Weilheim und Umgebung

Gäste werden zur Tanke gebeten

Tourismus In wenigen Wochen ist der neue Wohnmobil-Stellplatz in Weilheim fertig. Sechs Euro sollen Gäste für die Übernachtung dort zahlen. Einen Ticket-Automaten wird es aber nicht geben. Von Bianca Lütz-Holoch

Der Bau des Wohnmobil-Stellplatzes in der Weilheimer Kalixtenbergstraße geht schon in die Endphase. Foto: Jean-Luc Jacques
Der Bau des Wohnmobil-Stellplatzes in der Weilheimer Kalixtenbergstraße geht schon in die Endphase. Foto: Jean-Luc Jacques

Einen genauen Termin für die Eröffnung des Wohnmobil-Stellplatzes unterhalb der Weilheimer Limburghalle gibt es noch nicht. Fest steht aber, dass der für maximal acht Wohnmobile ausgelegte Platz bis Mitte April fertig sein wird. „Der Tiefbau ist Ende März abgeschlossen“, sagt Weilheims Stadtbaumeister Jens Hofmann. Auch die Stationen für Frischwasser, Strom und Chemietoiletten stehen bereit. „Wir müssen sie nur noch anschließen.“

Geklärt ist nun auch, dass die Nutzung des Platzes etwas kosten soll: Sechs Euro müssen Wohnmobilisten pro Übernachtung zahlen. Was es allerdings nicht geben wird, ist ein Ticket-Automat. Einen solchen hatte die Stadtverwaltung eigentlich aufstellen wollen. Doch der Gemeinderat hat es abgelehnt, für einen weiteren Automaten Geld auszugeben. Auch Strom und Frischwasser erhalten die Gäste an Säulen. Rund 8 000 Euro würde ein Parkschein-Automat kosten. Bei 200 Übernachtungen im Jahr, mit denen die Stadt rechnet, kämen jährlich Gebühren von etwa 1 200 Euro zusammen. Das Fazit zahlreicher Gemeinderäte: „Da stimmt das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht.“

Eine Mehrheit fand stattdessen der Vorschlag von UWV-Stadtrat Rainer Bauer, Tickets an den beiden Weilheimer Tankstellen zu verkaufen. Spielen die Betreiber mit, soll zunächst zwei Jahre lang getestet werden, ob das Modell funktioniert. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, Übernachtungen auf dem neuen Wohnmobil-Stellplatz kostenlos anzubieten und stattdessen höhere Gebühren für Strom und Wasser zu verlangen. „Das geht aber nicht“, stellt Jens Hofmann klar. Mit dem Verkauf von Strom dürfe die Stadt kein Geld verdienen.

Für eine kostenpflichtige Nutzung spricht auch, dass der Platz einiges an Aufwand verursacht. Insgesamt kalkuliert die Verwaltung mit Investitionen von rund 100 000 Euro inklusive der Ver- und Entsorgungsstationen sowie der Begrünung. „Außerdem müssen wir uns um Unterhaltung, Müll und Grünpflege kümmern“, gibt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle zu bedenken. „Fast alle umliegenden Plätze erheben ebenfalls Gebühren“, fügt er hinzu. Ein Antrag der SBV, ein Kässchen aufzustellen, in das die Übernachtungsgäste die Gebühr auf Vertrauensbasis stecken, ist bei einer Abstimmung durchgefallen.

In der Benutzungsordnung für den Womo-Stellplatz in der Kalixtenbergstraße sind weitere Details geregelt. Maximal drei Nächte dürfen Gäste bleiben, andernfalls müssen sie sich eine Sondergenehmigung holen. Erlaubt sind nur Wohnmobile, die über eine Toilette verfügen. Geleert werden dürfen Klos ausschließlich an dem dafür vorgesehenen Ausguss. Abwasser muss in einem Spezialschacht abgelassen werden. Auch eine Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr ist darin verankert.

Aktuell berät die Verwaltung noch darüber, auf welchen Plattformen und mit welchen Schildern für den Womo-Stellplatz geworben werden soll.

Auf dem Irrweg

Es ist eine Chance für den Tourismus in Weilheim: Denn ein Wohnmobil-Stellplatz in einem Fachwerkstädtchen, das direkt an der Autobahn und trotzdem im Grünen liegt, dürfte so manchen Reisenden zu einen Zwischenstopp verführen. Welch großes touristisches Potenzial generell in Wohnmobil-Stellplätzen steckt, zeigt ein Blick in die Umgebung: Neuffen hat seinen Platz zum zweiten Mal erweitert, Beuren baut eine Luxus-Variante und erhält dafür Geld vom Land. Kirchheim plant einen neuen Platz, und in Nürtingen wurden vergangenes Jahr 1 745 Übernachtungen gezählt.

Dass Weilheim sich die Nächte auf dem gut ausgestatteten Platz bezahlen lässt, ist völlig in Ordnung. Neuankömmlinge zum Ticketkaufen an die Tankstelle zu schicken, hat dagegen mit Service und Gastfreundschaft wenig zu tun. Wer weit gereist ist, möchte kaum noch mal einsteigen und sein Gefährt in Richtung der nächsten Zapfsäulen rangieren. Und was, wenn ein anderer Gast unterdessen den letzten Stellplatz wegschnappt? Da ist es wohl niemandem zu verdenken, wenn er sich lieber ein paar Meter weiter auf den kostenlosen Parkplatz der Limburghalle stellt und lediglich den Inhalt seines Chemie-Klos in den Ausguss am Stellplatz kippt.

Klar: Zu den 500 Meter entfernten Tankstellen kann man auch laufen. Ob es allerdings der richtige Weg ist, die Gäste erst einmal eine Parkgenehmigung in einer wenig attraktiven Ecke Weilheims holen zu lassen, statt sie direkt in die historische Innenstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, Läden und Restaurants zu lotsen, ist fragwürdig. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass Weilheim eine fünfstellige Summe in ein Konzept steckt, in dem es auch um Tourismusförderung und Innenstadtbelebung geht.

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