Weilheim und Umgebung

Ein Jagdhund mit dem Gespür für Trüffel

Natur Hanns Aberle aus Bissingen ist passionierter Jäger und schätzt gutes Essen. Er hat seiner Labradorhündin Emma die Edelpilzsuche beigebracht. Von Iris Häfner

Trüffelhund Emma und Hanns Aberle,
Trüffelhund Emma und Hanns Aberle,

Hase oder Ente apportieren, Wildschweine jagen oder angeschossenes Wild finden sind unbestritten tolle Leistungen von Jagdhunden - doch Emma setzt dem noch eins drauf: Sie findet Trüffel, sehr zur Freude von Hanns und Ruth Aberle, den stolzen Besitzern der bildhübschen, schwarzen Labradorhündin.

Die Wiesen hinter dem Haus in Bissingen bieten in den Wintermonaten ideale Trainingsbedingungen für Herr und Hund. Mit einem Schäufelchen bewaffnet geht Hanns Aberle los und sticht verstreut kleine Löcher in den Boden, um darin die Köder zu verstecken. Das sind Holzröhrchen, in die Zweite-Wahl-Trüffelstückchen gestopft sind. Ist das erledigt, darf Emma loslegen. Sie weiß, was zu tun ist. Mit wachen Augen und aufgeregt mit der Rute wedelnd, spurtet sie los, immer die Nase dicht am Boden. Ihr Chef gibt grob die Stelle vor, an der sie suchen muss. Die Kreise werden enger, es geht vor und zurück - und dann gibt sie klar das Zeichen, dass sie auf den Feinschmecker-Pilz gestoßen ist. Diesen Code erkennt nur ihr Herrchen, denn jeder Hund hat seine eigene Sprache. Jetzt muss Hanns Aberle schnell sein, bevor der Hund seine Beute für sich behält und den Dummy aus dem Boden holt. „Bei der Trüffelsuche hat man immer schmutzige Finger“, sagt Hanns Aberle achselzuckend und gibt Emma den wohlverdienten Lohn in Form von Hunde-Leckerlis.

Doch wie wird aus einem aufgeweckten Labrador ein Spezialist für Trüffelsuche? Die Antwort ist ganz einfach und in der Freizeitbeschäftigung des Physikers zu suchen: Genießer und Jäger, und zwar genau in dieser Reihenfolge. „Ich bin ein Küchenjäger, kein Trophäenjäger“, stellt er klar. Direkt vor der Haustür, in Bissingen, hat er sein Revier, das er mit Begeisterung hegt und pflegt. „Das Schießen gehört auch dazu. Wir verwerten sehr viel selbst. Das, was wir an Fleisch essen, kommt zu drei Viertel aus der eigenen Jagd“, verrät Hanns Aberle. Emma war für ihn die logische Konsequenz seines neuen Hobbys. „Für die Jagd braucht es halt auch einen Hund“, steht für ihn außer Frage.

Emma ist Hund Nummer eins des Ehepaars, und Hanns Aberle hatte klare Vorstellungen vom künftigen Familienmitglied: einsetzbar bei der Jagd und friedlich im Haus lebend. „Der Labrador ist leicht zu erziehen - und einfach ein schöner Hund“, sagt er strahlend. Als Welpe ging sie durch die klassische Schule, wurde trainiert und sozialisiert. Am Ende ihrer Ausbildung stand die erfolgreich absolvierte Jagdhundeprüfung. Emmas Spezialität ist die Wasserjagd. Mit Begeisterung stürzt sie sich ins kühle Nass, um die erlegte Ente aus der Fils oder dem Starnberger See an Land zu bringen.

