Weilheim und Umgebung

„G‘schichtla“ mit Musik

Rock und Schwäbische Balladen kommen beim Publikum an

Grandiose Musik von „Vocal Affair“, Hans Rieks amüsante Schwoba-G‘schichtla, wohlige Atmosphäre im Café am Markt und lecker Essen. Die vom 3KW-Verein Weilheim organisierte Veranstaltung kam prima an.

Weilheim. Mit seinem Mut für ungewöhnliche Veranstaltungen traf das Team des „3KW-Vereins“ (Kino, Kunst, Kultur) auch mit „Rock und schwäbische Balladen“ im Café am Markt in Weilheim voll ins Schwarze. Während ein Großteil der Bevölkerung den Wahlausgang am Bildschirm verfolgte, gebührt allen vier „Parteien“ – Musik, Mundart, Atmosphäre und Essen je 25 Prozent – eine zu hundert Prozent stimmige Koalition.

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Knapp 80 Zuschauer verteilten sich im Café am Markt auf verschiedenen Stockwerken und erlebten bei bester Akustik das großartig zusammen harmonierende Duo „Vocal Affair“. Sandra Schöne und Patrick Schwefel bewiesen nicht nur ein gutes Händchen bei der Liedauswahl, sie zelebrierten die bekannten Stücke, darunter auch Klassiker wie „Mrs. Robinson“, auf ihre eigene, ganz besondere Art und Weise. Ob Herzenswärmer wie „When you say nothing at all“, „The Rose“, „Für immer ab jetzt“ oder fetzige Songs wie „This is the life“ und „Brighter than the sun“ – neben Virtuosität und variabler musikalischer Gestaltung beeindruckten die Musiker durch ihre Stilsicherheit und Klangfarbe. Wie perfekt sich die glockenklare Stimme der Weilheimerin und das seidenweiche Timbre ihres aus Durlangen bei Schwäbisch Gmünd kommenden Gesangspartners ergänzen, demonstrierten sie vornehmlich in den zweistimmig gesungenen Refrains mit Gänsehauteffekt. Das I-Tüpfelchen war Patrick Schwefels Spiel auf seiner Akustik-Gitarre nebst seiner Ballade „Hero“, die einer Zuhörerin ein spontanes „Wow“ entlockte.

Welch ein Kontrast waren da Hans Rieks skurrile schwäbische G‘schichtla. Nach jedem Lied entführte der Weilheimer Mundartpoet das Publikum in eine völlig andere Welt, auf die tiefste, dunkelste Alb. „Em Dòrf wird gschwätzd, dees mid àm Kaschberbaurà sèim Daud kenn koine vierzäà Däg mai daurà“, kommentiert er unter Gelächter in „Gradaus gsaid“ das einst gängige „Todschwätzen“ im Dorf. Der ehemalige Lehrer schreibt seine humorvollen Balladen in einem Dialekt, der für manche Menschen vor etwa einem halben Jahrhundert noch Alltagssprache war. Und das macht der 78-Jährige genial. Frei redend, fehlerfrei und mit Schmackes, haut er ein Ereignis nach dem anderen heraus. Themen-Überschriften wie „Au koi Heiliger“, „Driggreich“, „Nuie Bäàsà kehred au bloß manchmaòòl guàd“ oder „Dreißig Jòhr gheirad“ verraten nicht nur gewitzte Bauernschläue, sondern auch den Versuch, ein aussterbendes Sprachgut zu bewahren.

Am Schluss gab es für alle Akteure zu Recht lang anhaltenden Beifall und ungeachtet der aufkeimenden Wohlgerüche aus dem Gewölbekeller die Einforderung nach einer Zugabe. Das Konzept wurde 2012 und 2013 bereits vom Stadtmarketing im Rathaus Weilheim umgesetzt. Heuer organisierte der 3KW-Verein nicht nur die Veranstaltung in Michael Lieb­richs Café am Markt, sondern übernahm auch den kulinarischen Beitrag in Form eines schwäbischen Buffets.