Weilheim und Umgebung

Holzmarkt ist unter Druck

Wald Der Weilheimer Forst schreibt im kommenden Jahr rote Zahlen. Mit verantwortlich dafür ist die gesunkene Nachfrage nach Industrie- und Brennholz. Von Bianca Lütz-Holoch

Holzeinschlag im Kirchheimer WaldBrennholz
Holzeinschlag im Kirchheimer WaldBrennholz

In der Regel liegt der Weilheimer Wald der Stadt nicht auf der Tasche – im Gegenteil: Meist fällt ein kleines Plus ab. Im kommenden Jahr sieht das allerdings anders aus. „2017 haben wir laut Betriebsplan einen Zuschussbedarf von 23 000 Euro“, sagt Weilheims Revierförster Markus König.

Dass der Wald rote Zahlen schreibt, hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass ein viel geringerer Holzeinschlag geplant ist als üblich. „Der Holzmarkt ist stark unter Druck“, sagt Markus König. Insbesondere der Verkauf von Brennholz läuft schleppend. „Im Moment haben wir gerade mal Vorbestellungen von 200 Festmetern Brennholz“, so König. Noch vor wenigen Jahren sind im Raum Weilheim jährlich um die 600 Festmeter verkauft worden, in den vergangenen beiden Jahren waren es jeweils 300.

Ein Grund für die geringe Nachfrage sind die milden Winter. „Die Leute haben wenig verbraucht und noch viele Vorräte übrig“, weiß Walter Hegelau, der beim Kreisforstamt für die Reviere Ost zuständig ist. Auch die Ölpreise spielen eine Rolle. „Das Heizöl ist zurzeit sehr günstig“, so Hegelau. Bei vielen bleibe der Holzofen deshalb aus. Die Brennholzproduktion hat Revierförster Markus König nun erst einmal runtergefahren. „Es hat ja keinen Sinn, etwas auf den Markt zu schmeißen, das nicht gebraucht wird.“ Eher gering ist auch die Nachfrage beim Indus­trieholz. Spanplatten sind weniger gefragt, und die Zellstoffproduktion ist zurückgegangen.

Zum Minus im Betriebsplan beigetragen haben zudem Unterhaltungsmaßnahmen. „Von den Dolen in den Gräben des Stadtwalds und des Staatswalds sind viele in einem desolaten Zustand“, berichtet Markus König. Die Schäden können vor allem bei Starkregen zum Problem werden. Dann werden Wege überschwemmt oder unterspült und gehen kaputt. 25 beschädigte Dolen sollen ausgetauscht werden. Die Maßnahme kostet 20 000 Euro, 9 000 Euro davon zahlt das Land.

Ins Geld geht es auch, neue Bäume zu setzen. „Nicht nur die Pflanzen kosten etwas. Auch das Ausmähen der Fläche und das Vereinzeln der Bäume ist aufwendig“, sagt Markus König. Vor allem Eichen werden neu gepflanzt. „Im Bereich Berg setzen wir 1 500 Stück“, so König. Dazu kommen 50 Weißtannen in der Wolfsscherre und je 300 Douglasien und Fichten im Egenfirst. „Fichten sind wichtig, damit auch den folgenden Generationen Sägeware und Gewerbeholz zur Verfügung stehen.“

Für das Pflanzen von Eichen gibt es Zuschüsse vom Land, in Weilheims Fall 4 500 Euro. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der Weilheimer Wald so viele neue Eichen bekommt. „Zum einen schließen wir Lücken im Laubwald“, so König. Zum anderen müssen die Förster den Wald fit für die Klimaerwärmung machen. Wärme und Trockenheit vertragen insbesondere die Fichten nicht gut: „Außer auf den Albhöhen gibt es in der Region für sie schon jetzt keine gut geeigneten Standorte mehr“, weiß Walter Hegelau. Sogar die Buchen könnten irgendwann an ihre Grenzen gelangen. Eichen dagegen kommen – ebenso wie Douglasien – mit höheren Temperaturen und geringeren Niederschlägen gut klar: „Sie sind die Bäume des Weinbauklimas“, formuliert es Markus König.

Übrigens: Eiche liegt derzeit auch bei Möbeln im Trend: „Sie boomt“, sagt Walter Hegelau. Nuss und Esche sind ebenfalls gefragt. Buchen dagegen befinden sich auf dem absteigenden Ast: „Wildbuche wurde in den vergangenen Jahren heiß gehandelt und ist jetzt total vom Markt“, sagt er. Ähnlich sieht es mit Erle, Kirsche und teilweise Ahorn aus.

Auch wenn im kommenden Jahr lediglich 1 000 statt wie üblich 1 600 Festmeter Holz eingeschlagen werden sollen – der Holzverkauf bleibt die größte Einnahmequelle des Weilheimer Forsts. Gut 50 000 Euro bringen Brenn- und Stammholz sowie andere Holzerzeugnisse laut Plan ein.

Ein hartes Jahr wird 2017 vermutlich auch für die Gesundheit der Bäume. „Wir müssen mit Trockenschäden rechnen“, sagt Markus König. Denn so schmuddelig das Jahr 2016 gewirkt hat – „es war immer nur oberflächlich feucht, das Wasser ist nie in den Unterboden eingedrungen“. Und nicht nur die fehlende Feuchtigkeit macht den Pflanzen zu schaffen. Wie derzeit überall haben die Weilheimer Eschen mit einer Pilzerkrankung zu kämpfen. „Das Eschentriebsterben schreitet auch bei uns voran“, so König.

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