Weilheim und Umgebung

Eine Geschichte über Geschichten

Adventsmarkt Von dem beschaulichen Markt in Neidlingen gibt es manches zu erzählen.

12. Neidlinger Adventsmarkt im und vor dem Rathaus - in wessen Rathausbüro der Mantel vom Nikolaus hängt, und wie genau die Bezi
12. Neidlinger Adventsmarkt im und vor dem Rathaus - in wessen Rathausbüro der Mantel vom Nikolaus hängt, und wie genau die Beziehung von diesem Büroinhaber zum Nikolaus ist, das wird der Teckbote ganz sicher nicht verraten, das hat er dem Nikolaus fest versprochen

Neidlingen. Da wäre zunächst einmal die Geschichte des Weihnachtsbaums vor dem Neidlinger Rathaus, dem Schmuckstück des dortigen Adventsmarkts. Der Baum begann sein Leben vor einigen Jahrzehnten im Inneren des örtlichen Gasthauses Lamm und wuchs und wuchs. So lange, bis ihn die Eltern des heutigen Lammwirts Thomas Eberhardt entsorgen wollten. Da war der Sohn aber ganz und gar dagegen und grub zur Rettung des Baumes hinter dem Haus ein großes Loch. Der umgepflanzte Baum schlug dort noch mehr Wurzeln und wuchs und wuchs. Eines Tages, erzählte Bürgermeister Klaus Däschler, habe Eberhardts Vater den Baum dann der Gemeinde versprochen. Nun hat die Gemeinde bei Eberhardt nachgefragt, und dieser löste das Versprechen des inzwischen verstorbenen Vaters gerne ein. Das rundum gleichmäßig gewachsene Prachtexemplar von Baum war sogar so groß, dass es vor dem Aufstellen vor dem Rathaus ein Stück gekürzt wurde.

Da wäre auch die Geschichte von den Brüdern und Schwestern dieses Baumes in Guatemala, mit deren Holz dort traditionell über offenem Feuer gekocht wird. Das führt zu vielen Unfällen und Atemwegserkrankungen von Kindern. Dabei gibt es die Onil-Herde, die das alles vermeiden und auch noch 70 Prozent weniger Holz brauchen. Solch ein intelligenter Herd kostet knapp 100 Euro. Was hat das alles mit Neidlingen zu tun? Im Rathausfoyer verkauft Helga Sigel aus Weilheim Perlenschmuck, den Frauen aus Guatemala angefertigt haben. Der Erlös wird für solche Herde verwendet. Die Hilfe kommt an, die Tochter Monika Sigel lebt selbst in Guatemala, alle im Herdprojekt arbeiten ehrenamtlich.

Wenn plötzlich Besuch kommt und es ist kein Kuchen im Haus, kann das eine traurige Geschichte sein. Doch es gibt Abhilfe – sie kommt vom evangelischen Kindergarten Wasserschloss und nennt sich „Kuchen im Glas“. Der wird im Einmachglas gebacken und nach Schließen des Deckels zusätzlich noch eingekocht. So ist er mindestens drei Monate lang haltbar. Der Kindergarten hat wahlweise Marmorkuchen und Zimt-Marmorkuchen mit eingelassenen Dominosteinen zu bieten.

Die weihnachtliche Geschichte von Wanja, bei dem es in der Nacht klopft, erzählen im Neidlinger Sitzungssaal Mensch und Diaprojektor gemeinsam. Ja, Letzterer ist noch nicht ausgestorben, es sollte aber besser keiner tabletmäßig über die Leinwand wischen. Eine längere Geschichte ist auch der Sockeneinkauf einiger Damen am Stand von Sabines Lädle aus Neidlingen, denn der selbst gestrickten Designs waren gar viele. Außerdem geht es, das muss ergänzt werden, um immerhin sechs Paar Socken in verschiedensten Größen. „Jetzt, wenn es kalt wird, ist Hochsaison“, sagt Sabine Spengler, die das ganze Jahr über dafür vorgearbeitet hat und auch während der Hochsaison noch nachproduziert.

So manche Geschichte haben sich die Neidlinger zu berichten, die den Adventsmarkt zu einem Schwätzchen nutzen. Eine weitere, ganz spezielle Geschichte ist die vom Nikolaus, der auf dem Adventsmarkt genauso seinen Auftritt hat, wie der Posaunenchor Neidlingen und Pfarrerin Ute Stolz mit einer Andacht im Advent.

Doch in wessen Rathausbüro der Mantel vom Nikolaus zeitweise hängt und woher der Nikolaus diesen Rathausmitarbeiter so gut kennt, dass er ihm seinen Mantel anvertraut, diese Geschichte wird der Teckbote hier nicht erzählen. Denn manchmal sind Geheimnisse noch schöner als jede Geschichte, sei es nun eine große oder eine kleine.Peter Dietrich

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