Weilheim und Umgebung

Es ist jemand da, der zuhört

Bildung Streit schlichten, Konflikte lösen oder einfach mal zusammen spielen: Katharina Lude-Gärtner ist die erste Schulsozialarbeiterin an der Grundschule in Bissingen. Von Melissa Seitz

Katharina Lude-Gärtner weiß: Es geht nicht darum, was man mit Kindern spielt, sondern dass man sich Zeit für sie nimmt.Foto: Jea
Katharina Lude-Gärtner weiß: Es geht nicht darum, was man mit Kindern spielt, sondern dass man sich Zeit für sie nimmt.Foto: Jean-Luc Jacques

An den Wänden hängen bunte Bilder, alles ist in freundlichen Farben eingerichtet, in der Mitte des Raumes sitzt Katharina Lude-Gärtner mit drei Schülern an einem kleinen Tisch und spielt „Mensch ärgere dich nicht!“. Die Stimmung ist locker, es wird geplaudert und gelacht. „Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten. Sie sagen, was sie denken. Das gefällt mir“, sagt sie. Katharina Lude-Gärtner ist die neue - und erste - Schulsozialarbeiterin an der Grundschule in Bissingen. Seit Anfang Juni stehen die Türen in ihrem Büro für jeden Schüler offen. Dass es in Bissingen irgendwann eine Schulsozialarbeiterin geben würde, war vorherzusehen: „Auch wir haben Schüler, die aggressiv sind und keine Grenzen akzeptieren“, erklärt der Rektor der Schule, Wolfgang Rose. „Ab und zu fliegen hier wortwörtlich die Fäuste“, weiß die Schulsozialarbeiterin.

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Auch Lehrer sind irgendwann mit ihrem Latein am Ende. Katharina Lude-Gärtner sorgt jetzt für Entlastung. „Sie ist ein Segen für diese Schule“, schwärmt der Rektor. Sei es beim Mittagessen, in den Pausen oder mitten in einer Unterrichtsstunde: Die Sozialarbeiterin ist immer an Ort und Stelle.

„In meinen ersten paar Tagen an der Schule ging es darum, die Kinder kennenzulernen. Wir haben gespielt und miteinander geredet“, erklärt sie. Schnell wurde Katharina Lude-Gärtner mit den ersten Konflikten konfrontiert. Bei ihrer Arbeit geht es weniger darum, aus zwei Streithähnen beste Freunde zu machen, sondern den Kindern einen wichtigen Rat mit auf den Weg zu geben. „Ich möchte den Schülern beibringen, wie sie am besten mit jeglichen Streitigkeiten umgehen, und sie sollen sich in die Situation ihres Gegenübers versetzen. Ziel ist es, dass die Schüler lernen, Verantwortung für sich zu übernehmen“, erklärt die Bissinger Schulsozialarbeiterin, die von ihren Schülern liebevoll „Kati“ genannt wird.

Manchmal muss sich Katharina Lude-Gärtner in Geduld üben. Hat ein Schüler ein Problem, kann aber nicht darüber reden, bedeutet das: abwarten und Tee trinken. „Ich zwinge niemanden, zu mir zu kommen. Das müssen die Kinder freiwillig machen“, sagt sie. Und die Schulsozialarbeiterin ist ein Schloss mit sieben Siegeln: Dank der Schweigepflicht muss kein Schüler Angst haben, dass „Kati“ etwas ausplaudert.

Apropos plaudern - bei der Sozialpädagogin gilt die Devise: „Du kannst mir alles erzählen, aber du darfst nicht flunkern.“ Natürlich ist sie sich bewusst, dass jedes Kind ein- und dieselbe Situation anders wahrnimmt. „Aber wenn ich merke, dass ein Schüler etwas erfindet, gebe ich ihm zu verstehen, dass das nicht in Ordnung ist“, stellt die Bissingerin klar.

Auch mit den Eltern der Kinder setzt sich Katharina Lude-Gärtner zusammen. „Ich versuche, für die Kinder zu sprechen und für sie die familiären Konflikte aus der Welt zu schaffen“, sagt sie. Doch die Sozialpädagogin weiß, Theorie und Praxis weichen stark voneinander ab. „In der Regel freuen sich die Eltern aber, dass es an der Schule eine Person gibt, an die sich die Kinder wenden können“, erzählt sie.

Nach den Sommerferien bekommt Katharina Lude-Gärtner Unterstützung von „Pausen-Engeln“. „Wir möchten Schüler zu Streitschlichtern ausbilden, die dann in den Pausen auf dem Schulhof nach dem Rechten sehen“, erklärt die Sozialpädagogin.

Auf die Frage, wieso immer mehr Kinder aggressiv werden, hat Bissingens Schulsozialarbeiterin eine klare Antwort: „Es gibt mehrere Gründe, einer davon ist die Erziehung auf Augenhöhe. Die Kinder haben dann zu viele Möglichkeiten, aber zu wenig Grenzen.“ Ihrer Meinung nach geben Eltern bei dieser Art von Erziehung viel zu schnell nach, wenn das Kind mal bockt oder quengelt. „Es ist wichtig, dass die Eltern in den meisten Fällen den Ton angeben. Liebe und Konsequenz ist die Devise“, sagt die Sozialpädagogin.

Katharina Lude-Gärtner ist mehr als eine Schulsozialarbeiterin. Sie ist Erzieherin, Ratgeberin, Vertraute und Spielkameradin in einem.