Weilheim und Umgebung

„Ich gehe gerne nach Weilheim“

Nach 24 Jahren in Ostfildern wechselt Pfarrer Peter Martin zum 1. November in die Limburgstadt

Der Bischof entscheidet ganz allein, das ist die Theorie. In der Praxis läuft es aber etwas anders. So war es auch beim Wechsel von Pfarrer Peter Martin.

Pfarrer Peter Martin wechselt nach 24 Jahren von Ostfildern nach Weilheim - er ist auch Orgelbauer und hat Musikwissenschaft stu
Pfarrer Peter Martin wechselt nach 24 Jahren von Ostfildern nach Weilheim - er ist auch Orgelbauer und hat Musikwissenschaft studiert. Foto: Peter Dietrich

Weilheim. „Die haben mich schon öfters gestupft“, sagt Pfarrer Peter Martin über den Bischof und den Personalreferent in Rottenburg, schließlich ist Martin nun schon seit 24 Jahren in Ostfildern. Ein katholischer Pfarrer ist, sofern es seine Gesundheit erlaubt, bis zum Alter von 70 Jahren im Dienst. Martin ist gerade 62 geworden, also war ihm klar: „Der Wechsel muss jetzt sein.“ Außerdem findet er: „Ich habe eine gewisse berufliche Erleichterung verdient.“ In Ostfildern war Martin zuletzt stadtweit für 8 000 Katholiken zuständig, hatte es seit dem Hinzukommen von Ruit und Kemnat im Jahr 2014 mit drei rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden zu tun. Das macht inklusive Gesamtkirchengemeinderat vier verschiedene Kirchengemeinderäte.

Ob er sich vorstellen könne, nach Weilheim zu gehen, hat ihn Bischof Gebhard Fürst gefragt. „Jawohl, selbstverständlich“, hat ihm Martin geantwortet, die dortigen Konflikte gut kennend. „Ausgleichend und versöhnend zu wirken, das mache ich gerne.“ Er werde nicht mit dem eisernen Besen auskehren, verspricht Martin. Im Moment sei wichtig, Ruhe hineinzubringen, erst einmal zuschauen und zuhören. „Ich gehe gerne nach Weilheim, egal, welche Leichen noch im Keller liegen“, nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Die Ökumene liegt Martin am Herzen. In Ostfildern wurde er als katholischer Pfarrer auch im evangelischen Gemeindebrief herzlich verabschiedet und als „Institution“ bezeichnet. Zur Evangelisch-methodistischen Kirche, die auch in Weilheim vertreten ist, hatte er schon in Nellingen einen guten Draht. „Die meisten sind schon traurig“, sagt er zu seinem Abschied. „Ich natürlich auch, das muss auch so sein.“ Das zeige, wie bei einem erwachsen gewordenen Kind beim Auszug, dass die Beziehung gestimmt habe. „Die Trauer ist die Kraft, dass das Schöne nicht verloren geht.“

Wie ist Martin zum Priesterberuf gekommen? „Wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt er lachend. Aufgewachsen ist er in einer urkatholischen Familie in Leutkirch. „Sie war loyal, aber durchaus kritisch, manchmal auch sehr kritisch.“ Enge des Denkens ist nicht sein Ding: „Katholon heißt weit.“ An seiner Loyalität dem Bischof gegenüber lässt Martin keinen Zweifel: „Aber das heißt nicht, dass ich mit allem einverstanden bin.“ Eng blieb nur die Berufsauswahl der vier Söhne der Familie: zwei Pfarrer, zwei Architekten.

Wobei Martin drei Berufe hat: Er ist Orgelbauer und hat neben Theologie auch Musikwissenschaft studiert, in Tübingen und Wien. „Meine einzige Berufskrise war, dass ich als Priester die Kirchenmusik nicht weiter pflegen konnte. Das zu akzeptieren, war bitter.“ Martin kocht, isst und trinkt gerne, er reist auch gerne: „Italien ist mein Sehnsuchtsland“, verrät er.

Als Student konnte Martin noch selbst mit dem VW-Bus umziehen, später folgten dann allerdings nicht sehr viele weitere Umzüge: Pfarrer Peter Martin war Diakon am Dom in Rottenburg, Vikar in Tettnang und Schwäbisch Gmünd, dann kam schon Ostfildern. Nun braucht er durch den größer gewordenen Haushalt eine Umzugsfirma, doch seine Kartons packt er selbst. Welche Bücher kommen da hinein, wen liest und schätzt Martin besonders? „Ich lese Augustinus sehr gerne, trotz seiner antisemitischen Ausfälle, auch Don Bosco und Thomas Becket. Die haben Freude an ihrem Glauben gelebt.“ Am früheren Bischof Walter Kasper hat Martin die „Weite im Herzen“ geschätzt. „Er ist als Kardinal ganz bescheiden geblieben.“ Als Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation in der Erklärung „Dominus Jesus“ die Evangelischen nicht als richtige Kirchen ansah, habe sich Kasper um die Schadensbegrenzung gekümmert. Die Töne, die derzeit aus Rom kommen, sind Martin deutlich sympathischer. Doch der Blick in die teils finstere Kirchengeschichte zeigt ihm, worauf es ankommt – es ist nicht die Kurie: „Es sind die Gläubigen, die die Kirche am Leben erhalten.“

Die Investitur von Pfarrer Peter Martin in Weilheim ist am 13. November um 10.30 Uhr in Sankt Franziskus.

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