Weilheim und Umgebung

Gut gemäht

Landschaftspflege Werner Scheufele aus Weilheim hält 200 Mutterschafe und 200 Lämmer verschiedener, zum Teil seltener Rassen. Weil er seinen Betrieb ausbauen möchte, sucht er weitere Weiden. Von Bianca Lütz-Holoch

 

Die Lämmer werden auf der auf der Weide geboren. Mehrmals täglich schaut Werner Scheufele nach seinen Tieren.Fotos: Carsten Ried
Die Lämmer werden auf der auf der Weide geboren. Mehrmals täglich schaut Werner Scheufele nach seinen Tieren. Fotos: Carsten Riedl

Noch versinken die Lämmchen fast im hohen Gras. Aber nicht mehr lange. Nur wenige Tage, dann hat Werner Scheufeles Herde wieder einmal ganze Arbeit geleistet und das Grundstück an der Limburg sauber gemäht. „Wir pflegen mit unseren Schafen mindes­tens 200 Wiesen in Weilheim“, erzählt Werner Scheufele. Aktuell hält er rund 200 Mutterschafe, 200 Lämmer und sieben Böcke in fünf Herden. „Wir wollen den Betrieb aber weiter ausbauen“, sagt der Bauschlosser, der die Schäferei gemeinsam mit Frau, Mutter und Bruder im Nebenerwerb betreibt. Weitere private Wiesen als Weiden wären dem Hobby-Schäfer deshalb willkommen.

Damit die Landschaftspflege so gründlich wie möglich ausfällt, setzt Werner Scheufele auf eine bunte Mischung aus verschiedenen, zum Teil seltenen und alten Schafrassen. Neben den bekannten Merino-Landschafen sind auch Skudden-, Suffolk- und Texel-Schafe, Berg-, Wald- und Île-de-France-Schafe dabei. „Ich habe sie so zusammengestellt, dass man eigentlich nicht mehr nachmähen muss“, erläutert er. Denn während die einen besonders gern saftiges Gras fressen, ziehen die anderen magere Halme vor und wieder andere Gestrüpp. „Am Ende bleiben höchstens ein paar Brombeerhecken übrig“, so Werner Scheufele.

Ein Ruf, und seine Schäflein scharen sich um ihn. Foto: Carsten Riedl
Ein Ruf, und seine Schäflein scharen sich um ihn. Foto: Carsten Riedl

„Wir halten unsere Schafe das ganze Jahr über auf der Weide“, sagt er. Auch die Lämmer kommen in der Regel draußen auf die Welt. Lediglich wenn es im Dezember noch allzu kalt und unwirtlich ist, holt der Schäfer werdende Mutterschafe in den Stall. „Dort füttern wir sie dann mit eigenem Heu und eigener Silage.“ Wer also Weilheimer Lammfleisch in Bio-Qualität kaufen möchte, ist bei Werner Scheufele richtig. Manchmal kommen aber auch Interessenten ganz anderer Art: Vor kurzem hatte sich ein Ehepaar in ein kleines schwarzes Schafböckchen verliebt und gebeten, es adop­tieren zu dürfen, damit es bei der Herde bleiben kann. „Ich habe ja gesagt und probiere das einfach mal aus“, sagt der Hobby-Schäfer.

Mit der Schafhaltung angefangen haben schon Werner Scheufeles Eltern vor rund 40 Jahren. „Damals waren es aber nur wenige Tiere“, erzählt der Weilheimer. Von 2016 an begann Werner Scheufele, den Bestand aufzustocken. 2017 übernahm er einige Tiere und eine Privatwiese vom ehemaligen Stadtschäfer. Danach kam noch eine Herde Texel-Schafe eines anderen Schäfers dazu, der die Haltung aufgab.

Werner Scheufele ist Hobby-Schäfer. Foto: Carsten Riedl
Werner Scheufele ist Hobby-Schäfer. Foto: Carsten Riedl

Hütehunde hat Werner Scheufele nicht - und das ist auch gar nicht nötig. Denn er betreibt keine Wanderschäferei, sondern steckt lediglich regelmäßig die Pferche um, sodass die Schafe mitsamt dem Zaun immer ein Stückchen weiter rücken. Der Großteil seiner Weiden liegt im unteren Bereich der Limburg. Weiter oben am Weilheimer Hausberg ist Stadtschäfer Jörg Schmid zuständig. „Wir kommen uns da nicht ins Gehege“, versichert Scheufele.

Das Pferche umstecken ist übrigens nur ein Teil all der Arbeiten, die die Schafhaltung mit sich bringt. „Ich schaue drei bis vier Mal am Tag nach den Schafen“, berichtet Werner Scheufele. Probleme, seine Tiere auf den Weiden zu finden, hat er nicht: Ein Ruf, und seine Schäflein scharen sich um ihn.

Die Schafe leben das ganze Jahr auf der Weide. Foto: Carsten Riedl
Die Schafe leben das ganze Jahr auf der Weide. Foto: Carsten Riedl

Den ersten Besuch stattet er ihnen morgens um 6 Uhr ab, bevor er zur Arbeit geht. „Ich kontrolliere dann, ob alles in Ordnung ist“, sagt er. Dazu gehört nachzuschauen, ob noch genügend Wasser in den Fässern ist, ob alle Mutterschafe und Lämmer wohlauf sind oder ob sich womöglich eines im Zaun verfangen hat. Manchmal kommt es sogar vor, dass sich ein Reh in den Pferch verirrt hat. Übers Jahr fällt noch mehr an: Wenn ein Tier krank ist, muss es versorgt werden. Immer wieder nimmt Werner Scheufele auch Kotproben, schickt sie ein und entwurmt seine Schafe. Demnächst werden die Tiere wieder geschoren. Besonders viel zu tun gibt es allerdings im Winter, wenn Mütter und Lämmchen im Stall sind: „Dann müssen wir noch misten und füttern.“ Bei all den Aufgaben packt die ganze Familie an. Auch die sechs und neun Jahre alten Kinder des Hobby-Schäfers helfen mit. Urlaub oder typische Freizeitbeschäftigungen dagegen gibt es bei Werner Scheufele nicht: „Aber ich bin sowieso lieber draußen in der Natur als vorm Fernseher oder im Fitnessstudio“, sagt er.

Wer Kontakt zu Werner Scheufele aufnehmen möchte, weil er eine Wiese zu verpachten hat oder Lammfleisch kaufen möchte, kann eine Nachricht im „Weide-Briefkasten“ am Zaun hinterlassen. Er kontrolliert die Box mehrmals am Tag.

Seine meisten Weiden hat Werner Scheufele unterhalb der Limburg. Foto: Carsten Riedl
Seine meisten Weiden hat Werner Scheufele unterhalb der Limburg. Foto: Carsten Riedl
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