Weilheim und Umgebung

„Ich war so was von beeindruckt“

Film Der Sensenlehrer Heinz Wiedmann aus Wiesensteig stand als Statist vor der Kamera für die ARD-Serie ­„Oktoberfest 1900“, die ab dem heutigen Dienstag im Ersten zu sehen ist. Von Heike Siegemund

Im Hintergrund der beiden Hauptdarsteller sorgen Sensenlehrer aus ganz Deutschland für das historische Ambiente. Einer davon ist
Im Hintergrund der beiden Hauptdarsteller sorgen Sensenlehrer aus ganz Deutschland für das historische Ambiente. Einer davon ist Heinz Wiedmann aus Wiesensteig. Foto: ARD

Diese beiden Tage im Sommer vergangenen Jahres wird Heinz Wiedmann aus Wiesensteig sicherlich nicht so schnell vergessen: den Besuch eines großen Kostüm- und Kleiderlagers in den Bavaria-Filmstudios in München sowie den Drehtag inmitten eines Getreide­felds beim bayerischen Landshut. Der 60-Jährige war als Statist bei den Dreharbeiten für die ARD-Serie „Oktoberfest 1900“ mit von der Partie, die ab heute in drei Doppelfolgen jeweils um 20.15 Uhr im Ers­ten zu sehen ist.

Zu dem Filmprojekt kam Heinz Wiedmann über seine große Leidenschaft: das Sensen. Der Wiesensteiger gibt als Sensenlehrer Kurse im Taubertal, Ostalbkreis und in Bayern. Sein Sensenlehrer-Kollege Thomas Isermann aus Wolfratshausen sprach ihn auf das Filmprojekt an. „Thomas Isermann war bereits in einem Verzeichnis der Filmleute als Sensenmann und hat schon an mehreren kleineren Filmprojekten mitgewirkt“, erzählt Wiedmann. Für Heinz Wiedmann war schnell klar: Eine solche Chance lässt er sich nicht entgehen.

Bei den Dreharbeiten musste Sensenlehrer Heinz Wiedmann auf seine Brille verzichten.Foto: Heike Siegemund
Bei den Dreharbeiten musste Sensenlehrer Heinz Wiedmann auf seine Brille verzichten. Foto: Heike Siegemund

Doch bevor es für die Statisten als Lohnmäher zum Sensen auf das Getreidefeld ging, mussten sie zunächst passend eingekleidet werden. In den Bavaria-Filmstudios „haben sie mir eine wilde Tracht verpasst“, erinnert sich ­Wiedmann schmunzelnd. „Ich war so was von beeindruckt von der riesigen Halle, die voll war mit historischen Kleidern, Schuhen, Hüten, Gürteln - alles wurde nur für diese Serie besorgt.“ Heinz ­Wiedmann trug schließlich einen Strohhut, schwarze Arbeitsschuhe, eine verschlissene Anzughose und eine ausgebleichte Jacke. Auch glattrasiert sollte er am Drehtag nicht erscheinen, so lautete die Vorgabe. „Ich hatte mir extra einen Schnurrbart wachsen lassen“, erzählt er. Mehrere Wochen zuvor durften die Statisten nicht zum Friseur gehen. „Zum Drehtag sind wir alle mit gewaschenen Haaren gekommen“, erinnert er sich. „Da haben sie uns eine Handvoll Fett in die Haare geschmiert. Ich habe ausgesehen, als hätte ich schon einen hal­ben Tag gesenst.“ Auch die Hände sollten nach Arbeit aussehen: Deshalb wurden sie mit „Dreck aus der Tube“, wie Heinz Wiedmann sagt, präpariert.

Es gab genaue Instruktionen

An einem Sommertag mit mehr als 30 Grad gingen die Dreharbeiten schließlich vonstatten - „von morgens bis zum Sonnenuntergang“, erzählt Wiedmann. Die Lohnmäher arbeiteten mit Getreidesensen, die vom Sensenlehrer-Ausbilder Erwin Zachl und vom Deutschen Landwirtschaftsmuseum Hohenheim stammten; außerdem konnte Wiedmann vom Reußensteiner Hof alte Kornsensen besorgen. In der Szene auf dem Getreidefeld umrahmen die Lohnmäher sozusagen das Filmliebespaar Roman und Clara. „Die beiden helfen bei der Getreideernte - sie als Garbenbinderin, er als Lohnmäher. Sie ist die Tochter eines konkurrierenden Bierbrauers“, erklärt Wiedmann. Die Statisten erhielten genaue Ins­truktionen; jeder hatte seine bestimmte Position einzuhalten.

Für eine Szene hatte der Regisseur Heinz Wiedmann direkt vor die Hauptkamera beordert. ­„Dabei wurde mir eine richtig stumpfe Sense untergejubelt“, erzählt der 60-Jährige. „Als ich nach dem Schnitt dem Regisseur sagte ‚Das müssen wir nochmal drehen. Die Sense ist ja total stumpf‘, hat er nur geschmunzelt und gemeint: ‚Nö, nö, müssen wir nicht - wunderbar‘.“

Was ihn am meisten beeindruckt hat, war die perfekte Vorbereitung und Organisation, die Detailgenauigkeit, „der große Technikumfang im Getreidefeld“ und das große Team im Hintergrund mit Technikern, Einkleidern und Kameraleuten. Begeistert war er auch von der „super Stimmung unter allen Mitwirkenden, inklusive der Schauspieler“.

Insgesamt „war es ein aufregender und spannender Drehtag“, blickt Heinz Wiedmann zurück, der jederzeit wieder an einem solchen Filmprojekt teilnehmen würde. Unterdessen ist die Serie bereits seit 8. September in der Mediathek der ARD zu sehen. „Aus dem ganzen Drehtag sind insgesamt leider nur etwa fünf Film­minuten geworden“, zeigt sich der Wiesensteiger etwas ernüchtert. Trotzdem betont er: „Es war eine tolle Erfahrung, ein schöner Tag mit viel Spaß und Jux in den Drehpausen. Daran werden wir uns sicher noch lange erinnern - und bei unseren Lehrer-Treffen wird dies immer ein Gesprächsthema sein.“

 

Info In der Serie „Oktoberfest 1900“ geht es um die Macht der Brauereien als größte Arbeitgeber der Stadt München. Im Mittelpunkt steht der erbitterte Kampf zweier Brauerei-Clans um gesellschaftliche und wirtschaftliche Vormachtstellung und Schanklizenzen auf dem Oktoberfest.

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