Weilheim und Umgebung

Ein Schluck Heimat

Bierbrauen Viele verfolgten am Samstag den ersten „Schau-Sud“ des neuen Zähringer-Biers. Von Sabine Ackermann

Spielt schon mal Töpflegucker: Bürgermeister Johannes Züfle (rechts) freut sich auf das erste Zähringer-Bier von Braumeister Dan
Spielt schon mal Töpflegucker: Bürgermeister Johannes Züfle (rechts) freut sich auf das erste Zähringer-Bier von Braumeister Daniel Singh.Foto: Sabine Ackermann

Weilheim. Können Liebhaber des „Flüssigbrots“ allein in Baden-Württemberg aus derzeit 1 250 Biersorten auswählen, kommt demnächst ein weiteres Bier dazu. „Vom ersten Sud bis zum fertigen Bier. Dieser Weg kann in den nächsten acht Wochen in Weilheim verfolgt werden“, mit diesem Versprechen hatte die Stadt für Samstag auf den Bertoldsplatz eingeladen.

Die Idee, für Weilheim einen ganz besonderen Gerstensaft zu brauen, hatte der 22-jährige Daniel Singh, der seine berufliche Leidenschaft mit Heimatliebe verbindet: „Das Zähringer-Bier soll einen Schluck Heimat darstellen und zudem als Aushängeschild für die Stadt und die Umgebung dienen“, bringt es der frischgebackene Diplom-Braumeister aus Weilheim auf den Punkt.

Wirtschaft, Naturwissenschaften, Maschinenbau - wie viele Abiturienten wusste auch der groß gewachsene junge Mann anfangs nicht, was er mal studieren sollte. Dann riet ihm einer zum brautechnischen Fachstudium an der Technischen Universität München, Standort Weihenstephan - eine fast einmalige Ausbildung in Deutschland. Den Studiengang mit Abschluss Diplom-Braumeister gab es damals nur noch an der TU Berlin, dieser wurde aber mittlerweile eingestellt. Praktische Erfahrungen sammelte Daniel Singh je ein halbes Jahr in der Geislinger Kaiser-Brauerei bei Geschäftsführer Christoph Kumpf sowie in der Stuttgarter Familienbrauerei Dinkelacker. Sogar nach Südafrika zog es ihn: Er braute dort in sechs „sehr guten Brauereien“, wie er betont, seinen Kenntnisstand aus.

Traum von der eigenen Brauerei

Schon während seines Studiums habe er auf einer Testsud-Anlage daheim in der Garage die ersten Biere gebraut, berichtet der Weilheimer und betont: „Immer mit dem Traum einer eigenen Brauerei vor Augen“. Gleichzeitig fing er mit Tastings und Seminaren an, um so den Geschmack der „Kundschaft“ näher kennenzulernen. Vor einem Jahr bekam er dann das Angebot, den Braumeister in einer Gasthausbrauerei in Sulzbach an der Murr zu ersetzen. „Dieser Job hat mir die Möglichkeit gegeben, meine Test-Sude in größeren Mengen zu produzieren und sie an den Mann oder die Frau zu bringen. Aufgrund des hohen Andrangs nach den Bieren, kann ich nun dank des Einverständnisses des Brauerei-Besitzers mein eigenes Bier vertreiben“, verrät Daniel Singh.

Dem Braumeister war es wichtig, die Geschichte Weilheims in sein Zähringer-Bier einfließen zu lassen. „Bei diesem handelt es sich um den Typ Märzen mit einer schönen bordeauxroten Farbe, die durch das Karamell-Malz entsteht. Rot wie das Wappen der Zähringer“, erklärt der 22-Jährige. Immer wieder werfen die Besucher einen Blick in den Topf, in dem 60 Liter einer wenig appetitlich aussehenden „Suppe“ wie von Geisterhand gerührt wird. Noch ist es für manche schwer vorstellbar, dass daraus mal ein wohlschmeckender Gerstensaft werden soll. Der angesetzte Brausud soll in circa zwei bis drei Wochen von einigen Bierkennern verkostet werden, danach reift das erste Weilheimer Zähringer-Bier bis zum Ausschank beim dritten Zähringer-Markt.

Dass hier etwas Besonderes entstehen soll, haben auch die Verantwortlichen der Stadt erkannt. „Die Mischung aus innovativem Jungunternehmertum und traditionsreicher Stadtgeschichte ist vielversprechend“, meint Bürgermeister Johannes Züfle und war sofort dabei, dieses Potenzial zu unterstützen.

Mama Judith Singh erinnert sich an die ersten Brauversuche in ihrer Küche: „Im Eindünsttopf, die ganze Wohnung hat damals nach Bier gestunken“, berichtet sie lachend und gibt zu, dass sie damals froh war, als er schließlich in die Garage zog. Schon immer sei ihr Sohn zielstrebig und wissbegierig gewesen, betont Judith Singh und war dennoch erstaunt, wie er überhaupt auf diesen Beruf gekommen ist. Doch längst weiß die Mama, dass „Kessel putzen sowie 50-Kilogramm schwere Malzsäcke schleppen das ist, was er braucht“.

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