Weilheim und Umgebung

Hotel entpuppt sich als Glücksgriff

Umbau Viel Platz, eigene Bäder und zwei komplette Etagen: In der Sammelunterkunft in der Bahnhofstraße in Holzmaden sind die Bauarbeiten fast fertig. Hier ziehen bald 43 Flüchtlinge ein. Von Melissa Seitz

In dieser Unterkunft werden 43 Flüchtlinge für höchstens zwei Jahre leben.Foto: Markus Brändli
In dieser Unterkunft werden 43 Flüchtlinge für höchstens zwei Jahre leben. Foto: Markus Brändli

Einige Flüchtlinge haben in Holzmaden schon ein neues Zuhause gefunden, arbeiten als Praktikanten in den ansässigen Firmen und integrieren sich gut in die Gemeinde. 43 neue „Holzmadener“, wie die Mitarbeiter des AK Asyl und der AWO sie nennen, kommen bald dazu. Die Bauarbeiten in der Bahnhofstraße in Holzmaden sind fast beendet. „Wir warten noch auf die Brandschutztreppe“, erklärt Vera Morlok-Gommel, die beim Landratsamt Esslingen als Sachgebietsleiterin für die Flüchtlingsunterkünfte zuständig ist.

Sobald die Treppe angebracht und der letzte Feinschliff erledigt ist, werden die ersten Flüchtlinge einziehen. „Sie bleiben aber nur bis zu ihrer Anerkennung - höchstens 24 Monate“, erzählt Peter Keck, Pressesprecher im Landratsamt Esslingen, bei der Besichtigung der Unterkunft. Es werden also immer wieder Flüchtlinge das ehemalige Hotel verlassen und neue dazukommen. „Trotzdem ist es wichtig, für sie da zu sein und ein offenes Ohr zu haben“, erklärt Peter Keck. Die Flüchtlinge seien oft auf sich alleine gestellt. „Hier ist die Arbeit von den ehrenamtlichen Mitarbeitern sehr wichtig“, fügt Vera Morlok-Gommel hinzu.

Ein Bad für zwei Flüchtlinge

Für die kurze Zeit, die die überwiegend jungen Männer in Holzmaden verbringen werden, teilen sie sich zu zweit ein Zimmer. „Und wir haben hier einen Hotel-Vorteil“, erzählt Vera Morlok-Gommel. „Das Bad ist gleich nebenan und wird immer von den zwei Zimmernachbarn benutzt.“ Purer Luxus, wenn man bedenkt, wie viele Flüchtlinge sich oft in manchen Unterkünften ein Zimmer teilen müssen. „Außerdem lernen sie, dass das ihr eigenes Bad ist und sie es putzen müssen“, weiß die Sachgebietsleiterin.

Beim Blick in das Muster-Zimmer wird klar: Hier ist nicht nur das eigene Bad eine Besonderheit, sondern auch die Größe der Zimmer. Die meisten davon folgen der Sieben-Quadratmeter-Regelung, die eigentlich erst am Januar 2018 gilt. „Die Größe der Einrichtung macht es möglich, dass die Männer größere Zimmer bekommen“, erklärt Vera Morlok-Gommel.

Vielfalt ist bereichernd

Viele verschiedene Nationen und Religionen unter einem Dach - gibt es da nicht Probleme? Die Sachgebietsleiterin schafft diese Befürchtungen schnell aus dem Weg: „Wir werden darauf achten, dass die zusammenkommen, die sich auch riechen können.“ All die verschiedenen Einflüsse in der Unterkunft sollen bereichernd sein, und die Flüchtlingen sollen davon profitieren. „Wenn es aber trotzdem Probleme gibt und weder die ehrenamtlichen Mitarbeiter noch wir das Problem aus der Welt schaffen können, wird einfach eine neue Unterkunft gesucht“, erklärt Peter Keck.

„Die jungen Flüchtlinge werden doch alle nach Kirchheim gehen und sich damit in unserer Gemeinde nicht wirklich integrieren“, gibt eine Bürgerin zu bedenken. Diese Gedanken hat sich Vera Morlok-Gommel auch schon gemacht: „Das wird wohl so sein. Aber denken Sie an ihre Kinder. Auch die pendeln nach Kirchheim.“ Ob die Integration in so einem kurzen Zeitraum möglich ist, stellt Peter Keck infrage. Die 43 Flüchtlinge sollen aber lernen, wie sie sich zu verhalten haben. „Zwei Jahre gehen schnell vorbei, von einer richtige Integration können wir da nicht sprechen“, erklärt Peter Keck. Dieser Prozess beginne laut ihm erst dort, wo sie wirklich auch bleiben - sei es in Holzmaden oder an einem anderen Ort.

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