Weilheim und Umgebung

Eine tolle Knolle

Ernährung Saisonale Gerichte und die Wertschätzung von Lebensmitteln liegen Renate Raichle aus Bissingen am Herzen. Auf dieser Grundlage basiert auch ihr Lieblingsrezept: ein Kartoffel-Cordon-Bleu mit Krautsalat. Von Cornelia Wahl

Kartoffeln sind vielseitig verwendbar, reich an Mineralstoffen und Vitaminen und dürfen in keinem Haushalt fehlen.Archiv-Foto: J
Kartoffeln sind vielseitig verwendbar, reich an Mineralstoffen und Vitaminen und dürfen in keinem Haushalt fehlen. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Vor Renate Raichle liegen mehrere Bücher auf dem Tisch. Alle sind randvoll mit gesammelten Rezepten, die sie im Laufe der Zeit selbst ausprobiert hat und an Kochbegeisterte weitergibt. Sie kocht mit Herz und Leidenschaft. Eine gute Ernährung und die Wertschätzung der Lebensmittel sind ihr dabei besonders wichtig. Das wissen auch ihre Bekannten und Freundinnen. Sie haben die Rezepte zusammengetragen, liebevoll illustriert und zu Büchern binden lassen, um sie ihr zu schenken.

Die ehemalige Lehrerin für Hauswirtschaft und Sport ist ein treues Mitglied im Landfrauenverein Nabern-Bissingen. Nicht nur, dass sie eine von zwei stellvertretenden Vorsitzenden in der 51-jährigen Tradition des Vereins ist. Sie selbst ist 2019 schon vier Jahrzehnte lang mit von der Partie. Dabei war es nicht das Kochen, sondern vielmehr die Liebe zu den Menschen und der Austausch mit ihnen, die sie zu den Landfrauen brachte. Deshalb findet sie es schade, wie der Verein in der Bevölkerung wahrgenommen wird. „Die Landfrauen werden nur mit Kochen und Backen in Verbindung gebracht. Dabei bieten wir viel mehr“, erklärt Renate Raichle. „Wir engagieren uns politisch und in der Kommune. Wir sind bei Festen, spenden viel, etwa die Einnahmen vom Verkauf von selbst gebackenem Holzofenbrot. Und wir haben Vorträge zu politischen und zu Gesundheitsthemen im Programm“, erzählt sie.

Bräuche gehen verloren

Darüber hinaus leisten die Frauen wertvolle Arbeit in der Juniorbildung, die seit dem Jahr 2015 unter der Bezeichnung „Teckbienchen“ geführt wird. Sie ist ein fester Bestandteil der Naberner und Bissinger Landfrauen, die damit bereits vor sieben Jahren begonnen haben. Das Angebot richtet sich an Mädchen und Buben ab fünf Jahren. Oft am Samstag treffen sie sich zum gemeinsamen Basteln, Handarbeiten, Kochen oder Bewegen. Ausgeflogen wird ins Freilichtmuseum oder ins Freilichttheater. Auf die Altersstruktur bei den Erwachsenen hat sich dies bisher nicht ausgewirkt. „80 Prozent der 80 Mitglieder“, so Raichles Schätzung, „sind über 60 Jahre alt.“

Die Hoffnung, über die Kinder die Mütter für die Landfrauen begeistern zu können, hat sich bisher aber nicht wirklich erfüllt. Mancher Brauch und manches Wissen wird daher früher oder später vermutlich verschwinden. Hoffentlich aber nicht das Holzofenbrotbacken, „denn das können heute nur noch sehr wenige“, bedauert Renate Raichle. Das fängt damit an, dass dafür „Krähla“ gebraucht werden. Das Holz dafür sammeln die Frauen zuvor gemeinsam im Wald. Nach getaner Arbeit wird zusammen gevespert. Das Backen des Holzofenbrotes brauche Feingefühl und Erfahrung, sagt sie. Ist es geschafft, überwiege am Ende die Freude über das gemeinsam erschaffene Ergebnis.

Ein Rezept für jedermann

Das Rezept Kartoffel-Cordon-Bleu mit Krautsalat hat die Landfrau mit Bedacht ausgewählt. „Das sind alles Zutaten, die man oft sowieso schon zu Hause hat oder die in unmittelbarer Nähe eingekauft werden können.“ Und es enthält Zutaten der Jahreszeit entsprechend. Statt des Krautsalats können auch andere Salate als Beilage serviert werden. „Manchmal mache ich eine Tomatensoße dazu“, verrät sie.

Renate Raichle sagt von sich selbst, sie habe den Landfrauen viel zu verdanken. Die Mutter dreier erwachsener Kinder hat nach dem Letztgeborenen als Lehrerin in der Schule aufgehört, weil sie für ihre Kinder da sein wollte. Schnell habe sie gemerkt, dass ihr der Austausch mit den Leuten fehle. So ist sie zu den Landfrauen Nabern-Bissingen gegangen. Sie habe die Möglichkeit bekommen, eine Gymnastikgruppe zu leiten. Allerdings benötigte es dafür eine entsprechende Ausbildung. Sie ließ sich ausbilden und trat im Jahr 1979 in den Verein ein. Die Ausbildung, die es heute so nicht mehr gibt, „hat mir viel genützt“, freut sie sich. Wenig später trat sie wieder in den Schuldienst ein und blieb dort die letzten 25 Jahre bis zum Ruhestand.

Auch jetzt ist sie noch mehrere Stunden die Woche im Dienste der gesunden Bewegung unterwegs.

Symbolfoto
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