Weilheim und Umgebung

Heiter strahlende Weihnachtsbotschaft

Konzert Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium begeistert das Publikum in der voll besetzten Weilheimer Peterskirche. Von Martin Brost

In der Region kristallisiert sich ein kirchenmusikalischer Schwerpunkt heraus, der Weilheim heißt und mit der Person der Kantorin an der Peterskirche, Gabriele Bender, verknüpft ist. Eine solch grandiose Aufführung der Teile 1 bis 3 von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium wie die am 1. Advent dürfte in die Annalen eingehen.

Für einen derartigen Erfolg sind wohl mindestens drei Faktoren verantwortlich: Zum einen die Bereitschaft und die Möglichkeit, mehrere hochkarätige Gesangs-Solisten zu engagieren, allen voran Cornelia Lanz, Alt, in der Rolle der Maria und Christian Wilms, Tenor, als Evangelist sowie Anna-Maria Wilke, Sopran und Michael Roman, Bass. Zweitens ein professionelles Orchester, das zumindest „historisch informiert“ zu spielen vermag wie die Sinfonietta Stuttgart mit der Konzertmeisterin Georgia Höpfner und den hervorragenden Bläsersolisten. Und last not least eine Chorleiterin, die mit sehr großem Einsatz bereit und fähig ist, ihren Chor zu Höchstleistungen anzuspornen und schließlich das Ganze in eine überzeugende Form zu gießen. Das alles traf in Weilheim zu!

Und noch viel mehr: Am Tag vor der denkwürdigen Aufführung waren alle Mitwirkenden bereit, auch für das „Weihnachtsoratorium für Kinder“ zur Verfügung zu stehen. Man weiß offensichtlich: die Weitergabe klassischer Musik muss schon bei kleinen Kindern beginnen. Deshalb unterzieht sich Gabriele Bender auch der Mühe, einen Vorschul- und Grundschul-Kinderchor heranzubilden. Die Früchte dieser nicht hoch genug zu schätzenden Arbeit konnten alle in der ebenfalls brechend vollen Peterskirche bewundern. Die kindgemäße, unterhaltsame und zugleich auch für Erwachsene informative Einführung in das Werk, für die sich Pfarrer Matthias Hennig von der Peterskirche mit seinem schauspielerischen Talent zur Verfügung stellte, zeugte von vorbildlicher Zusammenarbeit von Pfarrer und Kantorin.

Gabriele Bender brachte die Einzelteile durch zügige Anschlüsse in eine lebendige dramatische und faszinierende Konzeption. In den Chören gelang ihr das Herausarbeiten der tänzerischen Rhythmik so meisterhaft, dass selbst bei fugierten Abschnitten das tänzerische Element nie verloren ging. Großartig, die offenliegenden Einsätze aller Stimmen, ganz besonders des Tenors. Überhaupt zeigte sich der Chor so souverän, dass gar nicht zu spüren war, wie schwer das alles zu singen ist, und seine Virtuosität erreichte bei den Koloraturen schon eine meisterliche Ebene, ganz besonders beeindruckend im unglaublich schwungvollen Chor der Engel: „Ehre sei Gott.“ Bewundernswert!

Umgeben von diesen temporeichen, trotzdem durchsichtigen und hochdramatisch gestalteten Chören wurden die Choräle zu Kraft-Zentren, die als „Gemeindegesang“ vom Getragenwerden von der Botschaft zeugen. Dazu trug die beachtliche Sprachverständlichkeit des Chores wesentlich bei.

Schließlich noch zur individuellen Ebene der Gesangs-Solisten: Was soll man zu einer Cornelia Lanz sagen, die schon am Vortag bei kleinen Ausschnitten bewies, welch großes Repertoire an musikalischen und szenischen Gestaltungsmitteln ihr zur Verfügung stehen? Man konnte sich ganz in den Fluss ihrer großen Arien hineinfallen lassen – unbeschreiblich schön. Die Bläsersolisten Amanda Chominsky und Gabriele Keller an den Flöten, Hans-Jörg Alber an der Oboe und Katharina Witt an der Oboe d‘amore trugen mit ihrer Präsenz und Klangschönheit wesentlich dazu bei. Schlanke Tongebung und hochdramatisches Gespür zeichnen den Tenor Christian Wilms aus, dem sowohl ergreifende Momente gelangen, wie bei „Maria behielt alle diese Worte“, ebenso wie beeindruckende Virtuosität in der „Hirtenarie“. Makellos der Bass in der Trompeten-Arie, wie im Duett mit der hochbegabten jungen Sopranistin Anna-Maria Wilke. Sehr zuverlässig erwiesen sich die Continuo-Gruppe sowie die Trompeter Christian Nägele, Johann Knoblauch und Joachim Jung sowie Uwe Arlt an den Pauken.

Dieses Konzert mit einer so heiter-strahlenden Weihnachtsbotschaft auf absolut hohem musikalischen Niveau war eine epochale Spitzenleistung der Musik an der Peterskirche – und zugleich eine glaubwürdige Verkündigung, die trösten und Mut machen kann.

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