Weilheim und Umgebung

Gutachter: Sanierung der Limburghalle nicht sinnvoll

Vortrag des Bausachverständigen bringt Anhänger des 54 Jahre alten Bauwerks ins Wanken

Drastische Worte hat der Betonsachverständige für den Zustand der Limburghalle gefunden. Eine Sanierung hält er für nicht sinnvoll.

Weilheim. Über Monate hinweg ist es der Weilheimer Stadtverwaltung nicht gelungen, Verfechter der Limburghalle davon zu überzeugen, dass das Bauwerk eigentlich nicht mehr zu sanieren ist. Jetzt schuf der Notzinger Betonsachverständige Manfred Blessing Fakten – und brachte damit sogar erklärte Anhänger einer Limburghallensanierung ins Wanken. So konnte Stadtrat Karl Mohring (FWV), Vertrauensperson der Bürgerinitiative pro Limburghalle, die Frage von Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle: „Sind Sie nach heutigem Stand immer noch der Ansicht, dass man die Limburghalle sinnvoll und wirtschaftlich sanieren kann?“ nur noch mit einem „Nein“ beantworten. „Wir sind ja immer von sieben Millionen Sanierungskosten ausgegangen. Wenn es jetzt mehr sind, dann sind das neue Startlöcher“, sagte Karl Mohring.

Seit das neue Beton- und Schadstoffgutachten vorliegt, geht die Stadtverwaltung von mindestens neun Millionen Euro Sanierungskosten aus. „Es ist fraglich, wie verlässlich die Zahlen sind“, gab Manfred Blessing zu bedenken und fügte hinzu: „Wenn ich Bauherr wäre, würde ich sagen: Weg mit der Halle, ich zahle das nicht.“ Dabei betonte Blessing aber auch, dass er selbst anfangs gegen einen Abriss der „schönen Limburghalle“ gewesen sei. „Ich bin in Ohmden aufgewachsen und kenne die Halle gut.“ Mit jeder Stichprobe und jeder Untersuchung jedoch habe sich seine Überzeugung verstärkt, dass eine Sanierung nicht sinnvoll ist. Vor allem Schäden am Beton und am Fundament seien besorgniserregend. „Unter dem Lehrschwimmbecken sieht es aus wie in einer Tropfsteinhöhle“, sagte er. Der Chloridgehalt im Beton dort sei ernorm hoch. „Es wäre schlecht, wenn das Becken durchbricht – in der Schweiz hat es bei so etwas schon einmal Tote gegeben.“ Mit einem Prüfstatiker zusammen habe er nun beschlossen, das Becken abzustützen. „Das kann man über vier oder fünf Jahre machen, länger aber nicht.“

Auch das Fundament macht Probleme. „Es gibt unten an den Pfeilern sehr viele chloridverseuchte Stellen“, sagte Manfred Blessing. „Da wird es schon langsam gefährlich.“ Auch dort wird nun abgestützt. Nicht zu retten ist zudem die Decke über dem Lehrschwimmbecken, die zugleich der Hallenboden ist.

Als sehr problematisch beurteilt der Sachverständige die Außenwand hinter dem großen Saal. Es gebe Risse, der Beton habe sich verändert, und das Eisen darunter roste. „Nach 50 Jahren dürfte das nicht so sein“, sagte Manfred Blessing. Dass eine Mauer in so schlechtem Zustand ist, komme selten vor und spreche dafür, dass beim Bau einiges falsch gelaufen sei.

Stadtbaumeister Jens Hofmann bezog Stellung zum Vorwurf, die Stadt habe das Beton- und Schadstoffgutachten bewusst erst jetzt in Auftrag gegeben. „Wir haben die Untersuchung jetzt gemacht, weil viele Weilheimer an der Nicht-Sanierungsfähigkeit zweifeln“, erklärte er und fügte hinzu; „Die objektive Beurteilung führt zu dem Ergebnis, dass die Halle nicht dauerhaft sanierbar ist.“ Er bat darum, auf die Fakten zu schauen: „Bitte diskutieren Sie nicht aus emotionalen Gründen.“

Hofmann erinnerte auch daran, dass es mit der reinen Sanierung nicht getan sei: „Wir bekommen immense Auflagen zu Brandschutz und Barrierefreiheit.“ Da seien zusätzlich noch Kosten zu erwarten.

Auch einige Gemeinderäte positionierten sich noch einmal gegen die Sanierung der Halle. Steffen Meckes (SBV) beschrieb, wie er durch Kenntnis der Fakten vom Abrissgegner zum Sanierungsgegner geworden ist.

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