Weilheim und Umgebung

Im Zeitraffer durch die Geschichte

Stadtjubiläum Drei Tage lang hat Weilheim durchgefeiert. Gestern ist das große Festwochenende zu Ende gegangen – mit einem historischen Umzug als Höhepunkt. Von Bianca Lütz-Holoch

Applaus ertönt, als der historische Festumzug an der Weilheimer Peterskirche eintrifft. Tausende von Zuschauern aus nah und fern haben sich entlang der Marschroute positioniert, um die Geschichte des Städtles im Zeitraffer an sich vorbeiziehen zu lassen. Angeführt wird der Festzug von einer Kutsche mit Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle und Landrat Heinz Eininger an Bord. Ihnen folgen die Weilheimer Stadträte - allerdings in ungewohnter Kleidung. Statt Jeans und Hemd oder Bluse tragen sie Frack und Zylinder, Taftkleid und Hut - ganz im Biedermeier-Stil.

1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug
1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug

Der historische Festumzug am Sonntagnachmittag ist Höhepunkt des Festwochenendes anlässlich der ersturkundlichen Erwähnung Weilheims vor 1 250 Jahren und der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1319. Rund 50 Gruppen und Vereine aus Weilheim und Umgebung nehmen teil, die meisten sind kostümiert. Unter sie gemischt haben sich elf Musikkapellen aus der Region. Prächtig geschmückte Festwagen fahren durchs Städtle, von den Vereinen und Gruppen in Eigenregie gebaut. Sie zeigen Modelle des Klosters Lorsch und der Peterskirche oder fahren gar eine Freibadrutsche umher. Immer wieder fliegen den Besuchern am Rand der Straße Würste und Gebäck zu - oder sie dürfen kleine Gläser mit Wein probieren.

350 Teilnehmer in historischen Kostümen haben am Festumzug teilgenommen. Bürgermeister Johannes Züfle und Landrat Heinz Eininger
350 Teilnehmer in historischen Kostümen haben am Festumzug teilgenommen. Bürgermeister Johannes Züfle und Landrat Heinz Eininger fuhren in der Kutsche vor.

„Insgesamt laufen beim Festzug 1 500 Menschen mit“, sagt der Weilheimer Radiosprecher Udo Mayer, der den Festumzug moderiert. Rund 350 Teilnehmer tragen originalgetreue, historische Verkleidungen des Theaterkostümhauses Wagner. Für sie haben die Vorbereitungen für den Festumzug zum Teil schon sechs Stunden vor dessen Start begonnen.

Ein Blick zurück: Gegen 7.30 Uhr trudeln am Sonntagmorgen die ersten Teilnehmer des Festumzugs in der Limburghalle ein. 420 laufende Meter Biertische sind dort aufgebaut. Auf allen liegen, sorgfältig vorbereitet, Häufchen mit Gewändern, Kutten und Fellen, Gürteln, Schärpen und Hüten: Die Limburghalle hat sich in eine riesige Theatergarderobe verwandelt.

Viele Vereine und Gruppen haben in Eigenregie Festwagen gebaut. Hier zu sehen ist die Peterskirche.
Viele Vereine und Gruppen haben in Eigenregie Festwagen gebaut. Hier zu sehen ist die Peterskirche.

Verantwortlich für die historischen Verkleidungen ist das Theaterkostümhaus Wagner aus Stuttgart. Thomas Kerber, der das Familienunternehmen in vierter Generation leitet, schwirrt durch die Halle, schaut nach dem Rechten und instruiert seine Leute. 25 seiner Mitarbeiter helfen dabei, die Weilheimer Umzugsteilnehmer mit Kutten und Schärpen, Hemden und Schuhen auszustatten. Acht Maskenbildner schminken Männer, Frauen und Kinder, stecken Haare hoch und befestigen Perücken. Für Thomas Kerber ist das Festwochenende in Weilheim etwas ganz Besonderes: „Wir haben schon die Kostüme für den Umzug beim Stadtjubiläum vor 50 Jahren geliefert“, sagt er. Damals hätten noch seine Eltern das Kostümhaus geführt.

Mit dabei: die Zähringer und zahlreiche Kapellen
Mit dabei: die Zähringer und zahlreiche Kapellen

Zurück zum Festumzug: In der Brunnenstraße schleppt eine Gruppe von Männern und Frauen in Fellkleidung einen Spieß, an dem eine Wildsau baumelt. Einige der Neandertaler drohen mit Speeren und Holzstäben. Die Steinzeitmenschen tragen der Tatsache Rechnung, dass in Weilheim schon weit vor der Erwähnung im Jahr 769 Menschen gelebt haben. So sind auf Weilheimer Markung Werkzeuge aus der Steinzeit gefunden worden - ebenso wie Waffen, Gräber und Gefäße aus der Zeit der Kelten, Alemannen und Römer. All diese ehemaligen Bevölkerungsgruppen marschieren an den Zuschauern vorbei, mit Tuniken und Sandalen, Lanzen und Helmen ausgestattet. Die Mönche des Klosters Lorsch schwenken auf ihrem Festwagen die historische Schenkungsurkunde, und die Zähringer halten ihre Wappen hoch. Andere Gruppen gehen auf Meilensteine wie den Bau des Rathauses und die Eingemeindung ein, wieder andere erinnern an verheerende Ereignisse wie den Bauernkrieg oder den Ausbruch der Pest. Metzger und Weinbauern, die Schulen, Sport und Gesangvereine, Feuerwehr, Eisenbahn und Postkutschenverkehr haben ebenso ihren Platz im Festreigen wie neuere Entwicklungen und Vereine - sei es der Förderverein des Freibads oder der Hundesportverein, der als jüngster Spross das Schlusslicht bildet.

1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug
1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug

Das Ende des Umzugs ist gleichzeitig der Startschuss - für den Sturm der Festzelte im Städtle. Dort werden die Gäste zum Ausklang des Wochenendes noch bis in den Abend hinein bewirtet und von den Musikkapellen unterhalten.

1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug
1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug

Begonnen hatte der Veranstaltungsmarathon bereits am Freitag mit Kleinkunst und Comedy (siehe nächste Seite). Weiter ging es tags darauf mit einem Familiennachmittag und einer rauschenden Partynacht in sechs Zelten (Bericht folgt). Drei Tage lang hat Weilheim nun also durchgefeiert. Das Fazit ist rundum positiv: „Unsere Erwartungen wurden sogar noch übertroffen“, freut sich Festorganisatorin San­dra Schöne.

3 Noch mehr Impressionen vom Festwochenende gibt es in einer Bildergalerie auf der Hompage des Teckboten zu sehen.

1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug
1250 Jahre Weilheim, Stadtjubiläum, Festumzug

Beim Festwochenende aufgeschnappt

Die weiteste Anreise hatte vermutlich Bernd Huss. Der Weilheimer ist vor 28 Jahren nach Neuseeland ausgewandert. Von eben dort ist er eigens für das Festwochenende in die alte Heimat gekommen.

2,6 Kilometer lang ist der historische Festzug gewesen. Das haben die Veranstalter ausgerechnet.bil