Weilheim und Umgebung

Ein Stück mehr Generationengerechtigkeit

Haushalt Mit neuer Buchführung plant Bissingen das Haushaltsjahr 2020

Ortsvorstellung Bissingen_Rathaus und Kirche
Rathaus und Kirche in Bissingen. Foto: Jörg Bächle

Bissingen. Die „Doppik“ hat nun auch in Bissingen Einzug gehalten. Der Haushalt für 2020 ist erstmals mit der Doppelten Buchführung erstellt worden. Mit diesem Verfahren werden Gemeinden künftig wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen geführt. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Abschreibungen der Vermögenswerte erwirtschaftet werden müssen. Im Falle Bissingens sind das rund 300 000 Euro pro Jahr. „Das fällt auch unter das Thema Generationengerechtigkeit“, sagte Bürgermeister Marcel Musolf auf der letzten Gemeinderatssitzung im Jahr. Sein Credo: Was mit der Zeit an Wert verloren geht, muss auch wieder erwirtschaftet werden für die kommenden Generationen. Sein besonderes Lob galt der Verwaltung und der Kämmererin Carlolin Muckenfuß. „Mehr als 1000 Stunden Fortbildung“ haben die Bissinger Mitarbeiter geleistet, um sich in das neue System einzuarbeiten. Nebenbei sind die Amtsgeschäfte ganz normal weitergelaufen.

Unabhängig von der Buchungsart sind am Ende aber nach wie vor die Zahlen entscheidend, und da konnte der Rathauschef bei der Einbringung des Haushalts auf der letzten Sitzung des Jahres Positives vermelden. „Das kann sich sehen lassen, trotz einer konjunkturellen Unsicherheit“, sagte er. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer liegen bei 1,5 Millionen Euro, aus der Grundsteuer bei knapp über 520 000 Euro.

Bei den Ausgaben ist die Instandsetzung des Feldwegs Viehweide mit 50 000 Euro die Größte. Bei der Verbuchung kommt es jedoch auf Feinheiten an: Wird nur die Straßendecke erneuert, gilt die Ausgabe als Erhalt. Wird der Weg komplett neu gemacht, inklusive Straßenbett, dann wird es als Inves- tition verbucht. Gleiches gilt für die 20 000 Euro, mit denen Teile der Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt werden. Größte Posten sind die Personalkosten in Höhe von 2,8 Millionen Euro sowie Abschreibungen in Höhe von mehr als einer halben Million Euro.

Bei den Investitionen schlägt die Übernahme der Arztpraxis mit 700 000 Euro am stärksten zu Buche, weitere 310 000 Euro fließen im Laufe des Jahres in die Ortskernsanierung. Unter anderem wird davon das Alte Rathaus profitieren. Die Verlegung der Leerrohre für die künftige Breitbandversorgung kostet 90 000 Euro, zu den kleineren Posten gehören die 40 000 Euro für die Digitalisierung der Schule. Insgesamt investiert Bissingen im kommenden Jahr 1,2 Millionen Euro.

Unterm Strich stehen im Ergebnishaushalt mehr als 7,5 Millionen Euro ordentliche Erträge rund 7,6 Millionen Euro ordentliche Aufwendungen gegenüber, was zu einem negativen Gesamtergebnis von -294 000 Euro führt.

Auch wenn die Buchhaltung der Gemeinde formal mittlerweile mehr der eines Unternehmen gleicht: Als wichtigste Quelle muss die Verwaltung auch künftig dafür sorgen, dass die Gewerbesteuern sprudeln und die Gebühren angepasst werden, etwa für den Kindergarten. Eine Erhöhung ist dort sicherlich zu erwarten. Auch wolle man die Gewerbeeinnahmen stärken.

Aber trotz allem ist Marcel Musolf bewusst, dass die Idee eines ausgeglichenen Haushalts nicht leicht umzusetzen ist. „Die meisten Gemeinden schaffen es nicht“, sagt er und weist darauf hin, dass es eben weitergehende Aufgaben für die Gemeinschaft gibt, die Geld kosten, aber nicht direkt Erträge bringen. „Wir müssen auch die Aufgabenfülle sehen, zum Beispiel Bildung und Betreuung“, betont Musolf. Und dann ist da noch die Infrastruktur aus den 60er- und 70er-Jahren, die bald fit gemacht werden muss. „Diese Themen kommen auf uns zu“, kündigt der Bürgermeister an. Aber erstmal steht Weihnachten an und dann die Verabschiedung des Haushaltsplans in der Sitzung Ende Januar. Thomas Zapp

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