Weilheim und Umgebung

„Eine unbelastete Einstellung zum Helfen“

Acht Gruppen wetteifern beim Kreiswettbewerb des Jugendrotkreuzes Nürtingen-Kirchheim

Die Neidlinger Jugendgruppen des Jugendrotkreuz (JRK) siegten beim Wettbewerb des Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim. Es nahmen acht Ortsgruppen mit 62 Kindern und Jugendlichen teil.

Die Jugendrotkreuzler aus Neidlingen versorgen eine stark blutende Schnittwunde.Foto: Ines Baur
Die Jugendrotkreuzler aus Neidlingen versorgen eine stark blutende Schnittwunde.Foto: Ines Baur

Kreis Esslingen. In der Wartezeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sind Erste-Hilfe-Maßnahmen von entscheidender, oft lebensrettender Bedeutung. Laut Statistik muss jeder vierte Bundesbürger damit rechnen, dass er einmal im Leben auf Erste Hilfe angewiesen ist. Ebenfalls laut Statistik unterbleibt aber in 80 Prozent der Fällen jegliche Hilfeleistung. Dabei kann jeder helfen – damit er es aber auch tut, muss es frühzeitig gelernt werden. „Kinder haben im Gegensatz zu den Erwachsenen eine unbelastete Einstellung zum Helfen“, so die Kreisjugendleiterin Sandra Kottler aus Linsenhofen. „Sie denken nicht über juristische Konsequenzen nach – die es übrigens nur im Unterlassensfall gibt – und auch nicht über Aufwand oder Kosten.“

Kinder würden in der Gesellschaft oft nur als schwächstes Mitglied angesehen, ergänzte der stellvertretende Kreisjugendleiter, Mathias Schmollack aus Kirchheim. „Es wird ihnen viel zu wenig zugetraut. Aber Kinder sind lernbereit und haben außerdem viel Einfühlungsvermögen“. Bei den Aufgabenstellungen des Jugendrotkreuz-Wettbewerbs auf Kreisverbandsebene wurde dem Rechnung getragen. Nicht nur das fachgerechte Anlegen eines Druckverbandes wurde bewertet. Genauso zählte die Betreuung eines Verletzten und das schnelle Absetzen des Notrufs bei der Rettungsleitstelle.

Über 60 Kinder und Jugendliche haben beim Kreiswettbewerb des Deutschen Roten Kreuzes Nürtingen-Kirchheim in der Ludwig-Uhland-Schule in Wendlingen ihr Wissen unter Beweis gestellt. Die Jugendlichen im Alter ab 16 Jahren punkteten mit „Body-Check“, das heißt, alle Körperteile auf Verletzungen untersuchen. Bei den Jüngsten wurde neben der Wunderstversorgung der Schwerpunkt auf Trösten gelegt.

„Wir bilden die Jugendrotkreuzler nach ihrem Entwicklungsstand aus“, erklärte Jugendreferentin Ines Baur. Ein Kind mit sechs Jahren wird in einer Wettbewerbsaufgabe keinen Menschen wiederbeleben müssen. Aber es kann ein verunfalltes Kind trösten und mit einer Decke oder Jacke wärmen. Es kann sich Hilfe von Passanten holen und den Notruf mit der Nummer 112 anrufen. „Völlig begeistert war ich ja von dem Einfallsreichtum der Kleinsten: Nachdem sie sich nach Schmerzen erkundigt hatten, wurde dann so beiläufig nach dem Haustier, seinem Namen, dem Sportverein oder der letzten guten Note in irgendeinem Schulfach gefragt“, so Ines Baur. Ablenkung sei in Schockzuständen einfach oft das Mittel der Wahl. „Die Jugendrotkreuz-Kids haben das einfach drauf – nicht von alleine, sondern in den wöchentlichen Gruppenstunden gelernt“, erklärte sie weiter.

Das Jugendrotkreuz lässt sich jedoch nicht nur auf Erste Hilfe reduzieren. Deshalb absolvierten die acht Gruppen auch sportliche, kreative und Wissensaufgaben. DRK-Schatzmeister Gerhard Moritz zeigte sich ebenfalls beeindruckt: „Es freut mich, dass das Jugendrotkreuz Linsenhofen sogar drei Gruppen für den Wettbewerb anmelden konnte.“ Ihr Rotkreuzheim wurde vorletztes Jahr mutwillig angezündet und die Bereitschaft sowie das Jugendrotkreuz haben ihr gesamtes Material sowie die Unterkunft verloren. „Die JRK-Gruppenstunden konnten nur mit Sachspenden und unter erschwerten Bedingungen weiterhin improvisiert werden. Da zeigt sich der wirkliche Zusammenhalt“, freut sich Gerhard Moritz

Die Qualifizierung für den Landeswettbewerb haben bei den Jüngsten das JRK Linsenhofen und in den beiden älteren Altersstufen das JRK Neidlingen geschafft. Sie werden den DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim bei den Landeswettbewerben vertreten. ib

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