Weilheim und Umgebung

„Es gibt nicht viel, was wir nicht machen“

Bissingen wurde für ein paar Stunden zum Nabel der Kunststoff- und Gießereibranche

Die Firma Reichle aus Bissingen lud zur bundesweiten Fachtagung mit Betriebsführung: 300 Spezialisten und Kunden reisten an den Albtrauf.

Michael Herberth erläutert einem Teilnehmer die Funktion einer Lasergravuranlage. Auch die Optimierung oder Reparatur von Formen
Michael Herberth erläutert einem Teilnehmer die Funktion einer Lasergravuranlage. Auch die Optimierung oder Reparatur von Formen für Joghurtbecher gehört ins Reichle-Portfolio.Fotos: Cornelia Wahl

Bissingen. Ausgerüstet ist die Reichle GmbH mit modernsten Anlagen. Dazu zählt zum Beispiel die weltgrößte Fünf-Achs-Lasertexturierungsanlage, die jetzt in Betrieb gegangen ist. Sie zaubert mit einem Laserstrahl hochwertige, feinste Strukturen und Narbungen auf Bauteile im XXL-Format. Das Verfahren selbst liefert für große und kleine Bauteile erstaunliche Möglichkeiten in Sachen Produktdesign und Oberflächengestaltung. Weltweit lassen sich so reproduzierbar volldigital gestaltete Oberflächennarbungen produzieren, wie Beispiele in Vitrinen zeigten.

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Neben den kleineren Lasertex­turierungsanlagen befinden sich bei Reichle CNC-Fräsmaschinen. Sie kommen zum Einsatz, wenn größere Abtragungen bei einem Werkstück nötig sind.

In der Abteilung für Beschriftungen werden nach Kundenwunsch selbstklebende Ätzfolien hergestellt und dann auf einem Werkstück aus Aluminium oder Stahl platziert und mit einer passenden Säure behandelt. – Ein Verfahren etwa für übergroße Formen, bei Zeitdruck und zur Kosteneinsparung.

An einer anderen Stelle ist in einem großen hellen Raum die Oberflächentechnik untergebracht. Die Geschäftsleitung lässt den Mitarbeitern dort viele Freiheiten, um selbstständig eigene Oberflächenstrukturen und Narbungen im Einklang mit den Kundenwünschen zu kreieren. Alles nimmt hier seinen Anfang mit Stift und Papier. Danach wird das Erschaffene auf den Computer übertragen, für die Anlage in ein Programm übersetzt. Bevor es dort zum Einsatz kommt, werden Simulationen ausgeführt. „Eigentlich ein schöner Job“, wie Industriedesignerin Judith Hepfer erzählt.

Reichle bündelt für die Kunden nahezu sämtliche Dienstleistungen in der Formenwerkzeuginstandsetzung, -optimierung, der Oberflächentechnik und Oberflächenbeschriftung unter einem Dach. Damit steht das Unternehmen allein in der Branche. Darüber hinaus wird Dienstleistung groß geschrieben. So gibt es einen Vor-Ort-Service. Und auch Offenheit gegenüber den Kunden hat in dem Familienbetrieb einen hohen Stellenwert: „Transparenz und Vertrauen sind wichtig“, sagt Projektmanager Günter Reichert.

Geduldig stehen die Mitarbeiter den Besuchern Rede und Antwort und erläutern begeistert die einzelnen Arbeitsschritte. Auch wenn bei Reichle viel mit Hightech produziert wird, so gibt es doch Zahlreiches, was akribisch und aufwendig mit der Hand erledigt wird.

Überhaupt setzt das Familienunternehmen auf ein gutes Arbeitsklima und Weiterbildung. „Wir geben auch Quereinsteigern eine Chance, die sich dann entsprechend ihren Eignungen weiterqualifizieren können“, erzählt Günter Reichert.

Zu den Kunden Reichles zählt die Automobilbranche genauso wie Firmen aus den Bereichen Haushalt, Kosmetik, Luft- und Raumfahrt, der Medizinprodukte, der Pharmaindustrie, dem Schiffsbau, der Spielwaren oder der Lebensmittelindustrie. „Es gibt nicht mehr viel, was wir nicht machen“, fügt Günter Reichert hinzu.

Vom Ein-Mann-Betrieb zum großen Zentrum

Anfänge im Keller: „Angefangen hat alles in einem Keller“, erzählt Marina Reichle, die Tochter des Firmengründers Volker Reichle, der sich im Jahr 1981 zunächst als Ein-Mann-Betrieb für Tellergravuren und Namensschilder selbstständig machte. Zentrum der Superlative: In 35 Jahren hat sich das Familienunternehmen zum größten deutschen Gravier- und Laserschweißzentrum gemausert. Heute umfasst die Produktionsfläche 4 800 Quadratmeter, auf der mehr als 60 hoch spezialisierte Menschen arbeiten. Weitere Expansion: Reichle will weiter expandieren, sucht händeringend nach engagierten Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen, wie Firmengründer Volker Reichle erzählt und dabei mit Stolz auf seine Mannschaft, inklusive Sohn Marco, blickt. cw