Weilheim und Umgebung

Im Gedenken an die verstorbenen Kinder

Gottesdienst Trost und Hoffnung finden verwaiste Eltern am morgigen Weltgedenktag.

Passende Musik unterstreicht die Trauer. Foto: Sabine Ackermann
Passende Musik unterstreicht die Trauer. Foto: Sabine Ackermann

Bad Boll. Ein Licht wird brennen für Adelheid. Ein Licht wird brennen für Adrian. Noch unzählige weitere Lichter werden am morgigen Sonntag in Bad Boll brennen und viele weitere auf der ganzen Welt. Aus der Erkenntnis, dass für Verwaiste Eltern gerade die bevorstehende Zeit besonders schwierig zu bewältigen ist, entstand 1996 die Idee, jährlich am zweiten Sonntag im Dezember die Initiative „Weltweites Kerzenleuchten“ zu schaffen.

„Zu Weihnachten holt es einen immer ein“, berichtet Pfarrer Tobias Schart. Er, gemeinsam mit Jürgen Häser von der örtlichen Erwachsenbildung der evangelischen Kirche und Sängerin Heinke Geiger, halten diesen Gedenktag seit 2008 in Ehren. Ganz bewusst laden die Ausrichter zusammen mit „Was bleibt“, der Selbsthilfegruppe für Eltern, die ihr Kind verloren haben, am Sonntag bereits um 15 Uhr zum Gedenkgottesdienst ein.

„Im Anschluss treffen wir uns immer im angrenzenden Bürgersaal zum Gespräch bei Tee, Kaffee und Kuchen. Es kommen jedes Mal zwischen 70 und 100 Betroffene, manche sind von Anfang an dabei“, erzählen die Väter, die beide selbst ein Kind verloren haben. Natürlich steht die Stiftskirche an diesem Tag für alle offen, fügt der Seelsorger hinzu.

„Jedes Licht, das angezündet wird, steht für das Wissen, dass unsere Kinder das Leben erhellt haben und dass sie auf keinen Fall vergessen sind“, verkündet Pfarrer Schart. So haben Eltern die Möglichkeit, für ihr Kind eine Kerze am Osterlicht, dem Licht der Hoffnung und Zuversicht, zu entzünden. Begleitet wird diese für Eltern essenzielle Symbolhandlung von Moritz Bigalkes Klavierspiel. Sehr emotional sei die anschließende Namensnennung der verstorbenen Kinder, „wenn man ihrer im Stillen gedenke“, weiß das Gottesdienst-Team.

Von Anfang an eine Bereicherung ist Heinke Geiger, bekannt als Solistin des Gospelchors Chorisma. Die Sängerin hat auf Anfrage von Jürgen Häser sofort zugesagt. „Ich singe dort, weil es den Betroffenen gut tut. Oft sind sie in diesem Gottesdienst selbst nicht in der Lage zu singen, weil die Trauer ihnen die Stimme nimmt. Manche möchten aber auch einfach nur zuhören und eintauchen in die Musik und den Gesang und sich wegtragen lassen. Fast wie bei einer Meditation. Sie fühlen sich ihrem verstorbenen Kind ganz nah und können mit ihren Gedanken ganz dort sein“, berichtet die Erzieherin.

Eines ihrer Lieder an diesem Tag ist „Tears in Heaven“, in dem Eric Clapton inhaltlich genau das beschreibt, um was es in dem Gottesdienst geht. Dieser Titel wird wie „You raise me up“ auch als Übersetzung gelesen. Neben ausgewählten Kirchenliedern, Fürbitten und Ansprachen umrahmen noch der klagende Gospelsong „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“ sowie „Arms of an Angel” die Gedenkfeier. „Sie gehen leise, kaum erkennbar, treten sie ins Leben ein“, beschreibt die Autorin Anke Ilmonen die Wesen „die unseren Schmerz lindern“. Sabine Ackermann

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