Weilheim und Umgebung

Ein Sieg zum Eingravieren

Handwerk Die Weilheimerin Lisa Schindler hat beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks den Bundespreis für Graviertechnik gewonnen. Bei ihrem Arbeitgeber ist sie nicht die erste Preisträgerin. Von Thomas Zapp

Lisa Schindler zeigt ihr Gesellenstück, das die Form für die Manschette vorgab.Foto: Carsten Riedl
Lisa Schindler zeigt ihr Gesellenstück, das die Form für die Manschette vorgab. Foto: Carsten Riedl

Der 13. Dezember 2019 es wäre für Lisa Schindler eigentlich wert, eingraviert zu werden - vielleicht in einen Ehrenteller. Die 21-jährige Weilheimerin könnte das problemlos selber machen, denn unter Deutschlands Nachwuchs-Graveuren gehört sie seit eben jenem Abend des 13. Dezember offiziell zu den Besten. Die Jury bewertete Lisa Schindlers Gesellenstück, die Spritzgussform einer Schutzmanschette mit Schriftzug „The Coffee“ für einen Kaffee-To-Go-Becher mit der Spitzennote 1,0. Damit ist Lisa Schindler in Wiesbaden zur Bundessiegerin in der Kategorie Reliefgraviertechnik gekürt worden. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks zeichnet jedes Jahr rund 130 Nachwuchshandwerker mit dem begehrten Preis aus.

„Ich wollte etwas mit einem praktischen Nutzen machen. Jeden Morgen bin ich mit meinem Kaffeebecher zur Berufsschule gegangen. So bin ich drauf gekommen“, erzählt sie in den Räumen ihres Arbeitgebers, des Bissinger Oberflächenspezialisten Reichle. Rund 60 Stunden hat sie an ihrem Gesellenstück gearbeitet und die einzelnen Produktionsschritte vom Erstellen der Form bis zum Endprodukt schriftlich, bildlich und zeichnerisch dokumentiert.

Für den „Leistungswettbewerb des deutschen Handwerkers“ dürfen Gesellen höchsten 27 Jahre alt sein und müssen ihre Abschlussprüfung mit 2,0 oder besser bestanden haben. „Lisa hatte eine 1,4“, sagt ihr Ausbilder Michael Herberth stolz. Damit hatte sie sich zunächst für den Kammerwettbewerb qualifiziert, den sie im Oktober gewann, über den Landessieg im November kam sie dann zum Bundeswettbewerb im Dezember. Der Rest ist bekannt.

Ihr Ausbilder kennt das Gefühl noch bestens: Michael Herberth war 2000 selbst Bundessieger als Graveur geworden, ebenso wie Firmengründer Volker Reichle. „Wir haben bislang sieben Bundessieger gestellt“, sagt er und fügt gleich hinzu, dass die Firma ständig neue Graveure sucht, aber das ist nicht so leicht. Der Ausbildungsberuf gehört zu den Exoten und ist dementsprechend vom „Aussterben“ bedroht. Manchmal hilft aber auch der Zufall. „Ich habe durch eine Kundin meines Vaters davon erfahren“, erzählt Lisa Schindler. Nach einem Praktikum sei ihr dann klar gewesen, dass sie Graveurin werden will. Eine gewisse Sorgfalt und Freude an der Schrift sollte man schon mitbringen. „In der Schule habe ich wegen meiner guten Schrift immer Plakate malen müssen“, erzählt Lisa Schindler. Auch hatte ihr der Kunstunterricht immer Spaß gemacht. „Ein gewisses technisches Verständnis und ein Auge für Details, seien auch von Vorteil“, ergänzt Michael Herberth.

Wer sich für die Ausbildung eines Graveurs entscheidet, wird mit vielfältigen Aufgaben belohnt. Das Bissinger Unternehmen hat Kundschaft von der Autobranche über die Waffenindustrie bis zu Kosmetikherstellern. Besondere Oberflächen, Optiken oder Schriften kommen auf allen möglichen Alltagsgegenständen vor. Verschiedene Innenverkleidungen von Autotüren hängen etwa im Firmensitz. „Die Vielfältigkeit und Kreativität gefällt mir an diesem Beruf am meisten“, schwärmt Lisa Schindler. Ihre Freunde hätten immer gedacht, dass sie Eheringe gravieren würde. „Das machen aber die Goldschmiede“, wendet ihr Ausbilder ein. Der Beruf das Graveurs habe sich extrem weiterentwickelt und sei technologisch immer anspruchsvoller geworden. Das sieht man auch an der Firma Reichle. Das 1981 gegründete Unternehmen hat sich von einem Ein-Mann-Gravurbetrieb zu einem europaweit führenden Spezialisten für Laserschweißtechnik, Lasertexturierung und Gussteileinstandsetzung gemausert und beschäftigt mittlerweile 85 Mitarbeiter.

Dort wird die 21-Jährige auch weiterhin arbeiten, denn ihr Arbeitgeber hat die Preisträgerin fest angestellt. Lisas Zukunftsaussichten sind nicht die Schlechtesten, meint Michael Herberth. „Von den 15 bei uns ausgebildeten Graveuren sind fast alle in Führungspositionen gelandet.“

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