Weilheim und Umgebung

„Ideal wäre eine Stelle auf acht Klassen“

Interview Die Professorin und ehemalige Lehrerin Dr. Regine Morys spricht über Schulsozialarbeit.

In Weilheim geht es im Rahmen der Haushaltverabschiedung heute Abend um die Erhöhung der Schulsozialarbeitsstelle. Aktuell kümmert sich dort eine 50-Prozent-Kraft um 13 Grundschul-Klassen und zwei Förderschul-Klassen. Bianca Lütz-Holoch hat mit Dr. Regine Morys, Professorin an der Hochschule Esslingen, darüber gesprochen, warum Schulsozialarbeit wichtig ist und in welchem Umfang sie sinnvollerweise stattfinden sollte.

 

Warum ist Schulsozialarbeit überhaupt notwendig?

Dr. Regine Morys: Die Schulsozialarbeit sieht die Kinder nicht in erster Linie als Schüler mit ihren Leistungen, sondern als Individuen mit unterschiedlichen Stärken und familiären Hintergründen. Sie ergänzt die Perspektive der Lehrkräfte und ist für Kinder und Eltern mit deren individuellen Problemen und Fragen da.

Geht es denn dabei vor allem um Kinder, die Schwierigkeiten haben?

Morys: Bei Bedarf arbeitet die Schulsozialarbeit natürlich auch intervenierend. Vor allem aber dient sie als vorbeugendes Angebot der Kinder- und Jugendhilfe vor Ort an den Grundschulen. Sie unterstützt beim Gruppengeschehen in Schulklassen und kann eine wichtige Funktion zur Prävention von Gewalt, Mobbing und Diskriminierung haben. Sie unterstützt auch bei Schulwechsel und Inklusion und macht Angebote in den Bereichen Gesundheit, Medienbildung und Freizeitgestaltung. Nicht zuletzt sind Schulsozialarbeiter auch wichtige Ansprechpartner für die Lehrer und die Schulleitung.

Welches sind denn die „Hauptprobleme“ an Grundschulen?

Wir sprechen nicht von „Problemen“, sondern von „Entwicklungsaufgaben“. Herausforderungen für Kinder im Grundschulalter sind auf der einen Seite die Auseinandersetzung mit der Schülerrolle, die Beurteilung ihrer Leistungen und das Leistungsgefälle, also die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten. Es geht aber auch um den Aufbau von Beziehungen zu Gleichaltrigen und darum, Regeln, Normen und ein Moralverständnis zu erwerben. Vor allem Kinder, die sich mit dem Schulsetting schwertun, kann die Schulsozialarbeit gut unterstützen und stärken.

In welchem Umfang sollte Schulsozialarbeit stattfinden, damit sie überhaupt sinnvoll ist?

Gerade wegen der Bedeutung der Grundschule als erster und grundlegender Schule und dem damit verbundenen Aufbau von Selbstkonzept, Schulfreude, und Leistungsmotivation sollte eine solide Ausstattung mit Schulsozialarbeitern erfolgen. Ideal wäre aus meiner Sicht eine ganze Stelle auf etwa acht Klassen.

Info Dr. Regine Morys ist Professorin an der Hochschule Esslingen und Leiterin des Bachelor-Studiengangs „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ an der Fakultät für Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege. Vor ihrem Studium der Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Schulpädagogik war sie über zehn Jahre lang als Lehrerin an Grund- und Hauptschulen tätig.