Weilheim und Umgebung

Fraktionen tragen Rekord-Investitionen mit

Finanzen Weilheimer Wählervereinigungen mahnen für die Zukunft zu Zurückhaltung und äußern neue Wünsche.

Weilheim. 2019 wird für Weilheim ein Rekordjahr: Zwölf Millionen Euro - so viel wie noch nie - investiert die Stadt in Bau- und andere Projekte. So ist es jedenfalls im Etatentwurf der Stadtverwaltung vorgesehen. Auch die drei Wählervereinigungen im Gemeinderat tragen diese Pläne mit. Das haben sie nun in ihren Haushaltsreden signalisiert. Wünsche und Anregungen gibt es seitens der Fraktionen trotzdem. Einige haben Einsparungen zum Ziel, andere kosten Geld.

„Es scheint möglich, all die großen Investitionen ohne größere Schuldenaufnahme stemmen zu können“, sagte Joachim Naasz (FWV). Doch - und da war er sich mit Rainer Bauer, dem Sprecher der UWV, einig - für die kommenden Jahre gelte es, vorsichtig zu planen und die Kosten im Blick zu behalten. Beide fürchten, dass sich weltpolitische Ereignisse negativ auf die wirtschaftliche Situation der Kommunen auswirken. „Die FWV wünscht sich eine Klausurtagung, in der wir uns über Einsparpotenziale Gedanken machen“, so Naasz. Rainer Bauer kündigte sogar an, dass seine Fraktion in diesem Jahr komplett auf Anträge verzichte, die Kosten verursachen.

Ein Ziel der FWV ist es, die Jugendförderung der Stadt für Vereine anzupassen. „Wir können dankbar sei, dass es in Weilheim ein funktionierendes Vereinswesen gibt“, betonte Joachim Naasz. Aber: „Viele Vereine sind völlig überaltert und drohen auszusterben.“ In die gleiche Kerbe schlug Dr. Ulrich Mors (SBV): „Der städtische Zuschuss wurde seit 15 Jahren nicht angehoben“, gab er zu bedenken. Dabei leisteten viele Vereine hervorragende Jugendarbeit. „Wir beantragen daher, den Zuschuss von 10 auf 15 Euro pro Kopf und Jahr zu erhöhen.“

Die SBV möchte noch mehr in Sachen Jugend tun: So setzt sie sich dafür ein, in Hepsisau einen Pump-Track - eine Bike-Strecke - zu bauen. Auch in eines der großen städtischen Projekte sollen junge Leute einbezogen werden: „Die Rückseite des Kindergartens Schellingstraße würde sich prima für einen Graffiti-Wettbewerb eignen“, so Dr. Ulrich Mors.

Damit Autos in der Brunnenstraße leichter aneinander vorbeikommen, möchte die FWV die Parkplätze auf der Westseite neu gliedern. Eine Wartebucht solle es ermöglichen auszuweichen, erläuterte Joachim Naasz.

Für die UWV setzte Rainer Bauer einen Schwerpunkt beim Thema Nachhaltigkeit. Mit der Absicht der Stadt, Fairtrade-Town zu werden, tut sich seine Fraktion schwer. „Weilheimer Kirchen und Händler verkaufen schon seit Jahren GEPA-Produkte aus fairem Handel“, gab er zu bedenken und bat die Verwaltung, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, um Doppelgleisigkeit zu vermeiden. Zudem plädiert die UWV dafür, im Bürgerbüro Sammelboxen für gebrauchte Handys, Druckerpatronen, Brillen und anderes aufzustellen. Von der Verwaltung forderte Bauer zudem eine Übersicht, ob die Schulkapazitäten angesichts der steigenden Kinderzahlen ausreichen - „oder ob wir gegebenenfalls baulich nachbessern müssen“.

„Leider nehmen die Verhaltensauffälligkeiten einzelner Schüler zu“, beklagte Dr. Ulrich Mors. Um frühzeitig gegenzusteuern, möchte die SBV die Stelle der Schulsozialarbeit an der Limburg-Grundschule von 50 auf 75 Prozent aufstocken. Vorstellen kann sich Mors auch ein digitales Mitteilungsblatt, über das die Stadt Online-Bürgerbefragungen vornimmt. Und noch etwas fordert die SBV: Dass sich die Stadtverwaltung aktiv dafür einsetzt, dass Weilheim wieder ans Schienennetz angebunden wird - ob als Endhaltestelle der S 1 oder durch Wiederbelebung der Strecke bis Göppingen. Bianca Lütz-Holoch

Anträge der Weilheimer Wählervereinigungen

FWV: 1. Klausursitzung zum Thema Einsparpotenziale 2. Jugendförderung für Vereine anpassen 3. Parkplätze in der Brunnenstraße neu gliedern und Wartebucht schaffen 4. Parkverbot in Gewerbegebieten für auswärtigen Schwerlastverkehr 5. Schaffung neuer Wohn- und Gewerbebauplätze vorantreiben

UWV: 1. Übersicht, wie sich steigende Kinderzahlen auf Schulen auswirken 2. Kontaktaufnahme zu Anbietern von Produkten aus fairem Handel 3. Sammelboxen im Bürgerbüro für gebrauchte Handys, Brillen, Druckerpatronen und Briefmarken 4. Klausurtagung mit den Themen: neues Wohngebiet, Hallenbad, Limburghalle und Feuerwehrgebäude

SBV: 1. Gestaltung der Rückseite der neuen Kita durch Jugendliche prüfen 2. Geld für Errichtung eines Pump Track in Hepsisau bereitstellen 3. Zuschüsse für Jugendarbeit der Vereine erhöhen 4. Aufstockung der Schulsozialarbeit an der Limburg-Grundschule auf 75 Prozent überprüfen 5. Jährlicher Tätigkeitsbericht der Feuerwehr im Gemeinderat 6. Möglichkeit für Bürgerbefragungen in „Online-Mitteilungsblatt“ prüfen 7. Mögliche Begegnungsstätte im Quartier Brückengasse prüfen 8. Planungen zu Schienenverbindung Kirchheim - Weilheim - Göppingen aktiv unterstützen.bil

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