Weilheim und Umgebung

Im Notfall unbedingt im rauchfreien Raum bleiben

Einsatz Ein Brand in der Stephanuskirche hat große Gefahr ausgelöst. Dabei handelte es sich aber nur um die Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Holzmaden. Von Daniela Haußmann

Volle Manpower und sämtliche Gerätschaften: Bei der Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr ging es zur Sache. Foto: Daniela Haußm
Volle Manpower und sämtliche Gerätschaften: Bei der Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr ging es zur Sache. Foto: Daniela Haußmann

Es war 15.30 Uhr, als in der Esslinger Leitstelle der Notruf von Andreas Taut einging. Aufgeregt erzählte der evangelische Pfarrer, dass in der Küche der Holzmadener Stephanuskirche ein Feuer ausgebrochen war. Nur wenige Minuten verstrichen, bis Einsatzleiter Max Dopatka nach der Alarmierung in der Schulstraße 3 eintraf. Dort wartete Andreas Taut schon auf die Floriansjünger. Er erzählte dem Einsatzleiter, dass sich noch zwei Handwerker und 15 bis 20 Jugendliche in der Kirche befanden, die dringend gerettet werden müssten.

Zeitgleich rollten die Kameraden Schläuche aus und schlossen sie an die Verteiler an. Ein Standrohr wurde an den Unterflurhydranten angeschlossen. Für ausreichend Löschwasser war also gesorgt. Die Atemschutzgeräteträger Lennart Dopatka und Rafael Fischer legten sich zwischenzeitlich ihre Atemluftflaschen und Vollmasken an. Als sie kurz darauf in die völlig verrauchte Kirche vordrangen, konnten sie nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen. Also gingen die beiden Kameraden in die Hocke und arbeiteten sich mit abgespreiztem Bein an den Wänden entlang durch das Gebäude. „Bei einer derart schlechten Sicht wird das Bein zur Personensuche eingesetzt“, sagte Lennart Dopatka, der auch den Stil seiner Feuerwehraxt zur Suche verwendete.

Draußen bauten die Floriansjünger derweil eine Riegelstellung zum Pfarrhaus und dem vom Feuer nicht betroffenen Kirchenteil auf. Dabei wird quasi ein Wasservorhang aufgebaut, der dazu dient, die Wärmestrahlung zu verringern und Funkenflug zu unterbinden. So wurde ein Übergreifen des Brandes auf die angrenzende Bebauung und den vom Feuer nicht betroffenen Teil des Kirchengebäudes verhindert. Mittlerweile hatten die Atemschutzgeräteträger die bewusstlosen Handwerker entdeckt. Durch die Inhalation der im Brandrauch enthaltenen Gase hatten sich die Männer Max Dopatka zufolge eine Rauchgasvergiftung zugezogen. „Bei Bränden sollte deshalb niemand versuchen, durch ein verrauchtes Treppenhaus zu flüchten“, warnt der Experte. „Daher hat die Jugendgruppe bei unserer Simulation im rauchfreien Kirchensaal auf die Einsatzkräfte gewartet.“ Die evakuierten Jugendlichen und Handwerker wurden zum Versorgungsplatz gebracht, den die DRK-Bereitschaft am Rathausbrunnen aufgebaut hatte.

Kinder verstecken sich

Max Dopatka betonte, dass die Kirche auch unter der Woche genutzt wird: „Prinzipiell ist immer davon auszugehen, dass sich einige Menschen in einer Kirche befinden.“ Darunter auch Kinder. Für sie sei typisch, dass sie sich bei Bränden verstecken, weil sie sich dann in Sicherheit wiegen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. „Deshalb suchen wir beispielsweise in Schränken, Kommoden und unter dem Sofa gezielt nach Kindern“, klärte Dopatka auf. Pfarrer Andreas Traut berichtete, dass bis zu 300 Menschen bei einem Gottesdienst in der Stephanuskirche Platz finden. Die können das Bauwerk im Notfall über fünf Ausgänge verlassen.

Da ein so großes Gebäude Kapazitäten in Form von Geräten und Manpower bindet, wird im Ernstfall automatisch die Freiwillige Feuerwehr Weilheim alarmiert. „Käme es tatsächlich zu einem Brand, würden wir dem Wassernetz allein für die Bekämpfung über die Drehleiter 1600 Liter Wasser pro Minute entnehmen“, so Max Dopatka. „Damit die Wasserversorgung nicht zusammenbricht, würden wir nicht nur an den Ecken Bahnhofstraße und Kirchheimer Straße Löschwasser entnehmen, sondern auch in der Blumenstraße.“ Das heißt, neben dem Wasserbehälter beim Schützenhaus würde auch der Wasserbehälter an der Schule zum Einsatz kommen. Für die stellvertretende Bürgermeisterin Heike Schwarz stellte die Übung einmal mehr die hohe Schlagkraft der Holzmadener Feuerwehr unter Beweis.

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