Weilheim und Umgebung

Ein Zaun beschäftigt Jäger und Ämter

Verkehr Entlang der Kreisstraße zwischen Nabern und Egelsberg wurde im Wald auf beiden Seiten im Zuge von Baumfällarbeiten der Zaun entfernt. Seitdem mehren sich die Wildunfälle. Von Iris Häfner

Wildwechsel, Wildunfälle, Strcke zw. Nabern und Weilheim
Im Wald zwischen Nabern und dem Egelsberg gibt es seit
Februar keinen Zaun mehr. Dass es dort überhaupt einen
gab, ist eine absolute Ausnahme. Foto: Markus Brändli

Wildzaun oder nicht? Dieser Frage ging eine Kommission an Ort und Stelle nach. Jagdpächter Thomas Doll ist gut vorbereitet. Sein Revier kennt er wie seine Westentasche - und damit auch die Probleme. Das Wild ist in dem kleinen Wald zwischen Nabern und Egelsberg großem Freizeitdruck ausgesetzt: Radfahrer, Spaziergänger mit und ohne Hund, Jogger und nicht zuletzt Reiter sorgen für permanente Unruhe. Und dann verläuft auch noch die Kreisstraße durch den Wald. Wegen Baumfällarbeiten wurde Mitte Februar der Wildschutzzaun auf beiden Seiten der Straße mit einer Länge von jeweils 736 Metern aus den 1960er-Jahren abgebaut. Seitdem gab es sechs Wildunfälle. Vier Rehe und zwei Dachse wurden innerhalb weniger Monate überfahren. „Als der Zaun stand, gab es nichts dergleichen“, sagt Thomas Doll. Die vier Rehe entsprechen 30 Prozent seines Jahresabschusses. „Das ist die Ironie des Schicksals. Aus Sicherheitsgründen wurden die Eschen gefällt. In diesem Zug wurde der Zaun abgebaut, und seitdem gibt es Wildunfälle, bei denen durchaus auch Menschen zu Schaden kommen können“, sagte der Jagdpächter.

Ganz anders sieht es Thorsten König, Leiter des Straßenbauamts. In seine Zuständigkeit fallen rund 1200 Kilometer Straße in den Landkreisen Esslingen und Göppingen samt den Albsteigen. „Diese Straße hier in Nabern ist nichts besonderes“, stellte er klar. Nirgendwo sonst gibt es Zäune, als Beispiele nannte er die benachbarte Ochsenwanger Steige und die B 297 zwischen Kirchheim und Schlierbach, die durch ein großes Waldstück führt. Wird ein Hund oder eine Katze überfahren, lassen sich in der Regel die Besitzer dank des Chips ermitteln. Rehe sind so lange herrenlos, bis sie vom Jagdpächter erschossen - oder als Unfallopfer geborgen werden.

„Ein Zaun ist hinderlich und nicht mit dem Naturschutzgedanken vereinbar“, sagte Thorsten König weiter. Damit ein Gen-Austausch stattfinden kann, werden extra Grünbrücken wie am Aichelberg gebaut. Aus diesen Gründen hat Christina Werstein, Leiterin des Amts für Bauen und Naturschutz im Landratsamt Esslingen, erhebliche Bedenken. „Der Zaun ist kontraproduktiv in Bezug auf das Biotopnetz“, sagte sie. In eine offene Landschaft passe kein Zaun.

Auch den Waldeigentümern sei der Zaun er ein Dorn im Auge gewesen. Er hat sie bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen behindert. „Die waren gottfroh, als er im Zuge der Fällung entfernt wurde“, erklärte Thorsten König. Abgesehen von den Erstellungskosten gibt es für ihn weitere Fragen, die nicht konkret beantwortet wurden: Wer kümmert sich um den Zaun? Wer repariert ihn? Wem gehört er? Während Thomas Doll sich wünscht, dass „die Behörden“ den Zaun bauen, stellte Thorsten König klar: „Wir würden ihn nur dulden.“

„Ich bin Wildtierschützer. Das Rehwild hat den gleichen Schutz verdient wie Kröten und Eidechsen. Da wird viel Geld ausgegeben“, erinnerte Thomas Doll an die Krötentunnel und die Eidechsenhabitate mit ihren Sandhügeln. Vom allgemeinen Lebensrisiko - auch für Menschen - sprachen dagegen in diesem Zusammenhang sowohl Thorsten König als auch Anton Watzek, Leiter des Forstamts. Dem widersprach Veronika Holz, Ortsvorsteherin von Nabern. „Wenn eine Person zu Schaden kommt, möchte ich nicht diejenige sein, die sagen muss: Wir haben nichts gemacht“, sprach sie sich für einen Wildschutzzaun aus.

Karl Zimmermann brachte als Kompromissvorschlag die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer im Waldstück zur Sprache. Dieses Tempo gilt für die Bereiche kurz vor und nach dem Wald: bei den Abzweigungen nach Ochsenwang und zum Egelsberg. Dazu soll es eine Verkehrsschau geben, die Nabern offiziell beantragen wird.

Wildwechsel, Wildunfälle, Strcke zw. Nabern und Weilheim
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