Weilheim und Umgebung

Firmengründer Karl Fischer überholte Pferd und Pflug

Geschichte Das Unternehmen Fischer feiert 90-jähriges Bestehen und setzt auf regionale Verbundenheit. Zum Jubiläum wurde eine Stiftung gegründet. Von Thomas Krytzner

Die Verbundenheit mit der Zähringerstadt war Familie Fischer schon immer wichtig. Auch 1927, als Karl Fischer mit seinem Fuhrunternehmen startete. Damals verblüffte der Gründer die Landwirte mit seinen motorisierten Maschinen. Während die Bauern noch mit Pferd und Pflug auf dem Feld unterwegs waren, bot Karl Fischer seine Dienste auch in der Ackerbearbeitung an. Der Erfolg gab seiner Pionierarbeit Recht. Das Unternehmen wuchs und das Angebot vergrößerte sich. 1959 übernahmen die Söhne Karl und Georg Fischer mit knapp 20 Jahren das Unternehmen und investierten gleich mal 68 000 Mark in einen Raupenbagger. Der damalige Mut war ein Grundstein für das heutige Bauunternehmen, das auf 90 Jahre Firmengeschichte zurückblickt, aber auch die Zukunft im Visier hat.

In den Mittelpunkt rückte die Bildung bei der Podiumsdiskussion an der Jubiläumsfeier. Moderator und Trendbeobachter Mathias Haas fragte provokant: „Brauchen Lkw-Fahrer bald einen Uni-Abschluss oder den Senatoren-Status?“ Er bezog sich mit seiner Fragen darauf, dass die Anforderungen in der Fahrerkabine immer mehr digitaler Natur werden. Michael Heidemann, Chef der Zeppelin-Caterpillar, setzt auf gute Mitarbeiter in der Bauindustrie und ermutigt: „Die Angst vor der Digitalisierung muss überwunden werden.“ Er berichtet, dass Zeppelin eigens ein Unternehmen für sogenannte Nerds gegründet hat, um eigene digitale Bereiche zu kreieren. Dr. Jürgen Laukemper von Drees und Sommer pocht darauf, dass Arbeitsplätze künftig attraktiver gestaltet werden. „Wir haben unterschiedliche Berufe und das Spektrum ist gewachsen.“

Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender des Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg, sieht die zunehmende Digitalisierung für alle Branchen als Chance: „Handwerk, Bau und Pflege müssen für die Schulabgänger attraktiver werden.“ Schwarz weist auf die vielen leeren Ausbildungsplätze hin. „Die Qualität der Schulen und der Ausbildung ist nicht nur ein Thema der Politik.“

Auch Stefan Buchner, Bereichsvorstand bei Daimler Trucks, befasst sich mit fehlenden Fachkräften. „Die Logistikbranche hat derzeit weltweit Engpässe. Der Fahrermangel ist so extrem, dass Unternehmen Bestellungen von Fahrzeugen stornieren müssen, weil ihnen die Fahrer fehlen.“ Buchner markiert die vollgestopften Autobahnen als Abschreckung, dass junge Leute noch auf der Straße unterwegs sein wollen und hat auch gleich Vorschläge parat: „Die Parkbuchten sind meist überfüllt. Hier könnte man die Datenflut nutzen und das Anfahren der Park- und Ruheplätze für Lkw-Fahrer sinnvoll steuern.“

In einem Punkt waren sich die Teilnehmer der Diskussion einig: Datensicherheit wird in Zukunft die Unternehmen immer stärker beschäftigen. Aber auch der Transport der Daten spielt eine starke Rolle. Hier sieht Andreas Schwarz die Landespolitik in der Pflicht: „Der Breitbandausbau geht zwar voran, aber jeder Haushalt soll schnelles Internet bekommen.“ Er warnt allerdings: „Die Daten sind das neue Öl, wer die Daten besitzt, hat Macht und damit einen Vorteil.“

Der Blick ist auf die Zukunft im Ländle gerichtet. Die kurzweilige Podiumsdiskussion brachte einige neue Aspekte.Fotos: Thomas K
Der Blick ist auf die Zukunft im Ländle gerichtet. Die kurzweilige Podiumsdiskussion brachte einige neue Aspekte. Foto: Thomas Krytzner

Obwohl im Internet eine unermessliche Datenflut kursiert, sind sich die Gesprächsteilnehmer sicher: „Die Daten gehören dem Kunden, denn er stellt sie zur Verfügung.“ Michael Heidemann konkretisiert: „99,9 Prozent aller Kunden vertrauen uns ihre Daten an.“ Stefan Buchner weiß: „In Estland ist die Datensicherheit kein Thema; die ganzen Daten jeden Einwohners sind auf der Identitätskarte gespeichert.“

Dr. Ernst Susanek, Beiratsvorsitzender von Fischer Weilheim, würdigte die beiden Pioniere Karl und Georg Fischer und hob vor allem die Zurückhaltung der persönlichen Interessen hervor: „Das Wohl des Unternehmens stand immer vorne und der Umgang war durch Fairness, Maßhaltigkeit und Vertrauen geprägt.“ Die beiden Gründer erhielten die Ehrennadel der Firma. Susanne Fischer-Ocker, Sprecherin der Gesellschafter, verkündete die Gründung der Karl und Elisabeth-Fischer-Weilheim-Stiftung und verriet einen weiteren Plan: „Elisabeth Fischer träumte immer von einem Altersheim in Häringen. Diesen Traum wollen wir realisieren und ein Elisabethenheim bauen. Allerdings fehlt uns noch der passende Bauplatz.“ Für das neue Verwaltungsgebäude des Weilheimer Bauunternehmens gibt es bereits einen Platz, 2018 soll es realisiert werden.

1959 zahlte das Unternehmen Fischer für den ersten Raupenbagger noch knapp 70¿000 D-Mark, heute muss über 100¿000 Euro in ein ne
1959 zahlte das Unternehmen Fischer für den ersten Raupenbagger noch knapp 70¿000 D-Mark, heute muss über 100000 Euro in ein neues Fahrzeug investiert werden. Foto: Thomas Krytzner
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