Weilheim und Umgebung

Hier messen sich die Besten

Beruf Bei den World-Skills-Wettkämpfen, den Weltmeisterschaften der Berufe, waren auch Auszubildende aus Weilheim und Wendlingen am Start. Die beiden Mechatroniker waren erfolgreich. Von Greta Gramberg

Gemeinsam mit ihrer Betreuerin Sybille Bohland von Festo (Bild rechts) freuen sich der Weilheimer Jan Kintzi (Mitte) und Felix A
Gemeinsam mit ihrer Betreuerin Sybille Bohland von Festo (Bild rechts) freuen sich der Weilheimer Jan Kintzi (Mitte) und Felix Alt aus Wendlingen über ihren Erfolg bei den World-Skills.

Eine Weltmeisterschaft lässt sich nicht nur im Sport oder in der Musik austragen. Das hat vergangene Woche wieder die World-Skills, die Meisterschaft der Berufe gezeigt. Dazu trafen sich mehr als 1350 junge Fachkräfte aus mehr als 60 Ländern im russischen Kazan, um in ihrer Disziplin vorgegebene Aufgaben am besten zu lösen. In 56 Fachrichtungen traten sie gegeneinander an - darunter Industriemechaniker, Maurer, Floristen, Köche oder Sozialbetreuer im Alter bis maximal 21 Jahre. Auch 39 junge Frauen und Männer aus Deutschland waren angereist, darunter drei Auszubildende von Festo, dem Esslinger Automatisierungsspezialisten.

Ergebnis kann sich sehen lassen

„Es ist toll zu sehen, was die Jugend leisten kann“, sagt Stefan Dietl, Ausbildungsleiter bei Festo Didactic. Er war vor Ort in Kazan und ist stolz auf die Teilnehmer aus seinem eigenen Haus: Felix Alt, Jan Kintzi und Mark Lattwein. Der Wendlinger Alt und Jan Kintzi aus Weilheim, zwei Mechatronik-Auszubildende vom Festo-Standort Berkheim, vertraten Deutschland in der Disziplin Mechatronik. Sie und ihre Gegner aus aller Welt erhielten in Russland die Aufgabe, ein sogenanntes MPS-System zu bauen - kurz für Modular Production System. Vereinfacht ausgedrückt, geht es um den Bau und die Programmierung einer möglichst effizienten Fertigungsanlage, die automatisch die gefragten Werkteile erkennt und korrekt montiert. Der 19 Jahre alte Felix Alt und der 20 Jahre alte Jan Kintzi erreichten Platz 21. Zwar haben sie es nicht aufs Treppchen geschafft. Aber unter den 21 besten Mechatronik-Talenten der Welt zu sein, kann sich sehen lassen, findet ihr Arbeitgeber. Und die zwei hatten sich vor der Reise nach Kazan bundesweit gegen andere Azubis von anderen Firmen und Bildungseinrichtungen durchgesetzt, sind also deutsche Meister.

Der dritte Festo-Wettkämpfer, Mark Lattwein vom Standort Rohrbach, hat es auf Platz drei geschafft. Gemeinsam mit Tobias Bühler von der Firma Sick aus Waldkirch bildete der 20 Jahre alte Mechatroniker das deutsche Team in der neu eingeführten Disziplin „Industry 4.0“, einem sogenannten Future Skill. „In dieser Disziplin ging es mehr ums Programmieren“, versucht Dietl die Aufgaben zu erklären. So wurden etwa Sensoren für intelligente Produktionsanlagen programmiert und Prozessabläufe digital optimiert.

Was muss ein Auszubildender mitbringen, um es so weit zu bringen? Neben fachlichem Wissen gehören auch persönliche Kompetenzen dazu, sagt Festo-Ausbildungschef Stefan Dietl: Die Teilnehmer hätten Engagement in der Vorbereitung über die normale Arbeitszeit hinaus gezeigt, bräuchten im Wettbewerb den Ehrgeiz, bestehen zu wollen, und auch eine gewisse Stressresistenz. „Das ist eine große Messehalle, in der es laut wird. Das ist ein ganz anderes Arbeiten als im Labor.“

Welche Belohnung die Teilnehmer nach ihrer Rückkehr erwartet, will Dietl nicht verraten. Doch er betont, dass sie mehr erwartet als ein materielles Geschenk, weil sie viele Erfahrungen vom Wettbewerb mitnehmen. „Interessant ist, wie sie sich weiterentwickeln.“ Festo entsendet schon seit vielen Jahren seinen Nachwuchs zu World-Skills und steuert Übungsanlagen zum Wettbewerb bei. Frühere Teilnehmer hätten im Laufe ihrer Karriere etwa Jobs in der Entwicklung ergattert und weiter Einsatz im Unternehmen gezeigt, etwa, indem sie nachfolgende Meisterschaftsteilnehmer in der Vorbereitung unterstützt hätten. Festo versuche, seine Auszubildenden auf breiter Basis zu fördern. „Wir Betriebe sind in der Verantwortung, unseren Azubis so etwas zu bieten.“

Übrigens sind Felix Alt und Jan Kintzi nicht die einzigen Teilnehmer aus dem Kreis Esslingen. Mechatroniker Thomas Haag von der Automatisierungsfirma Fanuc in Neuhausen gewann im Future Skill „Robot Systems Integration“ Bronze, gemeinsam mit Teamkollegin Sophie Charlotte Keunecke aus Duisburg. Insgesamt holte das deutsche Team ein Mal Gold (Fliesenleger) und drei Mal Bronze. Außerdem gab es in 19 Disziplinen eine „Medal of Excellence“ sowie einen Weltmeister im Speedprogamming.

Die Deutsche Nationalmanschaft bei den 45. WorldSkills in Kazan
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