Weilheim und Umgebung

Facebook für Weltverbesserer

Medien Dennis Hack aus Weilheim hat das Soziale Netzwerk „Human Connection“ gegründet. Er möchte erreichen, dass die Menschen aktiv werden – und zwar zugunsten des Gemeinwohls. Von Bianca Lütz-Holoch

So wird die Oberfläche des neuen Sozialen Netzwerks aussehen. Quelle: Human Connection

Er ist verheiratet, hat eine kleine Tochter und führt in dritter Generation die Geschäfte der Weilheimer Firma Eurotramp, Weltmarktführerin bei der Herstellung von Wettkampf-Trampolinen. Angesichts dessen könnte sich Dennis Hack eigentlich zufrieden zurücklehnen und ein angenehmes Leben führen. Tut er aber nicht. Denn der 37-jährige Weilheimer hat eine Vision: „Ich möchte Menschen und Organisationen, die sich für einen positiven Wandel einsetzen, weltweit miteinander vernetzen.“ Deshalb hat er „Human Connection“ gegründet.

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„Human Connection ist ein Wissens- und Aktionsnetzwerk – eine Mischung aus Facebook, Wikipedia, Pinterest, Online-Spendenplattform und Consumer Portal“, beschreibt es Dennis Hack. Oder kurz: Eine Art Facebook für Weltverbesserer. Doch auch wenn der Platzhirsch in vielerlei Hinsicht Pate gestanden hat – „Human Connection“ unterscheidet sich gravierend davon. „Human Connection ist gemeinnützig“, betont Dennis Hack, dass es ihm nicht um Profit geht. „Mein Geld verdiene ich woanders“, winkt er ab. Vielmehr wünscht er sich, dass seine Erfindung die Menschen dazu anregt, gemeinnützige Projekte und Organisationen zu unterstützen – mit Geldspenden, aber auch mit persönlichem Einsatz.
Genau das ist der Punkt, der Dennis Hack besonders wichtig ist: „Wir haben einen Action-Button.“ Wer mehr möchte, als sich nur berieseln lassen, kann darauf klicken und findet eine ganze Liste von Möglichkeiten, etwas zu tun. Zum Beispiel beim Thema „Bienensterben“. User haben nicht nur die Chance, mit Experten zu chatten, sich in die Pro- und Kontra-Diskussion einzumischen und weiterführende Posts zu lesen, sondern es gibt auch einen Aktions-Bereich. Er zeigt auf, welche Non-Profit-Organisationen oder Projekte existieren und welche Dinge jeder Einzelne tun kann. Zum Beispiel lokales Biogemüse kaufen oder einen bienenfreundlichen Garten gestalten. Eine Karte zeigt, wo Gleichgesinnte oder Organisationen zu finden sind.

Dass der Bedarf für eine solche Plattform da ist, davon ist Dennis Hack überzeugt: „Die Leute begreifen, dass es mit Kriegen und Umweltzerstörung so nicht weitergehen kann und dass es an uns selbst liegt, etwas zu tun“, sagt er: „Wir können nicht nur alle vier Jahre wählen und uns darauf verlassen, dass alles gut wird.“

Offiziell geht das Netzwerk im Herbst an den Start. Aber schon seit dem vergangenen Jahr lädt die Homepage dazu ein, beim Aufbau mitzuarbeiten – mit enormem Erfolg: 5 500 Volunteers haben sich registriert. Die einen wollen im Marketing, die anderen als Übersetzer oder Grafikdesigner und wieder andere als Programmierer mitwirken. „Auf solch einen Ansturm waren wir gar nicht eingestellt. Jetzt richten wir das System gerade darauf aus, dass so viele Menschen gleichzeitig daran arbeiten können.“

Die Themengebiete, die er sehen möchte, sucht sich übrigens jeder Nutzer selbst aus – ganz im Gegensatz zu Facebook, wo ein Algorithmus vorgibt, welche Inhalte der User präsentiert bekommt. Außerdem bietet Human Connection einen Stimmungsfilter: „Wenn ich einen schlechten Tag hatte, dann kann ich etwa negative News ausblenden“, beschreibt Dennis Hack die Funktion, die sich durch Emojis steuern lässt.


