Weilheim und Umgebung

Gehorsam und gefestigt

Hüterichter und Schäfer Klaus Wuttge vom Landesschafzuchtverband Weser-Ems erklärt, worauf es beim Leistungshüten ankommt.

Herr Wuttge, was wird beim Leistungshüten bewertet?

KLAUS WUTTGE: Beim Leistungshüten wird beispielsweise beurteilt, ob der Stellhund während dem Hüten und an Gefahrenquellen Temperament und Hütetrieb zeigt. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Gehorsam. Ohne ihn ist ein ruhiges und sachgemäßes Hüten nicht möglich. Eine Rolle spielt auch die Selbstständigkeit des Hundes. Sie ist dann gegeben, wenn die Hütehunde natürliche Grenzen wie Wege und Furchen oder auch Gefahrenstellen selbstständig einhalten oder ohne Kommando ein Fehlverhalten der Schafe korrigieren. Bewertet wird auch das Wesen der Hunde. Das Augenmerk liegt dabei auf Eigenschaften, die die Eignung als Herdengebrauchshund einschränken. Dazu zählt beispielsweise ein ängstliches Verhalten oder eine geringe Konzentration.

Steht und fällt das Schafehüten nicht auch mit dem Schäfer?

WUTTGE: Natürlich wird auch die Leistung des Schäfers beurteilt. Das Stellen der Hunde ist eine zentrale Hüteaufgabe, die während der gesamten Prüfung bewertet wird. Außerdem muss der Schäfer zeigen, dass die Hunde problemlos auf Hör- und Sichtzeichen reagieren.

Immer mehr Schafherden weiden auf umzäunten Flächen. Macht sich das bemerkbar?

WUTTGE: Auch Schafhalter müssen wirtschaftlich arbeiten. Um überleben zu können, haben viele Halter im Verlauf der letzten 20 Jahre versucht, mehr Flächen zu pachten, ihre Herden zu vergrößern und so mehr Beihilfen zu bekommen. Damit steigen natürlich auch Arbeitsaufwand und Kosten. Eine Arbeitskraft einzustellen lohnt sich nicht, also werden die Schafe eingepfercht und nicht mehr umgetrieben. Das macht sich natürlich auch beim Leistungshüten bemerkbar. Es gibt immer mehr Hunde und Schafherden, die das Hüten nicht gewohnt sind.

Wie läuft die Ausbildung zum Herdengebrauchshund ab?

WUTTGE: Die Ausbildung kann drei bis fünf Jahre dauern. In den ersten zwölf Lebensmonaten kommt der Hund mit den Schafen so gut wie nicht in Kontakt. Erst muss sein Wesen so gefestigt sein, dass er es aushält, mit Druck korrigiert zu werden, wenn er beim Hüten etwas falsch macht. Das ist etwa nach einem Lebensjahr der Fall. Dann wird dem Hund beigebracht, dass er die Furche halten muss, dass er ein Fehlverhalten bei den Schafen zwar mit einem Griff in Nacken, Keule und Rippe korrigieren, aber die Tiere dabei nicht verletzen darf. Im Grunde bringt man dem Hund gar nicht so viel bei, denn sein Jagdtrieb ist beim Hüten absolut erwünscht, er wird durch den Schäfer lediglich ausgebremst.

Warum ist es notwendig, dass sich ein Hund bei den Schafen Respekt verschaffen kann?

WUTTGE: Schafe sind nicht dumm und auch nicht wehrlos. Ich selbst hatte schon einen Hund, der sich überall Respekt verschaffte, nur nicht bei den Schafen. Die Herde hat das ziemlich schnell registriert und sich gegen den Hund gewendet. Doch der hat sich nicht einmal zur Wehr gesetzt, als ihn die Tiere drangsalierten. So ein Hund kann zum Hüten nicht eingesetzt werden. Er wird dann zum Beispiel als Hofhund an einen Landwirt vermittelt. Im Tierheim geben Schäfer ihre zum Hüten ungeeigneten Hunde nicht ab.

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