Weilheim und Umgebung

Forelle, Steinkrebs und Co bekommen freie Bahn

Umweltschutz Bissingen bekommt Fördergelder für zwei Projekte an der Gießnau. Der große Plan muss warten.

Unter dem Parkplatz fließt die Gießnau in Rohren und unsichtbar: Das will die Gemeinde gerne ändern,hat aber für die Kosten von
Unter dem Parkplatz fließt die Gießnau in Rohren und unsichtbar: Das will die Gemeinde gerne ändern,hat aber für die Kosten von mehr als 330000 Euro keine Förderzusage bekommen. Foto: Jean-Luc Jaceus

Bissingen. Für den Bau der Bahnstrecke von Stuttgart nach Ulm mitsamt seinen Auswirkungen auf die Natur gibt es „Ersatzgelder“ der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg für artenschutzrelevante Renatuierungsprojekte. Ein Anruf vom Stuttgarter Regierungspräsidium Ende vergangenen Jahres machte Bürgermeister Marcel Musolf darauf aufmerksam. „Das Stiftungskonstrukt hat Charme“, findet er. Denn das bedeutet, dass die Fördermöglichkeit vier Jahre besteht und man als Gemeinde Zeit hat - ein Vorteil, besonders in Zeiten von Corona und knappen Kassen.

Der Schultes hat drei Projekte auf die Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung gebracht: die Öffnung eines Teilstücks der Gießnau, in Bissingen auch Linsenbach genannt, genau unterhalb des Parkplatzes vor dem „Seestüble“ und die Beseitigung sogenannter „Wanderungshindernisse“ an zwei weiteren Stellen.

Die Planer vom Stuttgarter Büro Geitz & Partner sehen für das auf 30 Meter freigelegte Stück am Seestüble Steine und Grasböschungen vor, was vergleichbar mit dem Uferbereich der Lindach an der Freihof-Schule in Kirchheim wäre.

Allerdings ist die Förderzusage dafür ausgeblieben. Die Gemeinde will sich nun um alternative Fördermöglichkeiten kümmern. Positiv wurden von der Stiftung dagegen die Beseitigung der „Wanderungshindernisse“ für Forelle, Steinkrebs und Co bewertet. Die Projekte stammen aus dem Jahr 2011, und wie bei der Freilegung scheiterte es auch hier bislang an den Finanzen. Dabei wird kurz vor dem See ein sogenannter „Absturz“ beseitigt. Es soll ein Aufstiegsgerinne für die Tiere erstellt werden, aber gleichzeitig der Zufluss in die Gumpe des Sees erhalten werden, die durch den Sturzbach in den Boden erodiert wurde. Denn dies sei ein wichtiger Lebensraum für Fische, gerade in Zeiten des Klimawandels, erklärte Diplom-Ingenieur Peter Geitz dem Gemeinderat, der sich corona-bedingt dieses Mal bei geöffneten Fenstern und mit reichlich Abstand zwischen den Einzeltischen im Rathaus zusammengefunden hatte. Auch der Durchlass der Gießnau unter der Wegequerung am Feldweg soll umgebaut werden und einen größeren Durchlass bekommen, vergleichbar mit einem Konstrukt am Seebach in Weilheim.

Für die letzten beiden Projekte gibt es bereits eine Förderzusage in Höhe von rund 120 000 Euro, zu denen die Gemeinde etwa 50 000 Euro Eigenanteil beisteuern muss. „Ich finde gut, dass wir in die Renaturierung einsteigen“, sagte Gemeinderätin Andrea Bizer. Sie betonte aber auch, dass man je nach Haushaltslage - schließlich ist Corona-Zeit - flexibel reagieren will und es angesichts des großzügig bemessenen Förderzeitraums auch kann. Der Vorschlag der Gemeindeverwaltung, die Maßnahmen 2 und 3 bis zur Genehmigungsreife weiterzuverfolgen, sofern die Bewilligung wirklich kommt, wurde einstimmig angenommen. Thomas Zapp

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