Weilheim und Umgebung

Im ersten Gang die Steige hoch

Restaurierung von Bissingens erstem motorisierten Löschfahrzeug befindet sich auf der Zielgeraden

Seit vier Jahren wird das erste motorisierte Feuerwehrauto Bissingens aufwendig restauriert. Die erzielten Fortschritte werden nun am Sonntag der Öffentlichkeit präsentiert.

Im ersten Gang die Steige hoch
Im ersten Gang die Steige hoch

Bissingen. Eugen Renz ist einer von jenen Feuerwehrleuten, die mit dem Löschfahrzeug LF 8/TS, Baujahr 1966, bis zu seiner Abmeldung und Veräußerung 1989 in den Einsatz ausgerückt sind. Mit Zwischengas und Servolenkung war die Fahrt hinter dem Steuer des gerade einmal 80 PS starken Mercedes Benz ein Kraftakt. „Die Steige nach Ochsenwang fuhren wir im ersten Gang hinauf. Bis wir oben ankamen, vergingen gut und gerne 20 Minuten“, erzählt das Mitglied der Interessengemeinschaft „Altes Bissinger Löschfahrzeug“, die sich der Restaurierung des Oldtimers verschrieben hat.

Am 16. Oktober 1989 musste das Fahrzeug mit dem Kennzeichen NT-T 511 einer Neuanschaffung weichen. Ein tristes Kapitel in der Geschichte von Bissingens erstem motorisierten Feuerwehrauto wurde aufgeschlagen. „Dass wir das Fahrzeug behalten und einen Oldtimer daraus machen könnten, daran dachte damals niemand“, sagt Renz rückblickend. Laut Patrick Steegmaier wanderte das LF 8/TS durch die Hände vieler Privatleute, bis es der ehemalige Feuerwehrkommandant Karl Weil durch einen Zufall wiederentdeckte. „Der Lack war völlig abgestumpft, weil das Fahrzeug jahrelang unter einer Laterne parkte“, erzählt der 27-Jährige. „Die Aufbauten waren völlig demontiert, die Vorbaupumpe und sämtliche Halterungen im Inneren des Fahrzeugs entfernt worden.“

Nach Verhandlungen und einer Begutachtung kehrte der Oldie 2007 schließlich nach Bissingen zurück. Als das Feuerwehrauto von der Ladefläche des Lasters rollte, schlug das Herz von Eugen Renz schneller. „Das war ein großer Moment“, erinnert er sich. „Ich kam zwei Jahre nach dem LF zur Feuerwehr. Das war 1968.“ 21 Jahre versahen er und seine damaligen Kameraden auf dem Oldtimer ihren ehrenamtlichen Dienst. „Dabei entsteht natürlich eine Bindung“, so Eugen Renz, der sich freut, das Fahrzeug wieder in guten Händen zu wissen.

Aktuell steht der Oldtimer in der Halle der Bissinger Firma Karosseriebau Wahl. Dort wird ihm ein neuer Lack verpasst, der das Fahrzeug in neuem Glanz erstrahlen lässt. Die neun Türen des LF 8/TS lagern abgeschliffen neben unzähligen demontierten Teilen in einem Raum, den das Unternehmen Merkle Holzbau der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt hat. „Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar“, sagt Patrick Steegmaier. „Denn es ist schwierig, für so ein Vorhaben, das viel Platz in Anspruch nimmt, eine geeignete Garage zu finden.“

Viele Teile haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft selbst nachgebaut. „Die Feuerwehr Scheer, Abteilung Heudorf, verfügt über das identische Fahrzeug“, berichtet Steegmaier. „Die Kameraden stellten es freundlicherweise einen ganzen Winter lang bei uns unter.“ So konnten Steegmaier, Renz und die übrigen Mitstreiter für den Nachbau immer wieder Maß nehmen. „Das war eine große Hilfe, denn so konnten wir zum Beispiel die Saugschlauchhalter selbst herstellen oder die Schlauchkästen“, fährt Patrick Steegmaier fort. „Auf Oldtimermessen und im Internet besorgten wir uns Dichtungen und andere Teile.“

Eugen Renz weiß noch, wie die Gemeinschaft mit vereinten Kräften in nur acht Wochen das LF 8/TS komplett zerlegte. Jeder Schritt wurde fotografisch dokumentiert, um sicherzustellen, dass am Ende jedes Teil wieder an seinen richtigen Platz kommt. Verteiler wurden ausgebaut, der Zylinderkopf abgeschraubt, die Steuerkette mit Stirnrad und die Kraftstoffpumpe entfernt, Ölwanne und -pumpe gereinigt, die Ventile neu eingestellt, Türen, Verkleidungen, Fenster und Scheinwerfer ausgebaut – die hoch motivierten Mitglieder der Gemeinschaft haben viel Geduld und Herzblut in ihr Projekt gesteckt. „In zwölf Monaten wird das LF 8/TS fertiggestellt sein“, erzählt Patrick Steegmaier. „Fünf Jahre hatten wir für die Restaurierung veranschlagt. Diesen Zeitplan halten wir ein.“

Der 27-Jährige freut sich schon auf den Tag, wenn er und seine Mitstreiter den Oldie wieder Stück für Stück zusammengesetzt haben und der Motor sofort anspringt. Dann, da ist sich Steegmaier sicher, wird das Fahrzeug bei vielen Oldtimertreffen und -ausstellungen zu sehen sein. Doch bis dahin gebe es noch viel zu tun. „Wer sich von den Restaurierungsfortschritten überzeugen will, kann am 22. Mai zwischen 10 und 15 Uhr zu unserem Weißwurstfrühschoppen auf dem Gelände von Merkle Holzbau kommen“, so Steegmaier, der alle Interessierten dazu einlädt.

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