Weilheim und Umgebung

Henn se ’s Kärtle dabei?

Comedy Die Ortsgruppe Bissingen-Nabern des Schwäbischen Albvereins hatte mit der Verpflichtung „Dodokays“ voll ins Schwarze getroffen – authentisch, amüsant und schwäbisch. Von Sabine Ackermann

Traf den Nerv des Publikums: Dodokay alias Dominik Kuhn. Foto: Sabine Ackermann

So, henn mr euch rei g‘lassa?“, hakt Dominik „Dodokay“ Kuhn zu Beginn seiner Comedy-Liveshow nach und passt sich damit dem Naturell seiner Artgenossen an. Denn besonders die Schwaben hätten die Gabe, alles zu kommentieren, nennt er weitere Beispiele aus dem Männerklo, „Jo, no soichet mr halt“ oder beim zwanglosen Treffen, „So, ka mr scho uff sei“? Mit dem treffenden Titel „Genau mein Ding“ begeisterte das Multitalent in seiner nunmehr dritten Bühnenpräsenz das Publikum, die den unterhaltsamen Abend dem ehrenamtlichen Engagement der Ortsgruppe Bissingen-Nabern zu verdanken hatten.

Dodokay bringt heimische Wesensmerkmale an den Tag, die jeder schon mal erlebt haben dürfte. Da spielt es keine Rolle, ob freundliche Arzthelferin oder beflissene Bäckereifachverkäuferin - viele der Fragen oder Antworten aus den unterschiedlichen Berufen gehören in die Kategorie „schwäbische Dumm-Sprüche“, findet der Experte augenzwinkernd. Natürlich manifestiert er seine Meinung mit typischen Alltagssituationen - wie beispielsweise beim Bäcker. Der Kunde stellt an der Kasse fest, dass er seine Brieftasche vergessen hat. „Ich spring schnell zum Auto und hol das Geld“, sagt er und bekommt gleich beruhigend zu hören: „Mir send ja do“.

Oder der Arztbesuch. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und ohne Fußnagel humpelt der Patient an die Rezeption und möchte, während ihm das Blut über den Fuß läuft, der Arzthelferin sein Leid klagen. Doch er kommt gar nicht dazu. „Henn se ´s Kärtle dabei?“, ist das erste, was diese interessiert. Aua hin oder her, das Ordnungsprinzip wird eingehalten. Herrlich, wie Dodokay alles ungekünstelt präsentiert - eben ganz wie ein Schwabe, authentisch und reduziert.

Dann gibt es noch Frau Hügel, (s)eine Nachbarin, die es mit dem „Zuhören“ nicht so hat, sondern lieber ihre eigenen Geschichten strickt und im besten Fall schnell loswerden will. Da berichtet ihr der Leidgeplagte von seinem Missgeschick, wünscht sich Aufmerksamkeit und Trost und Frau Hügel - die sagt gradheraus was ihr im Leben wichtig ist. „Mir henn grad Wühlmäus‘ em Garta, die machet die ganze Träuble he“, schlüpft das vielseitige Sprachgenie - auch sächsisch kommt kurz zum Zug - in ihre Rolle und sorgt damit für den nächsten Lach-Tsunami im Publikum.

Dominik Kuhns Alleinstellungsmerkmal ist, dass er nie abfällig, anstößig oder gar vulgär auf der Bühne oder in seinen Synchron-Filmen wird und damit zeigt, es funktioniert auch so. Seine Art, die Menschen jeglichen Alters zum Lachen zu bringen, hat fast etwas Nostalgisches, und dennoch ist es erfrischend anders. Besonders sympathisch macht den 49-jährigen Reutlinger, dass er sich nicht etwa lustig über die schwäbischen Eigenarten macht. Vielmehr beobachtet er diesen Menschenschlag bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auf der Straße, beim Einkaufen, Arzt oder in Ämtern und macht sich gleich Notizen.

„Es ist voll mein Ding, sich den Schwaben genau anzugucken“, verrät der humoristische „Anthropologe“ aus Reutlingen, der den Großteil auf der Bühne hin und her läuft und dabei offensichtlich ganz spontan erzählt, was ihm alles so im Alltag widerfahren ist. Bisweilen testet er „noch“ aus, was bei den Zuschauern ankommt und was nicht. Zugegeben, ein Augen- und Ohrenschmaus sind freilich immer die synchronisierten Filmchen, egal ob Schwarz-Weiß, mit Obama, Herr Vader oder kultigen Schauspielern, man kann sich einfach nicht satthören. Leider kamen diese wie der Schwabenverein SV 49 und der Deutsche Bundestag - im Gegenteil zum gelben Sack - etwas zu kurz. . .heidenei aberau!

Dennoch: Dominik Kuhn sieht alles, hört alles und kann alles - und das sauguat. Und schon am nächsten Tag postet der charismatische Spaßmacher sein Urteil über sein Publikum: „Dannggee, Bissinga! Drinna d’r gleiche Sturm wie dussa! Es war d’r Hammer mit euch! Und au dannggee an da Schwäbischa Abverein Bissingen-Nabern fir’s Veranstalta!“ Auf das „fette“ Lob für die Bissinger folgt vom Ortsverein postwendend ein „Dannggee, Dodokay! War ed ganz schlecht!“. . . natürlich mit Smiley!

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