Weilheim und Umgebung

Es werde Rock

Wie Weilheim dank Orkan Lothar zum jährlichen „Rock am Turm“ kam

„Es werde Licht“, sagt Gott in der Schöpfungsgeschichte. Darauf anspielend hat die Band „Preachers ‚n‘ Poets“ ihre Demo-CD auf Englisch „Es werde Rock“ genannt. Sie spielt am 27. Juni nicht beim „Rock am Ring“, sondern beim „Rock am Turm“. Das „Preacher“ im Bandnamen ist ebenfalls kein Zufall.

Es werde Rock
Es werde Rock

Weilheim. Eine Band mit zwei Pfarrern und einer Diakonin trägt wohl zu Recht einen „Prediger“ im Titel. Fehlen noch die „Poeten“, die sich in diesem Fall aus einem Veranstaltungstechniker, einem Sporttherapeuten und einem Zahntechniker zusammensetzen. Die Band ist keine fixe Idee, sondern spielt schon seit 1979 zusammen. Das ist ihr auch ganz schnell anzuhören, die vielen Proben im Keller einer früheren Bäckerei im Esslinger Obertor haben ihre routinierten Spuren hinterlassen. Da wuchs zusammen, was so lange zusammen spielt, da sitzt jeder Ton.

Zu „Rock am Turm“ gehören immer zwei Bands, die zweite ist diesmal „All Inclusive“ aus Weilheim. Deren Wurzeln, unter den Namen „Secret Gloves“, „Out Off Life“ und „The Blue Brothers“, ohne den Buchstaben s, reichen immerhin bis 1994 zurück. In der Silvesternacht 2002 wurde dann „All Inclusive“ daraus. Inklusive sind nicht nur Rock, sondern auch Blues, Pop und Jazz.

Bleibt die Frage, wie eine Kirchengemeinde dazu kommt, am Vorabend ihres Gemeindefestes eine Open-Air-Rocknacht zu organisieren, und das jedes Jahr seit 2011. Ganz einfach – die Schuld hat Orkan Lothar, der allerdings noch um ein paar Ecken wehen musste. Zunächst sorgte Lothar dafür, dass die Martinskirche in Steinheim/Murr an Weihnachten 1999 einen sehr teuren Dachschaden bekam. Das fand Margit Maier, Rockröhre aus dem Bottwartal, zum Benefizrocken, also gab es den „Rock fürn Turm“. Er war ein voller Erfolg.

Ende 2010 suchte die evangelische Kirchengemeinde Weilheim ein Ereignis für den Vorabend des Gemeindefestes. Pfarrer Peter Brändle kannte seinen künftigen Kollegen Eckhard Schlatter, der für Februar 2011 erwartet wurde, schon, googelte ihn aber trotzdem. Er stieß auf den Steinheimer Benefizrock und fragte Schlatter, ob er nicht mit seiner Band in Weilheim spielen wolle. Schlatter zögerte, wollte nicht schon nach vier Monaten im Amt „die Leute verschrecken“, sich lieber zuerst als seriöser Seelsorger etablieren.

Brändle hatte weniger Skrupel, Schlatter ließ sich überzeugen, zum Konzert kamen auf Anhieb 300 Besucher. Es waren Weilheimer und Fans aus Esslingen, Leute von 15 bis 75 Jahren, Schwerpunkt ab 40 Jahren aufwärts. Oft kommen Junge mit den Eltern zu „Rock am Turm“. Meist wird ab dem dritten oder vierten Lied getanzt. Nach vier Stunden, gegen 23 Uhr, ist aus Rücksicht auf die Nachbarn Schluss. Am nächsten Morgen sehen sich viele wieder, im Gottesdienst in der Peterskirche.

Die ganze Organisation ist ehrenamtlich, der Erlös für einen guten Zweck. Genauer für zwei oder drei gute Zwecke, die der Kirchengemeinderat jedes Jahr festlegt. So profitierten schon die Jugendarbeit, der Kindergarten und der Arbeitskreis Asyl davon. Der Erlös wird mit dem Erlös des Gemeindefestes und des Sponsorenlaufs zusammengeworfen. Der Eintritt zu „Rock am Turm“ ist frei, dafür kostet jedes Getränk einen Euro mehr. Zu Hugo und Cocktails kommt Gegrilltes, oft spenden die Lieferanten einen Teil. Seinen Erfolg verdankt „Rock am Turm“ auch den Herren der Weilheimer Tafelrunde, die sich um die Logistik kümmern, und der Unterstützung der Konfirmandeneltern.

„Preachers ‚n‘ Poets“ spielt meist Cover-Songs anderer Bands, zu den Eigenkompositionen gehört „God Bless You“, ein Segenslied im Stil der Rolling Stones. Mit diesem Lied endet jedes Konzert der Band – die übrigens nur einmal jährlich in der näheren Region auftritt. Wer sie dazwischen hören will, muss schon nach Backnang oder Heilbronn fahren.

Vor aus christlicher Sicht fragwürdigen Texten muss sich niemand fürchten. „Ich covere kein ‚Highway to Hell“, sagt Schlatter. Und ergänzt: „Wir zertrümmern auf der Bühne auch keine Gitarren, dazu reicht es nicht.“

„Rock am Turm“ beginnt am Samstag, 27. Juni, um 19 Uhr, unter den Kastanien im Schatten der Peterskirche. Am Tag darauf folgt das Gemeindefest mit Sponsorenlauf. Es gibt Kulinarisches wie Paella und wilde Kartoffeln und es singen der Kinderchor der Kirchengemeinde und „Vocal Affair“, bestehend aus Sandra Schöne und Patrick Schwefel. Kinder bauen im Chor der Peterskirche eine Brio-Bahn auf. Um 17 Uhr gibt es mit dem Chor an der Peterskirche einen musikalischen Ausklang. Auch in diesem Jahr gibt es für Kinder Nudeln mit Tomatensoße gratis.

Zwei Bands gehören traditionell zum Rock am Turm, das Städtle bebt garantiert.Foto: es
Zwei Bands gehören traditionell zum Rock am Turm, das Städtle bebt garantiert.Foto: es
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