Eines schönen Tags stand für Hanns Aberle fest: Ich will einen Trüffelhund. „Eigentlich war es die Schnapsidee meiner Frau“, bekennt er. Über die kulinarische Seite ist er zu diesem Hobby gekommen, zu der auch Reisen in die klassischen Trüffelregionen im Süden Europas gehören. In Christian Gold hat er einen Hunde-Ausbilder gefunden, der ihm und Emma in zwei Wochenendkursen das nötige Rüstzeug beigebracht hat. „Das war unsere Basis, danach habe ich Emma autodidaktisch weitergebildet“, so der Bissinger. Etwa ein Jahr dauert es, bis die Pilzsuche sitzt. Entscheidend dabei ist, den Hund auf die Trüffel zu konditionieren. Weiß Emma, nach welchem Geruch sie suchen muss, lässt ihr Herrchen sie die Fläche scannen. „Man merkt schnell, auf was man achten muss und welche Kommandos man gibt. Das ist Teamarbeit von Mensch und Hund“, sagt Hanns Aberle.

Praktische Erfahrung konnte das Team in Frankreich sammeln, als das Ehepaar mit Hund vor wenigen Wochen ins Périgord gereist ist. Dabei drehte sich fast alles um Tuber melanosporum, den Perigord-Trüffel, auch Schwarzer Trüffel genannt. Der Preis für diese Delikatesse liegt je nach Qualität durchaus weit über 1 000 Euro je Kilogramm. Doch wegen des trockenen Sommers war heuer eine schlechte Trüffelsaison, auch in den Plantagen, die nicht bewässert waren. Dort konnte Emma zeigen, was sie draufhat, und brachte einen Plantagenbesitzer zum Staunen. Der war der Überzeugung, dass auf dieser Fläche kein Pilz zu finden ist, doch Emma ließ sich nicht beirren. „Die lügt mich nicht an“, war die klare Antwort von Hanns Aberle, als er ihr Verhalten beobachtete - und sollte recht behalten. Emma ist auch gegen Kiki angetreten. „Das ist eine der wenigen Profisauen, die dort unten noch zur Trüffelsuche eingesetzt werden. Fast alle arbeiten mit Hund“, erzählt er. Schweine kennt Emma aus einem anderen Zusammenhang, der Jagd, doch Kiki war entspannt, was Emma registrierte, und deshalb hat sie interessiert zugeschaut, was die Sau macht. Sieger gab es bei dem tierischen Duell keinen, beide haben ihre Sache gut gemacht.

Eine Wissenschaft für sich sei die Trüffelsuche, und die finde in Deutschland immer mehr Anhänger. „Es gibt eine Reihe von Leuten, die eine Kultur anlegen“, sagt der Bissinger. Bäume wie Linden oder Eichen fungieren als Wirtspflanzen. Sie werden mit Trüffelmyzel geimpft, denn der Pilz lebt in Symbiose mit dem Baum. Etwa sieben Jahre dauert es bis zur ersten Ernte. 20 Jahre trägt der Baum die „Erdfrüchte“, dann geht der Ertrag zurück. Der Trüffel mag trockene Kalk-Böden. Ein bisschen Feuchtigkeit darf aber sein, jedoch nicht zu viel. Die Alb ist daher ideales Trüffelgebiet, und tatsächlich gibt es den streng geschützten Pilz dort auch. „Es gibt sehr viele Trüffel in Deutschland, das ist der eigentliche Irrsinn. Das Wissen ist verloren gegangen. Nicht nur bei König Ludwig, dem Märchenkönig, stand er auf dem Speiseplan. Endgültig verloren ging das Wissen dann wegen der Nazis, denn für sie galt der Trüffel als welsch und damit undeutsch“, fand Hanns Aberle heraus. In Veitshöchheim seien die Pilze einst verkauft worden. Im Würzburger Raum gibt es Trüffel, ebenso in der Gegend um Albstadt und Baden-Baden. „In Deutschland darf man wegen des Naturschutzes nur aus wissenschaftlichen Gründen Trüffel suchen. Wer ihn zum Essen ausgräbt, begeht eine Straftat, ähnlich eines Diebstahls“, erläutert er.

Emma und Hanns Aberle sind deshalb im Dienst der Wissenschaft in Deutschland unterwegs. Es gibt verschiedene Sorten, der Burgunder Trüffel, Tuber Uncinatum, ist der häufigste in Deutschland. 240 Gramm war der größte Trüffel, den die Labradorhündin gefunden hat. „Leider war er über die Zeit, man konnte ihn nicht mehr essen“, bedauert Hanns Aberle.

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Trüffelhund Emma und Hanns Aberle,
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