Weilheim und Umgebung

Eltern nicht alleine lassenKommentar

Kinderbetreuung ist eine Glaubensfrage. Während die einen betonen, wie wichtig Sozialkontakte zu Gleichaltrigen und eine ausgeklügelte Förderung sind, schwören die anderen vor allem auf Geborgenheit und familiären Halt. Wo auch immer die Wahrheit liegen mag – Fakt ist, dass eine gute Kinderbetreuung auch im ländlichen Raum immer mehr zum Standortfaktor wird.

Deshalb ist es richtig, dass sich Ohmden auf den Weg zur Ganztagsschule macht, um vor Ort ein umfassendes, pädagogisch anspruchsvolles und dabei kostenloses Angebot zu unterbreiten. Denn die ländliche Idylle allein wird auf lange Sicht kaum genügen, um junge Familien ins Dorf zu holen und dort zu halten.

Allerdings darf dieser Schritt gerade in einer kleinen Gemeinde wie Ohmden nicht auf Kosten derjenigen gehen, die einen anderen Lebensentwurf verfolgen und ihre Kinder so weit wie möglich in der Familie aufwachsen sehen möchten. Bei einer Ganztagsschule in Wahlform sollten die Eltern deshalb auch eine echte Wahl haben. Das ist allerdings nur dann garantiert, wenn die Betreuung der Halbtagskinder sich nicht verschlechtert. Wenn Gemeinde und Schulleitung nun den Eltern den Schwarzen Peter zuschieben und sie mit ihrem Betreuungsproblem alleine lassen, schadet das der Akzeptanz der Idee.

Deshalb sollten die Verantwortlichen so schnell wie möglich Vorschläge ausarbeiten, die allen gleichermaßen gerecht werden. Dabei müssen auch die Eltern mit ins Boot geholt werden, die jetzt Kritik üben. Dass eine wenig betuchte Gemeinde wie Ohmden eine verlässliche Halbtagsbetreuung nicht komplett aus eigener Tasche finanzieren kann, leuchtet ein. Aber Schule und Gemeinde können organisieren, helfen und vor allem auch die Sorgen und Nöte derjenigen ernst nehmen, die mit Ganztagsunterricht noch nichts anfangen können. Denn nur wenn die Basis breit genug ist, kann die Ohmdener Schule auch in Zukunft ein Erfolgsmodell sein. BIANCA LÜTZ-HOLOCH

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