Weilheim und Umgebung

Heute Sportgeschäft, früher Wirtshaus

Serie Das einstige Gasthaus „Adler“ in Weilheim war ein Treffpunkt für Handwerks-Burschen. In der Nachkriegszeit fanden dort Gottesdienste statt. Von Bianca Lütz-Holoch

Nach dem Gasthaus wurde auch die „Adler“-Brücke benannt.Foto:  Stadt Weilheim
Nach dem Gasthaus wurde auch die „Adler“-Brücke benannt.Foto: Stadt Weilheim

Heute gehen dort Ski, Fußballschuhe und Sportkleidung über die Ladentheke. Früher jedoch befand sich in der Lindachstraße 13 in Weilheim, wo seit den 70er-Jahren das Geschäftshaus von Sport Holl steht, das Gasthaus „Adler“. „Bis 1939 war es eine spezielle Handwerksburschen-Wirtschaft“, sagt der Weilheimer Stadtführer Wilhelm Braun. Er hat zu alten Weilheimer Gaststätten recherchiert und jede Menge Informationen zusammengetragen - auch zum „Adler“.

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Die Gastwirtschaft in der Lindachstraße gibt es Aufzeichnungen zufolge seit dem Jahr 1805. Als erste Wirte sind Ludwig und An­dreas Holl eingetragen. Später sind die Familien Sigel und Hepperle als Adlerwirte verzeichnet. Anschließend übernahm der Metzger Friedrich Grünzweig das Gasthaus. Nach seinem Tod führte dessen Witwe Maria Grünzweig die Geschäfte weiter.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb der „Adler“ geschlossen. In der Nachkriegszeit fanden in den oberen Stockwerken des Gebäudes katholische Gottesdienste mit Pfarrer Engel statt. „Ab dem Jahr 1955 war Peter Schwarz der Eigentümer und betrieb dort einen Stoffladen“, erzählt Wilhelm Braun. „1962 kaufte Hans Gungl dann das Haus und vermietete die Räume hauptsächlich an Gastarbeiter, die bei der Firma Kächele beschäftigt waren.“

Ende der 60er-Jahre kauften schließlich Werner und Rosa Holl das Haus. Sie ließen das Gebäude Anfang der 70er-Jahre abreißen und bauten das Geschäftshaus für das Sportgeschäft Holl. Eingeweiht wurde es im Jahr 1973.

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