Weilheim und Umgebung

Ein Zeichen der Wertschätzung für Landwirte

Landwirtschaft Es hat etwa ein Jahrzehnt gedauert, doch nun hat Neidlingen endlich die lang ersehnte Gemeinschaftsschuppenanlage bekommen. Von Peter Dietrich

Bei der Einweihung der Neidlinger Gemeinschaftsschuppenanlage flogen Bonbons und Brezeln, vor allem für die Kinder ein Spaß, doc
Bei der Einweihung der Neidlinger Gemeinschaftsschuppenanlage flogen Bonbons und Brezeln, vor allem für die Kinder ein Spaß, doch manche Erwachsene fingen auch etwas. Foto: Peter Dietrich

Verglichen mit der langen Planungsgeschichte war die Bauzeit kurz, der Bau der Gemeinschaftsschuppenanlage in Neidlingen mit zusammen 19 Schuppenanteilen hat etwa sechs Monate gedauert. Es sind dennoch zwei sehr standhafte Bauten, unten aus Beton und oben aus Holz. Jeder Anteil ist sechs Meter breit und zwölf Meter lang und hat je nach Ausführung bis zu 40 000 Euro gekostet. Die Tore sind 4,10 Meter hoch und reichen auch für große Fahrzeuge. Wer kein so hohes Fahrzeug hat, kann einen Anteil mit zweiter Ebene für mehr Lagerfläche bekommen. Die Umgebung wird dann im Herbst, nach der Sommerhitze, neu bepflanzt.

Zur Einweihung der Gemeinschaftsschuppenanlage ist auch die Erste Landesbeamtin Dr. Marion Leuze-Mohr nach Neidlingen gekommen. Sie war eine der vielen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben, das Landrats­amt Esslingen hatte sich bei der Genehmigung beeilt. Das Neidlinger Rathausteam hatte das Projekt vorangetrieben, die Firmen Hans Hepperle und Wolf umgesetzt, andere hatten für die Anlage bereitwillig Grundstücke verkauft und die drei Sprecher der Bauherrengemeinschaft, Roland Ruoss, Albrecht Hepperle und Uwe Klein, hatten so einiges an Organisation zu erledigen. Das Albwerk erstellte bereits vor Baubeginn vor Ort eine Trafostation. Die Stromversorgung ist damit also auch gesichert.

Ein Gebäude nimmt elf Anteile auf, das andere acht. Alle Nutzer bewirtschaften in Neidlingen und Umgebung mindestens 1,5 Hektar Streuobstwiesen. Weil die Anlage am Ortsausgang in Richtung Wasserfall leicht in den Hang hinein gebaut wurde, sieht sie von der Ruine Reußenstein aus kleiner aus als sie wirklich ist.

Bürgermeister Klaus Däschler unterstrich, dass die neue Anlage indirekt auch mit der Schaffung von neuem Wohnraum zu tun hat. Durch die gewünschte Innenverdichtung im Ort, um den Flächenverbrauch für Neubaugebiete zu reduzieren, würden viele ältere Stall- und Wirtschaftsgebäude in Wohnungen verwandelt. Die Bewirtschaftung der jahrhundertealten Kulturlandschaft sei aber nur mit Hilfe entsprechender Maschinen und Geräte möglich, diese müssten abgestellt und gelagert werden.

Dies sei nun konzentriert an einem Standort möglich. Der Bau der Anlage sei auch ein Ausdruck der Wertschätzung für das, was die Nebenerwerbslandwirte das ganze Jahr über leisten. „Letztlich bleibt uns allen, jedes Jahr auf eine gute Ernte zu hoffen und trotz eines niedrigen Obstpreises dankbar dafür zu sein.“

Für die Bauherren lobte Roland Ruoss die „durchdachte Bauweise“ und das Einhalten des Budgets. Die nachhaltige Bauweise werde für Jahrzehnte Bestand haben. „Diese Gemeinschaftsschuppen sind eine große Motivation für alle Teilnehmer, weiterhin die Streuobstwiesen zu bewirtschaften und zu pflegen.“ Die Dächer der beiden Schuppen seien sehr gut für eine Photovoltaikanlage geeignet. Deren Montage sei bereits in der Planungs- und Genehmigungsphase. „So kann bald auf diesen Flächen anstatt Weizen zumindest Strom geerntet werden.“

Eine besondere Aktion zur Einweihung gefiel vor allem den Kindern gut: Von einer Hebebühne aus flogen Bonbons und Brezeln, bei denen auch einige Erwachsene zugriffen. Das trug zur allgemein positiven Stimmung bei.

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