher Peter Keck. Auch noch nicht fest steht, wie die Fassade des Gebäudes aussehen wird: „Da dürfen bei der Ausschreibung keine Vorgaben gemacht werden“, sagt Martin Funk. Könnte er sich etwas wünschen, stünde für ihn fest: „Eine Holzfassade wäre natürlich am schönsten.“

In Wartestellung sind auch die Ehrenamtlichen in Ohmden. „Wenn es absehbar ist, dass die Flüchtlinge einziehen, werden wir uns treffen und uns organisieren“, sagt Brigitta Mikeleit. Sie ist eine der Freiwilligen die helfen wollen, einen Arbeitskreis Asyl in Ohmden mit aufzubauen. Bei einer Infoveranstaltung im Februar war die Resonanz groß gewesen: „Wir haben eine Liste mit 40 bis 50 Interessenten“, sagt Mikeleit.

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