Weilheim und Umgebung

Facebook hat viele Gesichter

So mancher Politiker hat Facebook längst als Medium für seine Zwecke entdeckt. Klickt man auf die Profile der jüngsten Bürgermeister in der Region rund um die Teck, könnte der Anblick kaum unterschiedlicher sein: Susanne Jakob und Marcel Musolf über ihre Angewohnheiten – und Schwächen.

Facebook hat viele Gesichter
Facebook hat viele Gesichter

Bissingen/Holzmaden. Politikverdrossenheit bei Jugendlichen? Keine Spur. Holzmadens Bürgermeisterin Susanne Jakob glaubt fest an interessierte Neuwähler: „Wir hatten bei der letzten Wahl bei den 16- bis 18-Jährigen eine Wahlbeteiligung von 95 Prozent“, sagt sie. „Das darf man nicht unterschätzen.“ Und so entschloss sie sich, ihren eigentlich ganz privaten Facebook-Account aus Studienzeiten auch mal geschäftlich zu nutzen. „Wenn schon nicht jeder das Blättle liest, muss das Rathaus eben zu den Bürgern kommen“, sagt sie.

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Jakob ist seit April 2014 Bürgermeisterin in Holzmaden – eine der jüngsten in der Region. Mit dem Geburtsjahr 1985 zählt sie locker zur Generation „Digital natives“ – aufgewachsen zwischen ersten Computerspielen und E-Mails, groß geworden in sozialen Netzwerken. Und wenn ihr die Affinität zum Netz schon quasi in die Wiege gelegt wird, nutzt sie dieses Mittel auch: Ihr neuster Eintrag ist vom 31. Oktober: Bilder von der Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr in Holzmaden. Der vorletzte ist nur wenige Tage älter.

Fotos findet man auf ihrem Profil viele: Da ist sie zum Beispiel bei einem Termin im Kindergarten zu sehen, beim Bätscherfest oder ganz privat beim Picknick mit Freund. „Auf Facebook bin ich eben so, wie ich bin“, sagt die Bürgermeisterin. „Da ist es okay, mal ein privates Foto zu zeigen.“ Bürger können Fragen und Wünsche als Nachricht schicken, als „Freund“ nimmt sie jedoch nur an, wen sie kennt. Wer als Gast ihre prall gefüllte Seite sieht und meint, er könne alle Beiträge sehen, irrt: Die junge Bürgermeisterin weiß genau, wem sie was offenbaren will. Der Klick zu den Privatsphäre-Einstellungen ist ihr nicht fremd.

Was ihre Privatsphäre angeht, ist sie vorsichtig geworden: „Bürgermeister sind immer öffentliche Personen“, sagt Jakob. „Was wir tun, sieht die Öffentlichkeit – auch wenn wir in Kirchheim mal ein Glas Wein zu viel trinken.“ Für ihre Freunde gilt deshalb: Partyfotos dürfen nicht online sein, Verlinkungen blockiert sie. Und wenn ihr Kommentare zu eigenen Beiträgen mal „gegen den Strich gehen“, zögert sie nicht, sie zu löschen. „Der Herr der Seite ist auch Herr der Inhalte. Das ist doch klar“, verdeutlicht sie.

Ihrem 29-jährigen Bissinger Kollegen Marcel Musolf ist die Online-Pflegerei hingegen viel zu lästig: Ein privates Facebook-Profil hat er zwar erstellt, doch das ist gähnend leer. Seine wenigen Beiträge können nur Freunde sehen. „Bei dem Aufwand für eine öffentliche Seite müsste man ja viel Zeit haben“, sagt er scherzend. Besucher erfahren lediglich, auf welche Schule er ging. Auf seinem schwarz-weißen Profilfoto schaut der Bürgermeister nachdenklich in den Raum.

Nachdenklich stimmt ihn auch der Hype um das Netzwerk. Er hat ein Problem mit Facebook, das viele Bürger teilen: „Die Datenschutz-Einstellungen ändern sich ständig. Da kommt man überhaupt nicht mehr hinterher.“ Und ergänzt unzufrieden: „Der Otto Normalverbraucher wie ich klickt einfach irgendwas an.“

Dabei hegt der Bissinger Bürgermeister eine gewisse „Grundskepsis“ gegenüber Datentransfers. Auch deswegen stellt er nicht viel ins Netz, sondern nur das Allerwichtigste: „Mein Wahlergebnis habe ich damals natürlich gepostet“, erinnert er sich. 2011 wurde der damals 25-Jährige mit stolzen 96 Prozent als jüngster Bürgermeister Baden-Württembergs in sein Amt gewählt.

Musolfs Lieblingsmedium ist und bleibt die E-Mail. Für Liebhaber der alten Schule und ganz formelle Angelegenheiten empfängt er auch noch Briefe. „Ich beantworte alles, wenn ich angeschrieben werde“, sagt der Bürgermeister. Oft sitzt er bis in die Abendstunden daran. Und selbst wer das Nachricht-Icon auf der scheinbar toten Facebook-Seite Marcel Musolfs ausprobiert, kriegt irgendwann eine Antwort.

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