Weilheim und Umgebung

Ein Richter und Radler nimmt seinen Hut

Verabschiedung Friederich Haberstroh verlässt nach 18 Jahren den Weilheimer Gemeinderat

Foto: privat
Foto: privat

Weilheim. Er wird fehlen. Das machte nicht nur Karl Mohring, Sprecher der Freien Wähler, deutlich. Auch Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle verhehlte sein Bedauern nicht: Nach 18 Jahren zieht sich Friederich Haberstroh aus dem Weilheimer Gemeinderat zurück.

Anzeige

„Mit Ihrem juristischen Sachverstand als Vorsitzender Richter des Amtsgerichts Reutlingen waren Sie bei Verwaltung und Gemeinderat anerkannt und hoch geschätzt“, wandte sich Johannes Züfle an den scheidenden FWV-Stadtrat. Dabei sei nicht nur sein fachliches Wissen wertvoll gewesen, sondern auch seine Haltung: „Sie haben Recht und Gesetz nie als Gängelung von oben gesehen, sondern positiv, als ordnenden Rahmen.“ Stets sei ihm wichtig gewesen, Argumente sorgfältig abzuwägen und transparent darzustellen. „Viel Energie und großer Wille“ zeichneten den 59-Jährigen zudem aus. Das zeige sich auch bei dessen Hobby Radfahren: „Einen Stadtrat, der von der gemeinsamen kommunalpolitischen Reise nach Portugal mit dem Fahrrad zurück nach Hause fährt, findet man nicht alle Tage.“

Ehrenamtlich tätig ist Friederich Haberstroh übrigens auch anderweitig. Er ist langjähriger Vorsitzender des Freien Kindergartens Weilheim und engagiert sich in der evangelisch-methodistischen Kirche.

„Wir verlieren einen verlässlichen Partner und einen Kollegen mit eigener Meinung“, sagte FWV-Sprecher Karl Mohring. Schnellschüsse habe es bei Friederich Haberstroh nie gegeben. „Du warst nie hemdsärmelig und konntest immer wieder markant aufzeigen, dass jede Medaille zwei Seiten hat“, so Mohring. Schon Friederich Haber­strohs Vater Heinz Haberstroh habe Gruppierung und Stadt geprägt - als langjähriger Stadtrat, stellvertretender Bürgermeister und Geschäftsführer der Textilfabrik Faber und Becker.

Friederich Haberstroh selbst erschien am Rednerpult standesgemäß mit dickem Gesetzbuch. Als Grund für sein Ausscheiden reiche ja eigentlich laut Gesetz die Tatsache, dass er dem Gremium länger als zehn Jahre angehört habe, gab er schmunzelnd zu bedenken. Er lieferte dennoch eine weitere Begründung: Seine berufliche Tätigkeit nehme ihn sehr in Anspruch. Es stünden die Notariatsreform und viele Personalentscheidungen an. „Vielleicht habe ich dann künftig ein etwas weniger schlechtes Gewissen, wenn sich die Akten im Gericht stapeln - und ich Zeit habe, sie zu bearbeiten“, sagte Haberstroh und betonte: „Ich gehe mit zwei lachenden Augen.“

Für Friederich Haberstroh rückt Manfred Herrmann nach. Er hatte 2013 bis 2014 schon einmal für die FWV im Gemeinderat gesessen. Gekommen war er als Nachrücker für den ausscheidenden Hans Burkhardt, hatte dann bei den Kommunalwahlen aber knapp den Sprung ins Gremium verpasst.Bianca Lütz-Holoch