Weilheim und Umgebung

Ein Platz an der Sonne für die Trauben

Serie Ein Jahr lang begleitet der Teckbote den Weilheimer Hobby-Wengerter Rainer Bauer im Weinberg: Schon jetzt wird ständig an der Qualität des künftigen Weins gearbeitet. Von Bianca Lütz-Holoch

Die Weinblätter wuchern - nach links, nach rechts und nach oben: Zeit für den Weilheimer Hobby-Weingärtner Rainer Bauer, das Grün auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. „Ein bis drei Wochen nach der Blüte gilt es, die Traubenzone freizulegen“, sagt er und zwickt im Vorbeigehen einen hervorlugenden Zweig nach dem anderen ab, mal von Hand, mal mit der Rebschere. Für die Blätter, die oben hinausschießen, benutzt er die Akku-Schere.

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Das Ziel: Die Beeren sollen der Sonne ausgesetzt werden. „Wenn sie sich frühzeitig daran gewöhnen, bekommen sie nicht so leicht einen Sonnenbrand“, sagt Rainer Bauer. Zudem bringt die Sonne auch die gewünschte Süße und ein besseres Aroma. Aber nicht nur das: Das Freilegen der Traubenzone ist gleichzeitig auch natürlicher Schutz vor Schädlingen. „Wenn die Weinbeeren nach einem Regen schnell wieder abtrocknen, sind sie weniger anfällig für Mehltau“, so Bauer. Auch die gefürchtete asiatische Kirschessigfliege lässt sich so ein wenig in Schach halten: „Sie mag es nicht sonnig.“

Entblättern und die Traubenmenge reduzieren - damit arbeiten die Wengerter schon auf die Qualität des Weins hin.Fotos: Carsten R
Entblättern und die Traubenmenge reduzieren - damit arbeiten die Wengerter schon auf die Qualität des Weins hin. Foto: Carsten Riedl

Beim Gang durch die Spätburgunder-Stöcke in seinem Weinberg beginnt Rainer Bauer auch schon, überschüssige Trauben wegzuschneiden. „Früher ging es in erster Linie um die Menge - heute achten wir sehr auf die Qualität“, sagt er. Vor allem in guten Jahren kann ein Weinstock gar nicht so viel Zucker bilden, dass es für alle Trauben reicht. „Und dieses Jahr hatten wir eine super Blüte“, sagt der Wengerter und deutet auf die dick mit kleinen grünen Trauben behangenen Rebstöcke. Lediglich zwei Trauben pro Rebe lässt er hängen. Nur so lassen sich genügend Oechsle-Grade erzielen. Auch von Trauben, die aus besonders vielen Weinbeeren bestehen, werden Teile entfernt. „Vor allem, wenn die Beeren größer werden, tut das schon ein bisschen weh“, gibt Rainer Bauer zu. Doch was sein muss, muss sein: „Jetzt wird sozusagen schon der Wein gemacht“, verdeutlicht er, wie wichtig das Eingreifen in Wuchs und Traubenmenge für die spätere Qualität des späteren Getränks sind. Ohnehin: „In Baden-Württemberg gilt eine Obergrenze von 120 Kilogramm Maische pro Ar“, so Bauer. Würde er alle Trauben hängen lassen, wäre diese Vorgabe bei Weitem überschritten.

Aktuell deutet alles auf ein überdurchschnittlich gutes Jahr hin: Menge und Qualität stimmen. Auf der sicheren Seite sind die Weingärtner aber erst, wenn voraussichtlich Anfang September gelesen wird. Bis dahin treiben sie zwei Sorgen um: die vor der Kirschessigfliege und die vor Hagel. Was die Kirschessigfliege angeht, setzen die Weingärtner auf viel Sonne und Hitze - die mögen die Insekten nämlich nicht. „Und beim Hagel hoffen wir weiterhin auf den Einsatz von Hagelfliegern“, so Rainer Bauer.

Foto: Carsten Riedl

Über die Serie „Mit dem Wengerter durchs Jahr“

Ein Jahr lang begleitet der Teckbote den Weilheimer Hobby-Weingärtner Rainer Bauer bei seiner Arbeit und begleitet den Weg von der Rebe bis zum fertigen Bertoldwein 2018.

Rainer Bauer hat 2010 den Weinberg seines Schwiegervaters an der Limburg übernommen. Der 64-Jährige ist Mitglied des Vereins der Weilheimer Weinbergbesitzer, Assistent Sommelier und Fachberater für deutschen Wein. Er bietet regelmäßig Führungen durch seinen Weinberg an und hält Vorträge rund ums Thema Wein. bil