Weilheim und Umgebung

Holzmaden soll am Seebach wachsen

Ortsentwicklung Das Wohngebiet in der Vorderen Halde in Holzmaden soll erweitert werden. Dabei müssen Hochwasserschutz, ein Biotop und ein Vogelschutzgebiet berücksichtigt werden. Von Thomas Zapp

Der durch Bäume verdeckte Seebach ist kaum zu erkennen, sorgt bei Starkregen aber zuweilen für Hochwasser. Foto: Carsten Riedl
Der durch Bäume verdeckte Seebach ist kaum zu erkennen, sorgt bei Starkregen aber zuweilen für Hochwasser. Foto: Carsten Riedl

Dass die Vordere Halde in Holzmaden erweitert werden soll, ist bereits seit April dieses Jahres beschlossene Sache. Nun musste der Gemeinderat noch über den Entwurf für den Bebauungsplan abstimmen. Das geplante Baugebiet zwischen Hohlweg und Kirchheimer Straße am westlichen Ortsrand der Gemeinde ist allerdings nicht ganz unproblematisch.

Zum einen geht es um Hochwasserschutz, denn der Seebach grenzt unmittelbar an das Bauland an. Als Grundlage hat das von der Gemeinde beauftragte Planungsbüro Melber & Metzger für das Gebiet ein HQ 100 angenommen, ein Hochwasser, das statistisch alle 100 Jahre vorkommt - die Häuser müssen also auf einer bestimmten Höhe stehen. So unscheinbar der Seebach anmutet, ist er doch in der Lage, eine beträchtliche Fläche zu „bewässern“. Erst im vergangenen Jahr stand das Wasser an dem abschüssigen Gelände fast bis auf Höhe des geplanten Baugebiets. Tatsächlich berühren sich auf dem Plan Baugrenze und die HQ Extrem, die Wasserlinie, bei extremem Hochwasser.

Zum anderen ist das Gehölz am Verlauf des Seebachs als Biotop gekennzeichnet. Zwar ist ein direkter Eingriff in das Biotop nicht vorgesehen. Eine Beeinträchtigung ist durch eine angrenzende Bebauung aber auch nicht ausgeschlossen. „Wir brauchen daher Ausgleichsflächen“, erklärt Rainer Metzger von Melber & Metzger. Die seien aber bereits ebenfalls am Seebach gefunden und würden bepflanzt. Damit stellt das Thema Bio­top kein Problem dar, weil es in dem Fall eine Ausnahmeregelung vom Landratsamt gibt. Die Tiere in einem ebenfalls angrenzenden Vogelschutzgebiet würden laut Gutachten in ihrem Habitat nicht beeinträchtigt.

Der Plan sieht eine Bebauung mit zwei Einzelhäusern vor, die auf einer Fläche von je maximal 120 Quadratmetern stehen und anderhalbgeschossig hoch sind. Bis zur Traufe sind jeweils vier Meter vorgesehen. Die Käufer sollen zudem einen „Abschöpfungsvorteil“ an die Gemeinde entrichten, da sie ja von den bereits gezahlten Erschließungskosten der anderen Anwohner profitieren würden.

Thiehoff bevorzugt Grünfläche

Während Heike Schwarz von der Freien Wählervereinigung die Nachverdichtung am Ortsrand als positiv bewertet, hat Michael Thiehoff von der Holzmadener Bürgerliste seine Bedenken aus den vorangegangen Beratungen erneuert. „Ich sehe das kritisch, da in diesem Bereich eigentlich eine Grünfläche vorgesehen ist. Eine Verdichtung halte ich für sinnvoll, aber die ist eigentlich nicht an dieser Stelle sinnvoll“, betont er. Zumal auch die Gefahr von Hochwasser dort gegeben ist. Er stimmte deshalb gegen den Antrag der Verwaltung, den Entwurf für die Bebauungsplanung anzunehmen.

„Das ist konsequent“, kommentierte Bürgermeisterin Susanne Irion seine Entscheidung. Die hatte jedoch keinen Einfluss, denn die Mehrheit im Gemeinderat stimmte bei insgesamt zwei Gegenstimmen dafür. Der Entwurf für die Erweiterung der Vorderen Halde wird nun öffentlich ausgelegt.

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