Weilheim und Umgebung

Eine Reise ins Töpferreich

Elke Adamek-Schrievers lädt in ihr Atelier ein und zeigt ihre Handwerkskunst

Eine Reise ins Töpferreich

Elke Adamek-Schrievers bei der Arbeit. Foto: Ana-Marija Bilandzija

Bissingen. Am „Tag der offenen Töpfereien“ gab Elke Adamek-Schrievers in Bissingen interessante Einblicke in ihren Beruf. Gespickt war er mit Fachwissen aus Japan und der

Anzeige

Welt. Alle Augen sind auf Elke Adamek-Schrievers gerichtet, als sie sich an eine von drei elektrischen Töpferscheiben in ihrer Werkstatt setzt. Zehn Gäste bilden eine Traube; eine Frau stupst ihren Partner an der Schulter und staunt: „Das ist ein Wunder. Ich hab das noch nie in echt gesehen.“ Mit flinken Handgriffen formt Adamek-Schrievers rasch die Grundform eines Tonkrugs. Keine fünf Minuten dauert es, bis der Ton, den sie vorher zurechtgeklopft hat, Gestalt annimmt. „Vom Stock drehen nennt man diese Technik, und für Kerben verwende ich eine Malerschnur.“ Elke Adamek-Schrievers trägt grüne Gummipantoffeln, ein rosa Halstuch und eine blonde Kurzhaarfrisur.

Bei ihrer Arbeit geht sie routiniert zur Sache, plaudert fröhlich, während ihre Hände in der Tonschale versinken. „Töpfern ist ein Kraftakt“, erklärt sie, „der ganze Körper ist im Einsatz. Schauen Sie auf meine Oberschenkel, ich umklammere die Scheibe damit wie eine Spange.“ Elke Adamek-Schrievers ist eine zierliche Frau von mittlerer Größe; nach mehr als dreißig Jahren Töpferkunst und unzähligen Kursen, die sie für allerlei Zielgruppen vom Kleinkind bis zum Rentner gehalten hat, ist ihr das Erklären ihrer Leidenschaft ins Blut übergegangen.

Der Tag der offenen Töpfereien schafft Aufmerksamkeit für ein Handwerk, das eine lange Tradition hat und dennoch aus dem deutschen Alltag zu verschwinden droht. Rund 550 Werkstätten und Ateliers in ganz Deutschland öffneten an einem Wochenende Tür und Tor.

An der Türschwelle des Lehmhauses in der Unteren Straße in Bissingen kommen dem Besucher wohlige Wärme und Fetzen angeregter Gespräche entgegen. Elke Adamek-Schrievers grüßt freundlich, ein paar Gäste stöbern zwischen den Regalen nach dem nächsten Schmuckstück fürs Küchenregal. Auf einem alten Holzschreibtisch neben der Tür tragen Töpfer-Begeisterte sich in eine Liste für den nächsten Kurs ein. Adamek-Schrievers hat Grund- und Hauptschullehramt studiert, Kunst und Deutsch waren ihre Hauptfächer. Heute verbindet sie Kunst und Pädagogik in ihren Seminaren in der Region.

Ihr Werkatelier im Lehmhaus ist nicht sonderlich groß; ringsum thronen ihre kleinen Kunstwerke auf Holzregalen – Teetassen mit abstrakter Malerei etwa, oder auch Krüge, Obstschalen und Karaffen. In der Mitte des Raums erwartet die Besucher ein gedeckter Tisch, die Hausherrin empfängt hier jeden mit Gebäck, Tee und Schorlen; Espresso wird in eigens gestalteten Tassen serviert, wie man sie im Einzelhandel niemals finden würde. Ihr Handwerk, das Töpfern, erfahre in Deutschland allgemein nicht so eine hohe Wertschätzung, erzählt Adamek-Schrievers. In Japan und Korea sei das Gegenteil der Fall: „togei“ wird sie dort genannt, die Keramikkunst. In Deutschland gibt es keine Entsprechung, „bei uns heißt es schlicht Töpferhandwerk“, so Adamek-Schrievers.

Sie hat die Kunst in Japan erlernt – in den späten 70er-Jahren führte sie ein Stipendium ihres Ehemanns dorthin; Elke Adamek-Schrievers ging bei der Gelegenheit bei einem alten Meister in die Lehre. Ihre Begeisterung für die japanischen Kunst entdeckte die Bissingerin früh: „Im Haus meiner Eltern hingen Tuschezeichnungen, die ich schon als Kind toll fand.“ Auch das Zeichnen mit Tusche lernte Adamek-Schrievers in Japan; die sanften Striche, die ihre Werke zieren, fertigt sie in alter Tradition.

Das Paar, das Adamek-Schrievers vor ein paar Minuten noch fasziniert bei der Arbeit zuschaute, hat sich für je eine neue Lieblingstasse entschieden. Adamek-Schrievers packt sie behutsam in Papiertüten. „Natürlich freut es mich, wenn ich auch was verkaufe“, sagt sie, „vor allem finde ich es aber toll, zu sehen, wie viele Menschen sich wortwörtlich auf eine Töpferreise gemacht haben.“ Es ist diese persönliche Note, die Menschen auch heute noch für die alte Kunst schwärmen lässt, erzählt Adamek-Schrievers: „‚Das ist meine Tasse und die hält sich viel länger als normale Tassen‘, sagen meine Kunden gerne.“ Das, sagt sie weiter, kann nur Handwerk.

Eine Reise ins Töpferreich

"Töpfern ist ein Kraftakt, der ganze Körper ist im Einsatz." Elke Adamek-Schrievers gibt Einblick ins Töpfer-Handwerk. Foto: Ana-Marija Bilandzija