Weilheim und Umgebung

Hier entsteht eine „kinderfreundliche Schule“

Hilfestellung Der Weilheimer Verein Adept fördert seit Jahren Bildungseinrichtungen in Uganda. Damit bietet er für viele Kinder eine Möglichkeit, später ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Von Gabriele Rolfs

Überfüllte Klassen, schlecht ausgestattete Schulen und Gewalt auf dem Schulweg tragen in Uganda zu einer hohen Schulabbrecherquote bei. Und obwohl das Land die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert und Kinderrechte in seiner Verfassung verankert hat, widerfährt Kindern alltäglich Unrecht.

Der Weilheimer Verein Adept setzt sich seit 2017 für die Verbesserung der Schul- und Ausbildung in Uganda ein. Partner vor Ort ist das Schulwerk der ­Diözese Masaka, mit 750 Schulen einer der großen Bildungsträger in dieser Region. Damit auch Jugendliche in besonders strukturschwachen Gegenden eine gute Bildung erhalten, sucht das Schulwerk Organisationen, die bedürftige Schulen im Rahmen von „Entwicklungspartnerschaften“ zeitlich begrenzt unterstützen. Ziel der Zusammenarbeit von Adept und dem Schulwerk ist unter anderem der Ausbau bestehender Schulen zu Modellschulen und die damit verbundene Förderung benachteilig­ter Gesellschaftsgruppen.

Die St. Joseph Schule in Butenga ist eine der Schulen im Adept-Förderprogramm. Die Bevölkerung in der ländlich geprägten Region ist arm, die Arbeitslosigkeit hoch und der Anteil an HIV-Infektionen höher als in anderen Regionen, was die große Zahl der Waisen und Halbwaisen an der Schule erklärt.

Iris Neuss und Gabriele Rolfs von Adept tauschen sich regelmäßig mit dem Schulleitungsgremium aus.
Iris Neuss und Gabriele Rolfs von Adept tauschen sich regelmäßig mit dem Schulleitungsgremium aus. Foto: pr

2017 stellte Adept als Erstes die Wasserversorgung an der Schule sicher. Auf Wunsch des Schulleiters wurden im Jahr 2018 Nähmaschinen für den berufsbildenden Unterricht angeschafft, denn mit Schneiderei können sich Schulabbrecher und Jugendliche, die nach der Schule keine weitere Ausbildung erhalten, ihren Lebensunterhalt erwirtschaften.

Nach diesen ersten Maßnahmen führte ein Fachmann des Senior-Experten-Service Bonn an der Schule zwei pädagogische Fortbildungen mit dem Ziel durch, den lehrerzentrierten Frontalunterricht durch eine moderne schülerzentrierte Unterrichtspädagogik abzulösen. Die Lehrerschaft nahm den neuen Ansatz so positiv auf, dass für 2021 ein pädagogisches Pilotprojekt in Angriff genommen wird, dieses Mal mit ugandischen Experten. Das neue Projekt „Kinderfreundliche Schule“ beinhaltet Workshops zu den Themen „Kindergesundheit“, „Kinderrechte“ sowie „Schülerzentriertes Unterrichten“.

Der Textilunterricht findet noch in einer Wellblechbaracke statt.
Der Textilunterricht findet noch in einer Wellblechbaracke statt.

Doch nicht nur die Pädagogik, auch die Infrastruktur an der Schule verbessert sich durch das große Engagement aller Beteiligten zügig. Die Eltern der Schüler finanzierten in den Jahren 2019 und 2020 in Eigeninitiative den Bau eines Fachraums für IT-Unterricht. ­Adept hingegen konnte die Finanzierung des dringend benötigten Jungeninternats für 160 Schüler übernehmen, ermöglicht durch Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, eine großzügige Spende von „Bild hilft e.V. - Ein Herz für Kinder“ und weitere private Spenden. Baubeginn für das Internat war Anfang Oktober 2020.

Beim schülerzentrierten Unterricht werden die Jugendlichen aktiv am Unterricht beteiligt. Foto: pr
Beim schülerzentrierten Unterricht werden die Jugendlichen aktiv am Unterricht beteiligt. Foto: pr

Neben der Pädagogik und Infrastruktur engagiert sich Adept mit seinem Patenschaftsprogramm auch für einzelne hilfsbedürftige Schüler. Für das nächste Jahr werden wieder Paten gesucht, die im Rahmen der Gesamtförderung dieser Schule bereit sind, bedürftige Jugendliche zu unterstützen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.adept-africa.de oder info@adept-africa.de

Auch der Computer-Unterricht startete in einem Provisorium, bevor die Eltern das neue IT-Fachgebäude errichteten. Foto: pr
Auch der Computer-Unterricht startete in einem Provisorium, bevor die Eltern das neue IT-Fachgebäude errichteten. Foto: pr
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