Was die Verbreitung von Unwahrheiten angeht, so setzt Hack auf einen internen Mechanismus. „Es gibt einen „Versus“-Button“, erläutert er. „Also wenn ich zum Beispiel sehe, dass jemand postet, Glyphosat sei gut für die Leber, dann drücke ich den Versus-Button und formuliere eine Gegenposition.“ Das System fragt dann 100 beliebige Personen, was sie davon halten. „Zwar kann man damit die Wahrheit nicht ermitteln, aber die Abwägungen von 100 Leuten sehen“, so Hack. Über eine „Let‘s talk“-Funktion lassen sich zudem öffentliche Diskussionen anregen.

Das Human-Connection-Team in Weilheim: Front-End-Programmierer Dennis Fasche, Assistentin, Organisatorin und Marketing-Frau Annalisa Infante, Geschäftsführer Dennis Hack und Programmierer und Entwickler Andrei Buldakov. Foto: Human Connection
Wie die Funktionen bei den Usern ankommen, lässt sich erst sagen, wenn das Netzwerk online geht. Auf den Prüfstand gestellt wurde Human Connection aber schon zwei Mal. Das französische Institut für Sprache und Kultur Inalco in Paris hat Human Connection ebenso unter die Lupe genommen die Hochschule der Medien Stuttgart. „Funktion und Logik sind gut angekommen“, freut sich Dennis Hack. „Allerdings gab es noch Mängel im Bereich Übersicht und Buttons.“ Daran werde nun gearbeitet.
Für Dennis Hack war Human Connection eine immense Investition. „Seit zwei Monaten trägt sich das Netzwerk über Spenden selbst“, sagt er. „Bis Jahresanfang habe ich aber alles vorfinanziert.“ Mit dem Geld, so räumt Dennis Hack ein, hätte er auch eine Schule in Afrika bauen können – „aber ich setze darauf, dass das Netzwerk noch viel mehr Potenzial hat, etwas zu bewegen.“

 

Crowdfunding und die Uhr des Wandels

Crowdfunding Human Connection startet im Mai eine Crowdfunding Kampagne auf dem Netzwerk betterplace.org. Die Kampagne soll die technische Weiterentwicklung finanziell absichern und ermöglichen, das Netzwerk so schnell wie möglich fertig zu stellen. Die Mittel benötigt das Team zudem zur Steigerung der Bekanntheit des Netzwerks. Wer Programmierkenntnisse hat und sich einbringen möchte, kann sich unter info@human-connection.org beim Team melden.

Uhr des Wandels Ein weiteres Projekt, das Dennis Hack vorantreibt, ist die „Uhr des Wandels“. Aktuell gibt es sie online, etwa auf der Homepage de.humanconnection.org, und als Prototyp zum Aufstellen. Sie proklamiert die Aussage: „Ich glaube daran, dass Veränderung in jedem Einzelnen beginnt und dass, wenn genügend Menschen sich ändern, sich die Welt verändern wird. Ich möchte mit meinen Mitmenschen eine Brücke zu einer nachhaltigen Zukunft für die Kinder der Welt bauen.“ Wer davon überzeugt ist, kann online unterzeichnen. Die Ziffern auf den Uhren zeigen die Zahl der Unterzeichner an. „Die Uhr kann überall stehen“, sagt Dennis Hack: „Beim Bäcker, im Museum, in der Bücherei und in Bars.“ Sein Prototyp hat ein achtstelliges digitales Ziffernblatt, in Serie gehen sollen Modelle mit zehn Stellen. Auch Bausätze können erworben werden. bil