Weilheim und Umgebung

Ein Quader krönt bald den Kelterplatz

Ortsjubiläum Winfried Tränkner gestaltet für die Gemeinde Bissingen ein Kunstwerk aus Muschelkalk. Das zeigt auf vier Ansichten den Wandel vom Bauerndorf zur modernen Kommune. Von Heike Siegemund

Der Quader von Winfried Tränkner wird den Kelterplatz bereichern. Foto: Carsten Riedl
Der Quader von Winfried Tränkner wird den Kelterplatz bereichern. Foto: Carsten Riedl

Nächstes Jahr feiert die Gemeinde Bissingen mit einem Festwochenende vom 19. bis 21. Juli ihr 1 250-jähriges Bestehen. Pünktlich zu diesem geschichtsträchtigen Ereignis soll auf dem neu gestalteten Kelterareal ein Kunstwerk des örtlichen Bildhauers Winfried Tränkner aufgestellt werden. Das entschied der Gemeinderat in seiner Sitzung. Tränkner selbst präsentierte seinen Entwurf, von dem die Räte überzeugt waren.

Ein Blickfang für die Gemeinde

Das Kunstwerk - ein 180 Zentimeter hoher und 80 mal 80 Zentimeter breiter Quader aus Muschelkalk - soll der Historie von Bissingen und dem anstehenden Jubiläumsjahr Rechnung tragen, verdeutlichte Bürgermeister Marcel Musolf. Er sprach von einem „Eyecatcher“, der „als krönender Abschluss“ im Kelterareal platziert werden soll. Mit dem Kunstwerk aus Stein könne man dem Platz „eine Seele geben“, ergänzte Tränkner. „Seit 30 Jahren lebe ich in Bissingen und konnte die Entwicklung des älteren Ortskerns beobachten.“ Das Bauerntum sei nach und nach zurückgegangen und der Kelterplatz zudem durch die Sanierung „der Neuzeit angepasst“ worden.

Der Künstler zeigte anhand von diversen Skizzen, wie die vier Seiten des Quaders gestaltet werden sollen. So stellt eine Ansicht, gekennzeichnet durch ein Schwert und ein Schild, die alemannische Zeit dar. Durch einen Zweig, an dem Äpfel hängen, „sei außerdem auf die Wurzeln unserer Bräuche und Sitten hingewiesen“. Auf dem zweiten Bild ist ein Wappen mit einem Schlüssel zu sehen, das auf die frühere starke Verbundenheit Bissingens mit dem Kloster Sankt Peter im Schwarzwald verweist. Eine Weinrebe mit Trauben zeigt, dass der Weinanbau in Bissingen lange Zeit eine Rolle gespielt hat. Eine weitere Ansicht des Kunstwerks widmet sich der Feldwirtschaft. Darauf zu sehen sind Ähren und ein Pflug. „Es ist wichtig, dass auch Zugezogene wissen, wie die Wurzeln von Bissingen aussehen“, erklärte Tränkner zu diesem Bild und betonte: „Wir können uns noch so modern entwickeln, aber die Bodenhaftung dürfen wir nicht verlieren.“ Die letzte Ansicht geht auf den Wandel zur Moderne ein, mit dem Schwerpunkt Industrie. Abgebildet ist eine Fabrik mit rauchendem Schornstein. Dies soll ein Hinweis auf die Firma Kolb und Schüle sein. Eingebettet in die schöne Natur, die Bissingen umgibt.

Alle vier Ansichten sind im Kopfbereich durch Menschen in Gemeinschaft gekennzeichnet und im Sockelbereich durch Alemannen-Ornamente. Für das Kunstwerk hat Tränkner bewusst eine einfache Form gewählt. „Schlicht und in gewisser Weise wuchtig steht der Stein inmitten des alten Dorfes, nahe des Ausgrabungsortes ,Alemannen-Siedlung‘. Er zeigt Symbole und Motive zur Geschichte des Ortes.“

Künstler ist stolz

Die Symbole werden poliert, ein kleines Alemannenkreuz auf einer Ansicht wird zudem blattvergoldet. Der Hintergrund werde „grob gehauen“. Die Kosten für das Werk beziffert Tränkner auf etwa 28 000 Euro. Die Räte waren begeistert von diesem Kunstwerk. „Es gefällt mir sehr gut“, sagte etwa Eckhard Stiefelmeyer. „Auch dass es preislich in der Größenordnung liegt, ist nachvollziehbar.“ Andrea Bizer sprach sich ebenfalls für das Kunstwerk aus: „Vom Etat her sind wir in der glücklichen Lage, dies ermöglichen zu können.“ Viel Lob kam auch von Rolf-Rüdiger Most: „Ich bin dankbar, dass wir einen bedeutenden Künstler im Ort haben, der dieses Kunstwerk für uns erstellt.“ Er hatte allerdings auch einen kleinen Kritikpunkt: Die Rauchsäule auf der „Industrie-Ansicht“ ist ihm zu groß. „Vielleicht könnte man sie etwas kleiner machen, um die Natur besser in den Vordergrund zu stellen. Denn diese ist der Schwerpunkt von Bissingen. Wir sind kein Industrieort.“ Der Künstler zeigte sich auf diese Anregung hin gesprächsbereit: „Ich bin dankbar, dass ich diesen Auftrag erhalte.“

Der Muschelkalk kommt aus der Gegend um Würzburg. Die Haltbarkeit übertreffe alle Erwartungen, da die Witterung dem Kalk nichts ausmache. Das Kunstwerk werde den Bissingern somit aller Voraussicht nach über Generationen hinweg erhalten bleiben.

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