Weilheim und Umgebung

Hansdampf mit Herz geht vom Feld

Ehrenamt Nach 16 Jahren im Weilheimer Gemeinderat ist SBV-Stadtrat Siegfried Lehmann verabschiedet worden. Karola Bernauer rückt nach. Von Bianca Lütz-Holoch

Vier Mal haben ihm die Weilheimer Wähler ihr Vertrauen geschenkt. Jetzt sagt Siegfried Lehmann Adieu - allerdings nur zur Gemein
Vier Mal haben ihm die Weilheimer Wähler ihr Vertrauen geschenkt. Jetzt sagt Siegfried Lehmann Adieu - allerdings nur zur Gemeinderatsarbeit. In vielen anderen Bereichen bleibt er aktiv. Foto: Jean-Luc Jacques

Manchmal wie ein Handballmatch und manchmal wie eine Partie Monopoly: Siegfried Lehmann jedenfalls hat einige Ähnlichkeiten zwischen Sport, Spiel und der Kommunalpolitik festgestellt. Jetzt verlässt der SBV-Stadtrat das „Spielfeld“. Nach 16 Jahren ist er aus dem Weilheimer Gemeinderat verabschiedet worden. Das „Spiel“, stellt Siegfried Lehmann bei seinem Blick zurück auf seine Stadtratstätigkeit fest, sei fair und manchmal auch hart gewesen. Vor allem aber hat er es als ungemein bereichernd empfunden: „Das war eine Bombenzeit, in der ich viel gelernt habe und die richtig Spaß gemacht hat“, sagt der 70-Jährige.

Siegfried Lehmanns Freude an der kommunalpolitischen Arbeit hebt auch Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle hervor: „Sie waren ein begeisterungsfähiger Stadtrat - einer der Feuer und Flamme sein konnte für Projekte, und das auch zum Ausdruck brachte.“ Mit viel Herzblut und sozialem Gewissen habe sich Siegfried Lehmann für den Sport, für Kinder, Senioren sowie sozial Schwächere eingesetzt und sich immer gut informiert gezeigt. Besonders am Herzen gelegen habe ihm zum Beispiel der Bau der Lindach-Sporthalle, die Freibadsanierung, der Bürgerbus, die Kleiderkammer und der Neubau der Kita Schellingstraße. „Mit Siegfried Lehmann verlässt ein Vorbild an ehrenamtlichem Engagement, aber auch an gelebter Offenheit und Herzlichkeit das Ratsrund“, betont Johannes Züfle.

Überzeugt ist der Bürgermeister, dass es in Weilheim bald ein Wiedersehen mit dem „Hansdampf mit dem großen Herzen“ geben wird. Denn auch jenseits der Kommunalpolitik ist das Engagement des Weilheimers groß.

Über 40 Jahre lang war Siegfried Lehmann in der Jugendarbeit des TSV Weilheim aktiv, unter anderem als Jugendleiter in der Handball-Abteilung, Trainer und Schiedsrichter. Noch heute wirkt er bei den Ü 60ern des TSV. Die Soziale Bürgervereinigung Weilheim hat er nicht nur im Gemeinerat vertreten, sondern ist auch ihr Erster Vorsitzender. Nach wie vor engagiert sich Siegfried Lehmann im Seniorenforum und organisiert Radtouren, Ausflüge und Reisen. Beim Sozialen Dienst ist er Bürgerbus-Fahrer und Betreuer. Im Nachtwächtergewand führt er zudem regelmäßig durchs Städtle. Lehmann, der als Maschineneinsteller bei der Kirchheimer Otto Ficker AG - später Blessoff - gearbeitet hat, saß zudem 20 Jahre lang im Betriebsrat des Unternehmens.

„Dein Optimismus und deine Lebensfreude haben uns immer wieder begeistert mitgerissen“, wendet sich SBV-Sprecherin Gerda Schrägle an ihren jahrelangen Weggefährten und Ratskollegen. „Sigge“ Lehmann habe den Mut gehabt, die Dinge auch mal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten und kritisch zu hinterfragen. „Wenn es den Menschen um dich herum gut gegangen ist, dann ist es auch dir gut gegangen“, stellt Gerda Schrägle einen seiner Charakterzüge heraus. „Wer Hilfe von dir brauchte - egal zu welcher Tages- und Nachtzeit - du warst da, und hast geholfen.“

Für Siegfried Lehmann rückt die 53 Jahre alte Erzieherin Karola Bernauer nach. Im Gemeinderat ist die SBV nun mit zwei Frauen und zwei Männern vertreten und erfüllt damit als einzige Fraktion eine Frauenquote von 50 Prozent. Seiner Nachfolgerin, aber auch dem Rest des Gremiums wünscht Sigge Lehmann ein gutes Händchen in den nun kommenden, finanziell harten Zeiten. Sein Rat: „Es müssen nicht immer Bundesliga und Schlossallee sein. Mühlgässle und Bezirksliga reichen auch.“ Das Wichtigste: „Das Herz muss schlagen - und das sind die Bewohner und Freunde der Stadt.“

Anzeige